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Fasching

07.02.2018

Rußiger Freitag: Bedeutung, Herkunft, Brauchtum

Ein Plätzlernarr schwingt in Weingarten seine Karbatsche (Peitsche). Ende der Woche ist Rußiger Freitag. Welche Bedeutung hat der Name, und woher kommt der Brauch?
Bild: Felix Kästle (dpa/Archiv)

Ende der Woche ist Rußiger Freitag. Welche Bedeutung hat der Name, und woher kommt der Brauch? Ein Experte klärt auf.

Der rußige Freitag ist der Freitag vor Aschermittwoch und der Tag nach Weiberfasnacht oder dem "schmotzigen Donnerstag". "Gefeiert wird am rußigen Freitag nichts", sagt Fastnachtsexperte Jürgen Hohl. Schließlich wird in der christlichen Tradition an jedem Freitag dem Todestag von Jesus gedacht. Vielmehr sei der rußige Freitag ein Brauch in der schwäbisch-alemannsichen Fastnacht, den es seit dem Mittelalter gibt, so der Mitbegründer des Fastnachtsmuseums in Weingarten.

Genauer gesagt sind es sogar zwei Bräuche, die am Rußigen Freitag miteinander verschmelzen. "Früher war am rußigen Freitag die letzte Gelegenheit, Schmalzgebäck auszubacken, da nach der Fastnacht die Fastenzeit beginnt", erklärt Hohl. Deswegen heißt der rußige Freitag auch schmalziger Freitag oder bromiger Freitag, ein altes Wort für Schmalz.

Außerdem hätten die Menschen am rußigen Freitag Schabernack getrieben: "Sie haben den Ruß aus dem Ofenrohr gekratzt und auf der Straße andere Leute verrußt, ihnen also Ruß an die Nase geschmiert", sagt Hohl.

"Rußiger Freitag": Noch heute beschmieren sich Feiernde mit Ruß

Die beiden Bräuche am rußigen Freitag sind dann ineinander übergegangen: Die Narren zogen durch die Straßen und haben die Leute, die aus den Fenstern geschaut haben, "verrußt". Im Gegenzug dafür bekamen sie Schmalzgebäck geschenkt.

Noch heute ist es in manchen Gegenden Brauch, am rußigen Freitag anderen das Gesicht mit Ruß oder schwarzer Farbe zu beschmieren. Ob es nun rußiger, bromiger oder schmalziger Freitag heißt, das kommt auf die Region an, in der man wohnt. "Es gibt den Brauch aber in ganz Süddeutschland", erklärt Hohl.

Karneval und die schwäbisch-alemannische Fastnacht haben übrigens einen gemeinsamen Ursprung im Mittelalter, beide sind "Ventil-Feste" vor der Fastenzeit: "Das wird noch einmal richtig die Sau rausgelassen." Der Karneval kommt ursprünglich aus Italien und und von ihm sind einige Sitten übernommen worden, wie etwa der Karnevals-Prinz. "Der Karneval ist eher vornehm, wobei es auf der Fastnacht rauer zugeht", sagt Hohl. (piar/AZ)

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