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Corona-Krise

16.04.2020

Sommer der Absagen: Wie die Krise Festivals, Konzerte und Theater trifft

Das Münchner Olympiastadion, ein Ort, an dem es diesen Sommer sehr wahrscheinlich keine Großveranstaltung geben wird.
Bild: Süddeutsche, dpa

Plus Die großen Festivals fallen aus, Großveranstaltungen sind bis Ende August verboten. Gerade arbeitet die Event-Branche daran, Ausweichtermine zu finden.

Punkt 9 des Corona-Maßnahmenpakets, das die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten am Mittwoch vereinbart haben, ist der kürzeste: „Großveranstaltungen spielen in der Infektionsdynamik eine große Rolle, deshalb bleiben diese mindestens bis zum 31. August 2020 untersagt.“ Nur kurze Zeit danach entfaltet diese Einschränkung eine ungemeine Wirkung: Die großen Musikfestivals sagen ihre Termine ab, Wacken, das Southside, Rock am Ring und Rock im Park – sie alle werden nicht stattfinden. Der Festivalsommer, er wird in diesem Jahr nicht stattfinden.

Aber nicht nur das: Andreas Gabalier, der am 15. August auf dem Messegelände München-Riem vor einer Rekordkulisse an Menschen auftreten wollte, kündigt eine Verschiebung seines Fan-Festivals an. Das Ikarus-Festival am Allgäu Airport in Memmingerberg, ein Großevent, für das die Veranstalter in diesem Jahr mit 70000 Besuchern gehofft hatten, ist jetzt auch abgesagt. Vier Millionen Euro wollte der Veranstalter für das Event in die Hand nehmen, das vom 29. Mai bis 1. Juni auf sieben Bühnen mit 120 DJs aus der ganzen Welt geplant war. Ikarus soll im nächsten Jahr wieder abheben.

Ganz klar ist die Lage am Donnerstag danach aber dann auch nicht: Zum Beispiel ist der Auftritt von Guns N’ Roses am 23. Mai im Olympiastadion in München (noch) nicht abgesagt.

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Die große Frage lautet: Was wird als Großveranstaltung definiert?

Sobald die Veranstaltungsgröße eine Nummer kleiner als ein Stadion wird, wird es unübersichtlich: die Ratiopharm Arena in Ulm oder die Olympiahalle in München haben im Mai weiter Termine stehen. Wenn man sich bei Veranstaltern umhört, lautet die große Frage bei allen: Was wird als Großveranstaltung definiert und für welche Veranstaltungen gilt die Fortschreibung der ersten bundesweiten Corona-Maßnahmen bis zum 4. Mai? Denn abgesagt wird oft erst, wenn die Veranstaltungen von staatlicher Seite untersagt werden, damit andere Haftungs- und Versicherungsregeln in geschlossenen Verträgen greifen.

Zum Beispiel hat seit Beginn der ersten Corona-Maßnahmen niemand ernsthaft damit gerechnet, dass in Augsburg vom 8. Mai bis zum 14. Juni das Mozartfest stattfinden kann. Aber solange es keine klaren Vorschriften staatlicherseits gab, musste der künstlerische Leiter Simon Pickel davon ausgehen, dass das große Klassik-Festival in Augsburg vielleicht doch unter Einschränkungen stattfinden kann. Am Donnerstagnachmittag gab es Gewissheit: Die Stadt Augsburg sagte das Klassikfestival ab. „Wir planen jetzt mit einem Ersatztermin im Herbst“, sagt der künstlerische Leiter Simon Pickel. Härter trifft es Augsburgs großes Jugendfestival Modular, das im Juni hätte stattfinden sollen und auf nächstes Jahr verschoben wird.


Kommt die Theatersaison noch einmal richtig ins Laufen?

Das Staatstheater Augsburg hat bereits am Donnerstagmorgen auf die Fortschreibung der Corona-Maßnahmen bis 4. Mai reagiert. Bis dahin sind alle Veranstaltungen abgesagt. Ebenfalls sieht man im weiteren Verlauf schon die Corona-Spur: Drei Produktionen fallen in dieser Spielzeit komplett aus. „Große Hoffnung, dass wir diese Spielzeit noch einmal richtig zum Laufen bringen, mache ich mir nicht“, sagt Staatsintendant André Bücker.

Gänzlich abschreiben können der Intendant und sein Team sie trotzdem nicht. Vielleicht ist es unter Einhaltung von Abstandsregeln ja noch möglich, den Spielbetrieb wieder aufzunehmen. Die große Frage für die Theater ist auch, wann die Probenarbeit wieder aufgenommen werden kann. Vor allem für Chor, Orchester und das Ballett sei das Einhalten von Abstandsregeln schwer zu bewerkstelligen. Außerdem wackelt die Open-Air-Saison auf der Augsburger Freiluftbühne, die gut 2000 Besuchern Platz bietet. „Sind unsere Freiluftbühnen-Aufführungen Großveranstaltungen?“, fragt Bücker und weiß die Antwort darauf noch nicht.

Am Landestheater Schwaben überlegt man, früher in die neue Spielzeit zu starten

Mittlerweile stellt sich für Bücker und seine Kollegen an anderen Theatern nicht nur die Frage, inwieweit die Corona-Pandemie diese Spielzeit beeinträchtigt, sondern auch die kommende. „Die Vorproben müssen im Juni, spätestens Anfang Juli beginnen“, sagt Bücker.

Auch die Intendantin des Landestheaters Schwaben, Kathrin Mädler, hofft, die Spielzeit nochmals aufnehmen zu können – freilich erst ab Mitte Mai. Und vielleicht kann im Juni oder Juli sogar noch die Premiere von Wajdi Mouawads „Vögel“ über die Bühne gehen. Mädler denkt aber schon daran, die Spielzeit 2020/21 früher zu starten.

Wie dramatisch sich die neue Regelung auswirkt, beschreibt Lothar Schlessmann, der mit seiner Agentur Hello Concerts die Spider Murphy Gang, Haindling und die Münchner Freiheit schon lange betreut. „Ich sage gerade bis Ende August zwischen 80 und 100 Shows ab und suche dafür Ersatztermine.“ Viele von den Veranstaltungen waren ausverkauft. Für die Künstler und alle anderen Beteiligten sei das ein finanzielles Desaster. Deshalb richtet Schlessmann an die Fans einen Appell: „Behaltet eure Tickets und geht zu den Ersatzterminen.“ An diesen arbeiten im Hintergrund gerade so gut wie alle größeren Konzertveranstalter. Es wird also noch zu weiteren Verschiebungen und Absagen kommen.

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