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Trotz Dauerkrise: In Corona-Zeiten erscheint das Buch krisenfest

Kommentar Von Stefanie Wirsching
12.10.2020

Die Branche ist im Vergleich zu anderen Kultursparten glimpflich durch die Corona-Zeit gekommen. Darüber kann man sich freuen, aber besser nicht allzu lange.

Der Buchmarkt steckt in der Krise. Ein Satz mit Bart! Also nun wirklich alles andere als neu. Wer die Frankfurter Buchmesse in den vergangenen Jahren besuchte, fühlte sich an ein Pfeifkonzert im dunklen Wald erinnert. Man versicherte sich gegenseitig, dass man nicht alleine ist, dass da draußen schon noch genug Menschen sind, die lesen, ob digital oder analog, die das auch weiterhin tun werden. Tagsüber wurden dann immer noch ganz gute Geschäfte gemacht, abends wurde immer noch recht schön gefeiert. Zumindest Letzteres fällt aus in diesem Jahr, was aber außerhalb des Waldes auch wirklich keinen interessiert!

Die Krise in diesem Jahr ist aber natürlich eine andere. Ins Pfeifen mischt sich kurioserweise auch ein kleiner, fast freudiger Triller. Weil: Alles hätte ja noch viel schlimmer kommen können. Nur um 5,8 Prozent lag der Buchumsatz bis Ende August unter dem des Vorjahres, verglichen mit anderen Kultursparten wie dem Theater oder dem Kino eine Delle. Die Verlage sind mehr oder minder glimpflich durch die verrückten Zeiten gekommen. Das große Minus, das während des Lockdowns entstand, als die Buchhandlungen geschlossen hatten, wird Monat für Monat kleiner. In einem Jahr also, in dem weniger Bücher gedruckt und weniger Bücher gekauft wurden, lautet die Endbilanz vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels: „Das Buch ist krisenfest.“ Ja wie nun?

Gesendet werden Zeichen der Zuversicht

Krisenfest in der Krise? Geht das? Die vorwiegend digital stattfindende Buchmesse versendet jedenfalls schon mal „Signals of Hope“, in Flaggensprache übersetzte Zeichen der Zuversicht. Wobei es bei der Aktion nicht nur um die ungewisse Zukunft der Buchbranche, sondern der ganzen Welt geht. Hoffnungssignale aber gab es ja tatsächlich in diesem Jahr: So viel Zuneigung seiner Kunden wie in den reglosen Wochen im März und April erlebte der Buchhandel lange nicht mehr. Manche Bücher schienen fast so begehrt wie Klopapier – der Roman „Die Pest“von Albert Camus war jedenfalls erst mal vergriffen. Und digital so präsent wie jetzt, unter anderem mit Online-Lesungen, war die Buchbranche noch nie. Signale der Hoffnung ...

Aber Krise ist natürlich schon noch. Dauerkrise hinter der aktuellen Krise. Nur dass man davon gerade weniger redet, weil man sich so freut, dass das Buch also trotz seiner langjährigen Beschwerden vergleichsweise gut über die Runden gekommen ist. All die düsteren Diagnosen der vergangenen Jahre: Sie treffen aber ja noch immer zu. Leser sind zu Nicht-Lesern geworden: Sechs Millionen in sechs Jahren. Fürs Buch bleibt oft schlichtweg keine Zeit, weil die mediale Konkurrenz so groß ist. Auch in Corona-Zeiten wurde gestreamt, was die langen Abenden hergaben. Und ob dann wirklich alle ihren Camus gelesen haben?

So lange gepfiffen wird, ist es ums Buch noch nicht still geworden

Mit der gesellschaftlichen Bedeutung des Lesen geht es jedenfalls weiter dahin. Und in diesem Jahr kommt hinzu, dass der wichtigste öffentliche Auftritt der Bücher in Frankfurt, das große Trommeln, entfällt – auch wenn die Messe das mit digitalen Formaten aufzufangen versucht.

Krisenfest also? Ein Euphemismus. Was die aktuelle Krise mit der Dauerkrise macht, ist noch gar nicht abzusehen. Was bedeutet es für Autoren, dass Verlage ihr Programm ausgedünnt, Titel verschoben haben und mit noch weniger Geld für Neues ins nächste Jahr gehen? Wie sehr verlagert sich die Konzentration auf gut Verkäufliches? Und welche Leser haben sich womöglich noch davongestohlen, weil ein gutes Buch mit rund zwanzig Euro ja auch bezahlt werden will? Ein Signal der Hoffnung ist aber weiterhin dies: So lange gepfiffen wird, ist es ums Buch auch noch nicht still geworden.

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