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09.08.2018

Spitzweg beschädigt statt restauriert

Der Galerist Baumgartl mit den drei verbliebenen Bildern.
Foto: Matthias Balk, dpa

Ein Galerist bekommt Schadensersatz

Er lässt es sich nicht nehmen, am Mittwochmorgen im Gericht zu erscheinen. Andreas Baumgartl will dabei sein, wenn das Urteil fällt in einem Streit, der ihn seit Jahren beschäftigt. Es war 2009, als der Münchner Galerist einem Restaurator vier Ölgemälde übergab, um sie reinigen zu lassen. Unter ihnen eines von Carl Spitzweg. Aus Baumgartls Sicht hat der Restaurator die Gemälde verhunzt, Farben weggewaschen durch viel zu scharfe Lösungsmittel. Deswegen verklagte er ihn, forderte Schadenersatz, Kosten für die Gutachten und Werklohn zurück.

Der Fall ging vor das Landgericht Traunstein, wo die Richter Baumgartls Ansprüche gegen den Restaurator anerkannten. Der jedoch sah keine Schuld bei sich und ging in Berufung. Jetzt also das Oberlandesgericht München. Aber dessen Senat folgt weitgehend dem Urteil: Der Restaurator soll dem Galeristen rund 26000 Euro zahlen. „Wir gehen davon aus, dass seitens des Beklagten die Bilder verpfuscht worden sind“, sagt der Vorsitzende Richter. Baumgartl atmet auf. Sein Gegner ist nicht erschienen.

Vor der Restaurierung hatte das Spitzweg-Gemälde „Der Schreiber“ laut Klage einen Zeitwert von 20000 bis 25000 Euro – danach sei der Verkaufswert auf 5500 Euro gesunken. Der Anwalt des Beklagten wehrte sich gegen diese Darstellung. Die Gemälde seien schon zuvor in einem schlechten Zustand gewesen. Anfang Juli kam ein Kunsthistoriker als Gutachter zu Wort – und untermauerte Baumgartls Vorwürfe: Die oberste Malschicht sei stark gereinigt worden, etliche Details seien dadurch verloren gegangen.

Den Spitzweg hatte Baumgartl 2011 in einem Kölner Auktionshaus versteigern lassen. Die übrigen drei Bilder sollen nun im Herbst in München unter den Hammer kommen. „Man muss schauen, was sie überhaupt noch wert sind“, sagt er. Es sei ein Verlust, materiell wie immateriell. Wera Engelhardt, dpa

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