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19.06.2009

TV-Profi Hoffmann wird Philharmoniker-Intendant

TV-Profi Hoffmann wird Philharmoniker-Intendant
Bild: DPA

Berlin (dpa) - Ein Versprechen konnte Fernsehproduzent Martin Hoffmann ("Bauer sucht Frau") bereits am Freitag geben: Als künftiger Intendant der Berliner Philharmoniker werde er das Orchester in keiner Doku-Soap auftreten lassen.

Ansonsten hielt sich der 49-Jährige mit seinen Plänen für den wohl begehrtesten Managerjob in Deutschlands Klassikwelt bedeckt. Und trotzdem: Mit der Berufung des einstigen Sat.1-Geschäftsführers begibt sich das 127 Jahre alte Orchester auf Neuland. Nicht mehr ein Kulturmanager wird von August 2010 an für zunächst fünf Jahre mit Chefdirigent Sir Simon Rattle den Ton in der Philharmonie angeben. Mit dem Medienprofi Hoffmann tritt erstmals ein Fachfremder an die Spitze von Berlins Orchesterrepublik.

Die Deutsche Orchestervereinigung wollte der Wahl Hoffmanns auch gleich etwas Epochales abgewinnen. "Die Entscheidung gegen einen Künstlerintendanten und für einen Managerintendanten zeigt, wohin die Reise geht". Die Ernennung habe eine Signalwirkung für die gesamte deutsche Theater- und Orchesterlandschaft. Bei der professionellen Vermarktung gebe es dort noch immer "einigen Nachholbedarf", erklärte die Musiker-Gewerkschaft. Auch Sir Simon fühlt mit Hoffmann neuen Schwung. "Er wird uns helfen, die Rolle des Orchesters im 21. Jahrhundert neu zu definieren", sagte der Chefdirigent bei der Vertragsunterzeichnung am Freitag.

Was das in Zeiten klammer öffentlicher Kassen bedeutet - darauf gab Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz Hinweise: Hilfe bei der Suche nach Sponsoren, eine bessere Vermarktung und "Programmformate für die Medien". Tatsächlich suchen angesichts des rasanten Medienwandels und der demografischen Entwicklung nicht nur die Philharmoniker nach neuen Wegen zum Publikum. Hoffmann, Vorstandschef der Fernsehproduktionsfirma MME und für Programme wie "Richterin Barbara Salesch" oder den "Tatort" aus Münster zuständig, könnte da neue Wege weisen.

TV-Profi Hoffmann wird Philharmoniker-Intendant

Zwar kam unter der heutigen Intendantin Pamela Rosenberg in den "großen subventionierten Betrieb" (Schmitz) etwas neuer Wind. Mit kostenlosen Mittagskonzerten und Live-Aufführungen im Internet leitete die Amerikanerin einen Modernisierungsschub im selbstverwalteten Orchester ein.

Doch unter den Musikern hatte die einstige Opernmanagerin aus San Francisco nicht nur Sympathien. "In den letzten Monaten wurde uns klar, dass wir eine starke Führungspersönlichkeit brauchen, auch als Partner für den Chefdirigenten", umschrieb Orchestervorstand Andreas Wittmann die Erwartungen an Hoffmann.

Mit der Musikqualifikation des Juristen Martin Hoffmann konnten die Philharmoniker die Wahl allerdings nicht begründen. Die beschränken sich auf Geigenunterricht in Kinder- und Jugendjahren sowie eine Vorliebe für die Sinfonien von Anton Bruckner und Gustav Mahler - und für die Rolling Stones, sowie ein Philharmoniker-Abonnement: "Block A, Reihe 10, Sitz 13". Man habe eine "Persönlichkeit mit Führungsqualifikation" gesucht, sagte Wittmann. Das Orchester sei von der Wahl "einhellig begeistert" - sicherlich auch von der Perspektive, eine stärkere mediale Präsenz zu erlangen.

Der Job könnte sich für Hoffmann aber auch als Schleudersitz erweisen. Mit Ausnahme der Amerikanerin Rosenberg, die ihren Vertrag regulär erfüllen wird, hat es seit dem Ende der Ära Herbert von Karajans kaum ein Intendant längere Zeit auf diesem Posten ausgehalten.

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