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15.03.2009

Viel Beifall für Filmregisseur Petzolds Bühnendebüt

Viel Beifall für Filmregisseur Petzolds Bühnendebüt
Bild: DPA

Berlin (dpa) - Künstler sind oft unsympathische Menschen und vor allem Egomanen, "Gott oder Schwein, je nach Augenblick", jedenfalls meist keine liebes- oder bindungsfähige Zeitgenossen, wie Arthur Schnitzler meint. Sie müssen ihren einsamen Weg zu Ende gehen.

So sah es schon vor einem Jahrhundert der Wiener Arzt und Dramatiker in seinem wohl auch selbstkritischen Stück "Der einsame Weg", das 1904 am Deutschen Theater (DT) in Berlin uraufgeführt wurde.

Damals kannte zwar noch niemand das Wort "Selbstverwirklichung", aber sehr wohl Menschen, die meinten, im Leben plötzlich mit leeren Händen dazustehen. An jenem später von Max Reinhardt geleiteten Theater in Berlin versuchte sich jetzt der Filmregisseur Christian Petzold ("Die innere Sicherheit") erstmals als Bühnenregisseur, kaum dass er mit seinem letzten Film "Jerichow" zum Deutschen Filmpreis 2009 nominiert worden ist.

Es war eine mit Spannung erwartete Premiere, die auch zahlreiche Prominenz wie Bundespräsident Horst Köhler, Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU), den "Regierenden Kultursenator" Klaus Wowereit (SPD) und den Filmregisseur Volker Schlöndorff anlockte. Sie alle waren aber auch gekommen, um ein hochkarätiges Schauspielensemble zu erleben mit Nina Hoss, die schon öfter mit Petzold zusammengearbeitet hat und zum DT-Ensemble gehört, Ulrich Matthes, Jörg Gudzuhn, Alexander Khuon und Almut Zilcher.

Viel Beifall für Filmregisseur Petzolds Bühnendebüt

Für Petzold und sein überwiegend brillantes Darstellerensemble - Nina Hoss blieb überraschend etwas blass gegenüber einigen stark auftrumpfenden Kollegen - gab es nach der zweistündigen Aufführung mit stark gekürzter und teilweise geänderter Textfassung lang anhaltenden Beifall, auch wenn es eine Inszenierung mit einer manchmal frösteln machenden Kälte war.

Gefeiert wurden vor allem Almut Zilcher als die im wirklichen Leben frustrierte Schauspielerin ("Dein Leben war reicher, als ein Menschenleben hätte sein können, du warst eine Künstlerin!" "Ich pfeif drauf") und auch Ernst Stötzner als der gealterte und tief in der Lebenskrise steckende Maler Julian Fichtner. Er schreit seine Einsamkeit aus sich heraus ("Glück, Gefängnis, Verrat und Traum"), während sein Freund und Literat nüchtern den einsamen Weg erkennt, der ihnen bis zum Ende bleibt. Denn "jeder stirbt für sich allein" als Betrogener und Betrüger - und "der ist ein Narr, der sich nicht beizeiten darauf einrichtet, auf keinen Menschen angewiesen zu sein".

Petzold lässt seine Darsteller auf leerer Bühne ohne Requisiten fast statuarisch agieren vor gleißend hellen Bühnenwänden, die perspektivisch auf einen Guckkasten-Hintergrund mit einer nächtlichen Hochhausfassade zulaufen. Petzold ist als Filmemacher ein Spezialist für "Gespenster", im Theater stellt er sie in grelles Bühnenlicht fast bloß mit ihren ständigen Träumen von einem anderen Leben und ewigem "Geschwafel" darüber, wie Petzold dazu sagt. Ein anderes Theaterleben soll es für Petzold nach diesem "Ausflug" aus der eigenen Filmwelt nach eigenem Bekunden aber nicht geben.

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