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Trailer und Kritik

23.01.2019

"The Favourite" zeigt zwei Frauen im tückischen Machtkampf

"The Favourite" kommt ins Kino: Zwei Frauen buhlen um Queen Anne (Olivia Colman, Mitte): Abigail (Emma Stone, links) und Lady Sarah (Rachel Weisz, rechts).
Bild: 20th Century Fox

Am englischen Hof von Königin Anne geht es drunter und drüber. Rachel Weisz und Emma Stone stehen in erbitterter Konkurrenz. Der Film ist ein großer Oscar-Favorit.

Das Genre des Historienfilms bekommt zurzeit im Kino eine kräftige Grunderneuerung. In Otto Bathursts „Robin Hood“ erstrahlte der Held zu Heavy-Metal-Klängen in schwarzledernem Revoluzzer-Pathos. Josie Rourke lieferte mit „Maria Stuart“ ein feministisches Update des Zwistes zwischen Elisabeth I. und ihrer Rivalin.

Nun folgt mit Yorgos Lanthimos „The Favourite“ eine royale Farce, in der die filmisch kaum beachtete Regentschaft von Königin Anne Anfang des 18. Jahrhunderts ins Visier genommen wird.

"The Favourite" - Historienfilm rückt Frauenfiguren ins Zentrum des Interesses

Ähnlich wie „Maria Stuart“ rückt auch „The Favourite“ die Frauenfiguren am Hof ins Zentrum des Interesses. Aber während Rourke die kuschelige These aufstellte, dass die königlichen Konkurrentinnen letztlich Seelen- und Schicksalsverwandte in einer männerdominierten Welt waren, zeigt Lanthimos („The Killing of a Sacred Deer“) seine Heldinnen als begabte und zu allem entschlossene Intrigantinnen.

Als letzte Königin aus dem Hause Stuart ist Anne (Olivia Colman) an die Macht gekommen. Launisch, wenig gebildet, geplagt von Gicht ist sie überfordert von den Regierungsgeschäften eines Landes, das sich im Krieg mit Frankreich befindet. Ihre engste Vertraute ist Lady Sarah Churchill (Rachel Weisz), die Anne schon seit Kindheitstagen kennt, deren Launen zu bändigen weiß und als Beraterin wie Liebhaberin Ihrer Majestät eine manipulative Schlüsselposition einnimmt. Eigentlich ist es Sarah, die im Palast die politischen Entscheidungen trifft, auch wenn der Führer der Tories Harley (Nicholas Hoult) ihre Machtposition immer wieder zu untergraben versucht.

Echte Konkurrenz bekommt Sarah jedoch durch ihre Cousine Abigail Masham (Emma Stone). Deren Vater hat die eigene Tochter im Kartenspiel verloren, wodurch Abigail den sozialen Abstieg von der Adelstochter zur Prostituierten erfahren musste. Sie bittet die Cousine um eine Anstellung bei Hof und muss zunächst in der Küche den Boden schrubben. Aber Abigail ist eine Frau mit Ambitionen. Es dauert nicht lange, bis die charmante Magd sich die Gunst der Königin erarbeitet hat und versucht, Sarah als deren engste Vertraute auszubooten.

Am englischen Hof von Königin Anne geht es drunter und drüber. Rachel Weisz und Emma Stone stehen in erbitterter Konkurrenz. Der Film ist ein großer Oscar-Favorit.

Oscar-Favorit: "The Favourite" ist für zehn Oscars nominiert

„The Favourite“ – soeben in zehn Kategorien für einen Oscar nominiert – stellt das erotische Intrigendreieck der Frauen ins Zentrum und steht heimtückischen Ränke-Klassikern wie „Gefährliche Liebschaften“ in nichts nach. Dass Besondere ist hier jedoch, dass Männer in diesen Machtkonflikten fast keine Rolle spielen und im höfischen Mikrokosmos die Geschlechterstereotypen genussvoll herumgedreht werden.

„Ein Mann muss hübsch sein“, betont der Oppositionsführer der Tories, der wie alle Herren bei Hofe sein Gesicht unter einer pompösen Perücke und dicken Puderschicht versteckt. Während die Männerwelt eitel herumgockelt, sich beim Entenrennen vergnügt oder in schmucken Uniformen in den Krieg zieht, beschäftigen sich die drei Frauen mit der machtpolitischen Hardware.

Mit sichtbarer Spielfreude und punktgenauem Timing steigen Rachel Weisz und Emma Stone in die erbitterten Konkurrenzkämpfe ein. Überstrahlt wird ihre herausragende Leistung nur noch von Olivia Colman, die ihre verzweifelte Monarchin als große tragische Figur anlegt und sie gleichzeitig mit einer guten Portion Ironie unterfüttert.

Willkürliche Explosivität, abgrundtiefe Depression, verletzte Eitelkeit, Lächerlichkeit und Liebesbedürftigkeit sind in Colmans Performance oft nur einen Lidschlag voneinander entfernt. Zu Recht wurde sie mit dem „Golden Globe“ ausgezeichnet.

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