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08.06.2009

Verrätselter "Kurt Cobain" bei den Ruhrfestspielen

Recklinghausen (dpa) - "Bring mir den Kopf von Kurt Cobain" ist der Versuch, mit einem Dreipersonenstück der inneren Welt des amerikanischen Rockpoeten gerecht zu werden.

Die Uraufführung des Stückes von Werner Fritsch in einem Theaterzelt der Ruhrfestspiele in Recklinghausen war nur mäßig besucht, der Schlussbeifall aber einhellig ­ Fritsch, der sich gemeinsam mit dem Ensemble verbeugte, kann zumindest einen Publikumserfolg verbuchen.

Der Tod Kurt Cobains (1967­1994) bildet das geheime Gravitationszentrum von Fritschs Schauspiel. Fans streiten noch heute, ob Cobain seinem Leben selbst ein Ende gesetzt hat oder ermordet wurde. Werner Fritsch legt nahe, dass die Exzesse im Leben des Musikers, Lyrikers, Malers und Epikers, die Intensität seines subjektiven Empfindens, die ein Quell seiner Schöpferkraft war, ebenso Hinweise für die These vom Freitod geben wie Cobains Krankheit, sein Leiden an der Rückwärtsgewandtheit weiter Teile der amerikanischen Gesellschaft und der Politik der USA.

Fritsch lehnt sich an Cobains Form des "Cut-up" an, ein kurzes, fragmentarisches Gedicht. Die größte Herausforderung an Regie und Schauspieler sind die erotisch aufgeladenen, oft gepfefferten Dialogpartien. Während der Lobpreis des Phallus, angelehnt an die altgriechische Tradition, herkömmlich wirkt, erscheint die Beschwörung der weiblichen Sexualität originell. Courtney Love, Cobains Frau und Muse, wird als Sonne besungen. Ihr wird nicht nur die Kraft, Leben zu schenken, zugeschrieben, sie verbürgt auch die Möglichkeit der Wiedergeburt nach dem Tod - naturreligiöse, altägyptische, buddhistische und christliche Vorstellungen werden blasphemisch miteinander verschmolzen.

Verrätselter "Kurt Cobain" bei den Ruhrfestspielen

Das Ensemble erwies sich von diesen Anforderungen schlicht als überfordert. Regisseur Patrick Schimanski hatte ungeschickt gestrichen und ihm fiel kaum ein plausibles szenisches Arrangement für seine Schauspieler ein. Frank Siebenschuh spielte Cobain als kranken, nicht mehr ganz jungen Mann in Schlafanzughose - von der künstlerischen Potenz Cobains wurde wenig sichtbar. Viola Neumann als Love hatte kaum die Ausstrahlung eines Sexidols. Die Schauspieler wirkten dem Text und ihren Rollen gegenüber ratlos, so dass die Uraufführung die 15 Szenen verrätselte, anstatt sie zu einem szenischen Porträt eines Popkünstlers in seiner Zeit auszuformen.

Um das Debakel zu vollenden, wurde im Theaterzelt gespielt. Es steht in einem Park: Pfauen schrien, Krähen krächzten und Tauben gurrten vernehmlich; die Vögel behinderten jede Konzentration, die für das Verständnis der mitunter das Hermetische streifenden Verse eine unabdingbare Voraussetzung sind. Patrick Schimanskis Uraufführung wird Werner Fritschs neuem Schauspiel nicht gerecht.

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