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Tod mit 71 Jahren

15.06.2018

Trauer um Dirigent Enoch zu Guttenberg

Enoch zu Guttenberg ist tot. Der Dirigent starb im Alter von 71 Jahren.
Bild: Claudio Onorati/ANSA, dpa

Enoch zu Guttenberg war gefragter Dirigent und engagierter Naturschützer. Nun ist er mit 71 Jahren gestorben. Politiker und Wegbegleiter trauern um den Künstler.

Der Dirigent Enoch zu Guttenberg ist tot. Er starb am Freitagmorgen in München nach kurzer, schwerer Krankheit, wie seine Söhne mitteilten. Der Tod kam plötzlich, Guttenbergs Konzertplan war prall gefüllt. Bei den Festspielen auf Herrenchiemsee, die er als Intendant leitete, wollte er im Juli einige Konzerte selbst dirigieren. Dazu wird es nun nicht mehr kommen. Guttenberg wurde 71 Jahre alt. 

Prominenter noch als der Vater ist in Deutschland wohl der Sohn - der einstige CSU-Star und Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (46).

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Aus Protest: Diese Künstler nehmen Abstand vom Echo
Bild: Rainer Jensen, dpa

Der Tod des renommierten Dirigenten löste Trauer und Betroffenheit aus. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) erklärte: "Mit Enoch zu Guttenberg verlieren wir einen der angesehensten deutschen Dirigenten der Gegenwart. Mit seinen musikalischen Visionen und herausragenden Interpretationen von Bachs großen Sakralwerken, der Matthäus- und der Johannes-Passion erlangte er große internationale Anerkennung." Zu Guttenberg sei auch streitbarer Umweltaktivist und aufrechter Kämpfer gegen Antisemitismus und Rassismus gewesen.

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Geboren wurde Enoch zu Guttenberg im kleinen Dorf Guttenberg im oberfränkischen Landkreis Kulmbach, dem Stammsitz seiner Familie. Das Dorf am Rande des Frankenwalds war sein Rückzugsort, mit der Kutsche war er oft in der Gegend unterwegs. Denn ansonsten war Enoch zu Guttenbergs Ort die große Bühne der klassischen Musik. Er gründete die Herrenchiemsee-Festspiele - und musste in den vergangenen Jahren um das renommierte Festival kämpfen, nachdem ein Hauptsponsor abgesprungen war: "Das war ein großer Schock", erinnerte er sich vor wenigen Jahren. 

Guttenberg war ein weltweit gefragter Interpret der geistlichen Werke vom Barock bis zur Romantik. Jahrzehntelang waren seine Aufführungen des Weihnachtsoratoriums und der Passionen von Johann Sebastian Bach unverzichtbare Termine für seine Fans. Mit seinen Ensembles, der Chorgemeinschaft Neubeuern, die er seit 1967 leitete, und der KlangVerwaltung war er zum Beispiel im Concertgebouw Amsterdam oder beim Hongkong Music Festival zu Gast.

Bayerns Kunstministerin Marion Kiechle (CSU) würdigte ihn als "unverwechselbare Musikerpersönlichkeit". Er sei mit seiner unermüdlichen Energie, Kreativität und dezidierten Haltung für viele Menschen Vorbild und Inspiration gewesen. Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel bezeichnete zu Guttenberg bei Twitter als "beeindruckende Persönlichkeit", begnadeten Dirigenten und Künstler. Schäfer-Gümbel pflegte nach eigener Aussage eine Brieffreundschaft zu ihm.

 

Die Gemeinde Guttenberg zeigte sich "schockiert". Wie Bürgermeister Eugen Hain der Deutschen Presse-Agentur sagte, hatte zu Guttenberg trotz seiner Tätigkeit als Dirigent regelmäßig Zeit für sein großes Hobby Kutschfahrten in der Region um den Familienstammsitz gefunden.

Enoch zu Guttenberg engagierte sich jahrzehntelang im Naturschutz. Er gründete den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) mit, trat aber vor einigen Jahren im Streit aus dem Verband aus. Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger sagte, Deutschland verliere einen profilierten und engagierten Natur- und Umweltschützer, der sich jahrzehntelang für den Atomausstieg und für die Erhaltung der Schönheit der Landschaft eingesetzt habe. Zu Guttenberg habe als ein Mitglied der ersten Stunde Maßstäbe in dem Verband gesetzt.

Der Fraktionsvorsitzende der SPD im bayerischen Landtag, Markus Rinderspacher, sah in dem Tod einen schweren Verlust für das Kulturland Bayern. "Ein großer Musiker und Menschenfreund, der eine schmerzhafte Lücke hinterlassen wird", schrieb er bei Twitter.

 

Dazu passt, dass er sich auch kürzlich positionierte, als in der Musikbranche ein Streit um den Echo ausbrach. Aus Protest gegen die Preisverleihung an die Rapper Kollegah und Farid Bang gab auch Enoch zu Guttenberg den Preis zurück. Er hatte 2008 einen Echo Klassik für die Einspielung der vierten Symphonie von Anton Bruckner erhalten. "Nachdem solch ein Preis nun im Jahr 2018 auch Verfassern von widerwärtigen antisemitischen Schmähtexten verliehen und noch dazu vom Ethikrat Ihres Verbandes bedenkenlos freigegeben wurde, würden wir es als Schande empfinden, weiterhin diesen Preis in unseren Händen zu halten", schrieb er.

Seinen prominenten Sohn begleitete Enoch zu Guttenberg im vergangenen Sommer, als dieser Wahlkampf für die Unionsparteien machte. Karl-Theodor zu Guttenberg galt lange als Star der CSU, ehe er wegen einer in weiten Teilen abgeschriebenen Doktorarbeit seine politischen Ämter aufgab und in die USA zog. Karl-Theodor und sein Bruder Philipp stammen aus zu Guttenbergs erster Ehe. Bis vor wenigen Jahren war Enoch zu Guttenberg mit der Dirigentin Ljubka Biagoni verheiratet, mit der er ebenfalls zwei Söhne hatte. (dpa/AZ)

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