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Bayerisches Fernsehen

19.03.2019

So war die TV-Premiere von "Gottschalk liest?" in Augsburg

Thomas Gottschalk hatte am Dienstagabend Premiere mit seiner neuen Literatursendung im Dritten.
Bild: Ulrich Wagner

Bei der Premiere seiner Literatursendung zeigt sich der Entertainer gewohnt schlagfertig. Aber kann er wirklich Literatur und Unterhaltung versöhnen?

Quotenstar trifft Literaten, herauskommt schlaue Unterhaltung für ein breites Publikum. So war das Versprechen für die neue Literatursendung „Gottschalk liest?“, die am Dienstagabend Premiere hatte im Bayerischen Fernsehen. Nach 45 phasenweise unterhaltsamen Minuten kann man zumindest eines sagen: „Gottschalk spricht“ wäre der ehrlichere, aber zugegebenermaßen weniger überraschende Titel gewesen.

Das Etikett „Talkshow“ passt besser zu der Sendung, die vier Mal im Jahr in immer einer anderen bayerischen Stadt aufgezeichnet werden soll. Den Anfang hat nun Augsburg gemacht. Vier Autoren hat der bald 69 Jahre alte Moderator eingeladen, um mit ihnen über ihre neu erschienenen Bücher zu sprechen: Sarah Kuttner („Kurt“), Ferdinand von Schirach („Kaffee und Zigaretten“), Vea Kaiser („Rückwärtswalzer“) sowie der Augsburger Fotograf Daniel Biskup („Wendejahre“) durften bei der bereits am Aschermittwoch aufgezeichneten Sendung nacheinander neben Gottschalk auf einer Sitzgruppe im Vintage-Stil im Kurhaus Göggingen Platz nehmen.

Fernsehen und Literatur haben einiges gemeinsam. Beide leben vom und für das Erzählen. Beiden schaffen – zumindest wenn es gut geht – Scheinwelten, in die man eintauchen will. Trotzdem hat es in den vergangenen Jahren nie mehr so recht geklappt, Literatur und Fernsehen zusammenzubringen: Wird es zu inhaltlich, landet man in der Nische, wird es zu polemisch, bekommt der Kritiker meist Angst, seinen Ruf aufs Spiel zu setzen. Der Spagat gelingt nur selten. Und selbst wenn – siehe Elke Heidenreich –, ist das keine Garantie auf einen Sendeplatz.

Kritik zu "Gottschalk liest?" -  Plaudern ist Programm

Gottschalk ist schlau genug zu wissen, dass seine Stärke nicht die Literaturkritik ist. Plaudern war also Programm. Umso unverständlicher darum, dass der Mann mit der gefürchtet lockeren Schnauze die Chance nicht genutzt hat, die Gespräche mit seinen Gästen ins Freie, Improvisierte laufen zu lassen: Ein kurzer Einspieler zum Buch, einige inhaltliche Fragen und zack, schon geht es zum nächsten Gast. Anders ist das Pensum nicht zu schaffen, zumal am Ende noch Zeit für eine gemeinsame Schlussrunde bleiben muss.

Interessant wird es, als Gottschalks von Gedanken oft unbeschwerter Redestrom auf einen Menschen wie Ferdinand von Schirach trifft, der sich, laut eigener Aussage, „mit dem Glück etwas schwerer tut“. Schlagfertig und in sich ruhend nimmt der Autor dem Moderator das Heft aus der Hand.

 

Ebenfalls zumindest bemerkenswert für eine Literatursendung: Wenn der Gastgeber damit kokettiert, dass er zur Vorbereitung die Bücher der Gäste habe lesen müssen. Immerhin: Er sei bei allen danach froh gewesen, es getan zu haben. Gottschalk eben. Bei „Wetten, dass..?“ war das ja nicht anders: keine Tiefenbohrungen.

Aber dafür weiß er auch, wann er sich zurückhalten muss – und dass eine Aufzeichnung am Ende noch geschnitten wird. So entwickelt sich doch eine muntere Schlussrunde. Fazit: „Ein Buch darf nicht langweilen“ – Marcel Reich-Ranickis Credo gilt auch fürs Fernsehen. Nach dem ersten Kapitel der neuen Gottschalk-Story weiß man noch nicht, wo der Autor hinwill. Aber weiterschauen will man doch.

Lesen Sie dazu auch unser großes Montags-Interview mit Thomas Gottschalk: "Fernsehen, wie ich es gelebt habe, gibt es nicht mehr"

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