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28.06.2009

Stuttgart feiert "Orphée et Euridice"

Stuttgart feiert «Orphée et Euridice»
Bild: DPA

Stuttgart (dpa) ­ Der Liebesgott Amor ist weiblich, trägt Puder und Paillettenkleid. Amor steht inmitten einer Schar von Ballett tanzenden Engeln in knappen Glitzerhosen, dirigiert deren Bewegungen und singt dazu eine Arie.

"Ballett und Oper finden gemeinsam statt, genauso wie die tragische Handlung durch komische Momente wie diesen aufgelockert wird", erklärt Regisseur Christian Spuck. Er hat an der Stuttgarter Staatsoper "Orphée et Euridice" von Christoph Willibald Gluck inszeniert, das am Samstag Premiere feierte.

Die Geschichte um den Sänger Orpheus, der ­ aufgefordert von Amor - ins Totenreich hinabsteigt, um mit Hilfe seiner Lieder die Geliebte Eurydike zurück zu gewinnen, ist die erste gemeinsame Musiktheaterproduktion von Stuttgarter Ballett und Opernensemble. "Es war eine riesige Herausforderung, beide Sparten zu verbinden", erläutert Spuck, der zugleich für die Choreographie verantwortlich zeichnet. Zwei Jahre habe er daher an der Operninszenierung gearbeitet.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die Bühne ist nur spärlich ausgestattet. Die einzige Kulisse stellt einen Ballsaal dar. Der verwandelt sich - je nach Szene und dank geschickter Beleuchtung - ins dunkle Totenreich, zum Elysium oder wird Schauplatz von Orpheus und Eurydikes Hochzeit. Die Kostüme verändern sich kaum, als Requisiten dienen lediglich einige Holzstühle. Im Gegensatz zu diesem Minimalismus setzt Spuck bei den Darstellern auf ein riesiges Ensemble, stellt bis zu 60 Akteure gleichzeitig auf die Bühne.

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"Das Aufregende an dieser Produktion besteht für mich im angestrebten Gleichgewicht von Tanz und Gesang", sagt der Regisseur. Er lässt reine Tanz- und auch reine Gesangsszenen spielen. Besonders beeindruckend wirkt seine Inszenierung aber, wenn Sänger und Tänzer gemeinsam auf der Bühne stehen. Zwar besteht speziell im ersten Akt die Gefahr, dass sich beide sehr gute Darbietungen gegenseitig zu übertreffen versuchen. "Aber gerade durch ihre Verschiedenartigkeit ergänzen sich Oper und Ballett", findet Spuck. Beides seien abstrakte Künste, aber von der jeweiligen Struktur her ähnlich. Daher habe das gesamte Ensemble bis zum letzten Chorsänger an einem Strang gezogen.

Aus dieser künstlerischen Einheit stach Luciano Botelho besonders hervor, der für seinen kolorierten Tenor-Part des Orpheus vom Publikum gefeiert wurde. Auch Christina Landshamer als überdrehter Liebesgott Amor, der mitsamt tanzenden Engeln die Oper vor allzu starkem Pathos rettete, bekam Standing Ovations. Ähnlich starken Applaus erhielten die vier Solo-Paare des Balletts, der musikalische Leiter Nicholas Kok sowie Regisseur und Choreograph Spuck.

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