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Marvel-Film

14.05.2019

Warum "Avengers: Endgame" so erfolgreich ist

Und oben schnippt Thanos die Hälfte aller Lebewesen in den Tod.
Bild: Marvel/Disney

In wenigen Tagen wird der neue Marvel-Film den Allzeit-Einspielrekord brechen – und passt mit seiner Geschichte auch in die Zeit. Was macht ihn so erfolgreich?

„Ich bin unvermeidlich“, sagt Thanos. Der ist der Bösewicht im aktuellen Marvel-Abenteuer „Avengers: Endgame“, das unmittelbar davor steht, zum erfolgreichsten Kino-Film aller Zeiten zu werden. Der Name erinnert nicht von ungefähr an Thanatos, Gott des Todes in der griechischen Mythologie und Bezeichnung für den unbewussten Todestrieb des Menschen in der Psychoanalyse.

Thanos löscht die Hälfte aller Lebewesen aus, wofür ihm die verbliebene Hälfte gerade an Menschen seiner Meinung nach dankbar sein müsste, weil es für die Welt jetzt schon besser sei und früher oder später ohnehin: unvermeidlich. Und man verrät nicht zu viel über das alle Rekorde Endspiel nun, wenn man sagt, dass die Superhelden das natürlich nicht hinnehmen, ihnen zur Rettung aber nur eine Reise zurück in der Zeit bleibt …

Die "Infinity Saga" ist die erfolgreichste Kinoserie aller Zeiten

Diese Botschaft rundet nun die über 22 Filme entwickelte „Infinity Saga“ im Marvel Cinematic Universe ab, das vor elf Jahren gestartet und mit einem Umsatz von über 21 Milliarden Dollar auch die mit Abstand erfolgreichste Kinoserie aller Zeiten ist.

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Chris Hemsworth als Thor in «Avengers 4: Endgame».
Bild: -/Marvel Studios/Walt Disney, dpa

Die Worte tönen aber auch hinein in eine Wirklichkeit, die gerade von der Meldung über ein weltweit verheerendes Artensterben alarmiert wurde, mit Nachricht, dass der Mensch nicht nur der dafür Hauptverantwortliche ist, sondern auch zum Betroffenen werden könnte.

Stellen sich mit Avengers und dem vermeintlich unvermeidlichen Thanos die Fragen: Haben wir die Zeit nicht auch schon verpasst, die Katastrophe noch zu verhindern? Unterliegt die Menschheit in all der Unvernunft ihrer folgenreichen Entfaltung unbewusst einem Todestrieb? Nicht wenige sagten auch offen: Es wäre schon besser, wir wären nicht so viele und würden vor allem nicht noch mehr …

Der vierte Avengers-Teil wird "Avatar" an der ewigen Spitze ablösen

Es gibt Internetseiten und Foren, in denen sich Fans aus aller Welt bis in die kleinsten logischen Anschlüsse und Detailanspielungen über die Zusammenhänge der von Marvel-Studios-Boss Kevin Feige verantworteten Filmreihe austauschen – welchen Anteil an Faszination und Erfolg der Comic-Superhelden-Verfilmungen aber hat das so passgenau in die Gegenwart schneidende umfassende Katastrophenszenario?

Tony Stark/Iron Man (Robert Downey Jr.) in «Avengers 4: Endgame».
Bild: Marvel Studios/Walt Disney Germany, dpa

Interessant ist ja, dass der Film, den dieser vierte Avengers-Teil im Lauf der nächsten Tage an der ewigen Spitze ablöst, ein explizit ökologisch bewegter Film war: In James Camerons „Avatar“ nämlich beuteten die skrupellosen Menschen die Ressourcen eines Planeten aus, ohne dabei auch nur im Geringsten auf das natürliche Gleichgewicht zu achten, mit der Folge, dass sie das ganze Leben gefährden in jener Welt (die Pandora heißt und damit bepackt ist mit mythologische Bezug).

Wenn auch Filme als Kunst ja das Menschsein bespiegeln und befragen – ist es dann nicht sogar naheliegend, dass in den erfolgreichsten Filmen einer Zeit auch die größten Gefahren und Ängste der Menschen jener Zeit das bevorzugte Szenario bilden? Wie lange verhandelten zuvor nicht auch Agenten- oder Zukunftsfilme den Kalten Krieg?

Es ist Spektakelkino für die Breite, ein Mosaik für Serien-Nerds

Freilich geht es in Superhelden-Geschichten meistens um die Rettung der ganzen Welt. Aber dass diese Geschichten überhaupt wieder einen solchen Auftrieb erfahren haben, dafür hat ja eben Marvel selbst gesorgt. 2005 hatte mit Christopher Nolans phänomenalem „Batman Begins“ noch die Konkurrenz von DC für den ersten Treffer gesorgt in Hollywood-Zeiten, die da eigentlich nur noch Fortsetzungen kannten, aber mit den alternden Stars wie Bruce Willis und Arnold Schwarzenegger die Helden ausgingen.

Aber dann wagte eben Marvel den Sprung: Nach dem vergleichsweise leichtfüßigen, aber unterhaltsamen und also gelungenen Start mit dem weitaus weniger legendären „Iron Man“ entfalteten die Macher um Kevin Feige das auch im Fernsehen der Gegenwart ja so für Furore sorgende Erfolgsrezept auch im Kino – eine sich episch ausufernden Serie.

Bei Marvel werden die klassischen Rollenmuster überarbeitet

Als solche macht sich freilich die Grundlage der über 50 Jahre alten Idee jener Superhelden und eines schließlich aus ihnen gebildeten Teams zunutze, schafft dabei aber doch eine eigene, neue, zeitgemäße Mixtur: Es ist Spektakelkino für die Breite, ein Mosaik für Serien-Nerds, ein sehr moralisch aufgeladenes Szenario für ohnehin Apokalypse-empfängliche Zeiten – und es bringt im Gegensatz zu DC verlässliche Unterhaltung mit Witz in Bildideen, Charakteren und (fast schon klassischen Screwball-)Dialogen.

Und weil Marvel damit das Erfolgskino unserer Zeit geworden ist und bleiben will, werden nun auch die klassischen Rollenmuster überarbeitet. Wird statt Iron Man nun mit Captain Marvel eine Frau die Chefin der Avengers? Ist es Zeit für einen Schwarzen als Captain America? Könnte nicht Thor zugunsten einer dunkelhäutigen Frau abdanken?

Wenn die Geschichte weitergehen soll, ist das, so könnte man meinen: unvermeidlich. Sonst droht die x-te Reise zurück. Und das hieße hier: Reboot, Remake, Neustart.

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