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Theater Frankfurt

26.06.2017

Steifer Rückenwind für einen Theater-Neubau

Das Foyer von Schauspiel (l) und Oper in Frankfurt am Main. Über die Zukunft der maroden Städtischen Bühnenanlage wird heftig diskutiert. 
Bild: dpa

Schauspiel und Oper der Stadt Frankfurt sind marode. Ob Sanierung oder Neubau: Unter 850 Millionen Euro kommt die Banken-Stadt nicht davon. Die Elbphilharmonie lässt grüßen

 So mancher Denkmalschützer und Architekt kommt bei den Städtischen Bühnen in Frankfurt ins Schwärmen: Hinter der mehr als 100 Meter langen Glasfassade, die unter goldenen Wolken-Skulpturen Schauspiel und Oper vereint, haben Besucher eine prächtige Aussicht. Und abends wirkt der aus dem Jahr 1963 stammende Komplex mit seinem gewaltigen Foyer und seinem Marc-Chagall-Großformat wie ein „Leuchtkasten“, sagt Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD).

Was auf den ersten Blick beispielhaft transparent wirkt, ist im Kern jedoch zutiefst marode: Das markante Gehäuse entspricht schon lange nicht mehr dem heutigen Stand der Klimatechnik. Außerdem muss die Heizung in der Doppelanlage, die zu den größten in Europa gehört, erneuert werden. Die Auflagen für den Brandschutz sind ebenfalls gestiegen. Im Gebäude sind zudem Wasserrohre defekt, ins Theater hat es sogar schon reingeregnet.

Also tagte zwei Jahre lang ein Konsortium von Fachleuten an einer Studie, die die Sanierungskosten ermitteln sollte. Zunächst hatte die Stadt noch die Hoffnung, mit 300 Millionen Euro davonzukommen – was schon deutlich teurer gewesen wäre als die angelaufene Sanierung des Theaters Augsburg mit anberaumten Kosten von 189 Millionen Euro. Dies sind im Übrigen nur zwei Beispiele von aktuellen deutschen Theatersanierungen. Andere Großbaustellen befinden sich unter anderem in Köln (400 Millionen Euro), am Gärtnerplatz München (100 Millionen), demnächst am Opernhaus Stuttgart (400 Millionen).

Neubau ist wohl sinnvoller

Aber es wird in Frankfurt bei 300 Millionen garantiert nicht bleiben. Während über der Kostenstudie gebrütet worden war, sprach der nun scheidende Schauspiel-Intendant Oliver Reese von mindestens 500 Millionen Euro – eine Summe, die die Politiker aufschreckte und manchen überlegen ließ, ob in diesem Fall nicht ein kompletter Neubau anstelle der Sanierung das Sinnvollere wäre. Diese Überlegung erhielt steifen Rückenwind, seitdem die Studie jetzt auf dem Tisch liegt und schwarz auf weiß zu lesen ist: Für eine Sanierung werden zwischen 848 und 868 Millionen Euro veranschlagt, für Abriss und Neubau muss mit 889 Millionen Euro gerechnet werden. Die Elbphilharmonie lässt grüßen.

Und so hat sich der Frankfurter SPD-Oberbürgermeister Peter Feldmann ebenso wie die Grünen-Fraktion umgehend für einen Neubau der Städtischen Bühnen an gleicher Stelle ausgesprochen. „Der Standort Willy-Brandt-Platz hat Priorität“, so Feldmann. Er sekundiert mit dieser Haltung nun seiner Kulturdezernentin Ina Hartwig, die schon zuvor zu einer Anhängerin der Abrissbirne geworden war. Nicht zuletzt auch aus der Überlegung heraus, dass eine Sanierung rund elf Jahre dauern würde, ein Neubau aber nur sechs Jahre.

Aber auch ein Neubau an anderer Stelle ist noch nicht vom Tisch. Das würde garantieren, dass Oper und Schauspiel während dieser Zeit weiterspielen können.

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