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08.08.2018

Verdorrte Gefühle

Eine finnische Familiengeschichte

Der Finne Tommi Kinnunen arbeitet als Lehrer in Turku. Mit seinem Erstling „Wege, die sich kreuzen“ hat er sich vor allem in den skandinavischen Ländern als literarischer Hoffnungsträger empfohlen. In seinem von der eigenen Familiengeschichte inspirierten Roman entführt der 44-Jährige die Leser in den Norden Finnlands, dorthin, wo es meist einsam und kalt ist, wenn nicht gerade die Mitternachtssonne die Landschaft zum Glühen bringt.

Hier wohnen die Fotografin Lahja und ihr Mann Onni zusammen mit Lahjas Mutter Maria, einer ehemaligen Hebamme, dem Sohn Johannes und der Schwiegertochter Kaarina. Vor allem um die Frauen dreht sich der Roman, ihre Schicksale webt der Autor in die finnische Geschichte des 20. Jahrhunderts ein. Da erfahren die Leser viel von den Kriegen im hohen Norden. Gleich zwei Mal muss die Familie fliehen, lebt jahrelang armselig in Erdhütten, bis ein kleiner Wohlstand auch zu ihnen kommt.

Kinnunen nimmt die Leser mit in diese enge Welt, in der Konventionen der eigenen Entfaltung enge Grenzen setzen. Der Roman beginnt und endet im Jahr 1996. Nach dem Tod ihrer Schwiegermutter findet Kaarina einen Brief, der Onnis Verschwinden erklärt und offenbart, wie ein Leben an der Kleingeistigkeit von Behörden, Nachbarn und der eigenen Familie scheitert. Kinnunen führt eindringlich vor Augen, wie das Schweigen die Gefühle verdorren lässt. (li)

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