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Wortschatz

10.01.2019

Was wir lernen müssen, wenn wir mitreden wollen

Das Mannheimer Institut für Deutsche Sprache sammelt neue Begriffe. Und dabei viele Anglizismen…

Neue Wörter können gesellschaftliche Trends abbilden, politische Diskussionen auf den Punkt bringen oder moderne Ernährungsweisen beschreiben. Solche neuen Begriffe sammelt das Mannheimer Institut für Deutsche Sprache (IDS) seit Jahren. Bedingung ist, dass die Wörter nicht nur einmal von einem Prominenten oder Politiker benutzt wurden – wie etwa Markus Söders „Asyltourismus“ –, sondern bereits in den Sprachgebrauch eingeflossen sind.

„Unsere Neologismen sind keine Eintagsfliegen“, erklärt Institutsdirektor Henning Lobin. Der Wissenschaftler und sein Team durchforsten riesige Textsammlungen nach neuen Wörtern und veröffentlichen zum Jahreswechsel einen ganzen Schwung davon – von „alternativer Fakt“ bis „Zoodles“. Die oft aus dem Englischen entlehnten 51 jüngsten Begriffe landen im Neologismen-Wörterbuch des Institutes. Ein paar Kostproben:

Soziale Medien: Clickbaits im Internet sollen die Nutzer durch reißerische Aufmachung auf andere Websites locken. Dort würden sie womöglich einen „alternativen Fakt“ finden. Die Behauptung ist: Man sehe etwas anderes als andere – dabei wird schlicht die Realität verdreht. Bekannt gemacht hat diesen verschleiernden Ausdruck die Trump-Regierung. Nicht nur vor solchen Maschen, sondern auch vor Filterblasen sollte man sich in Acht nehmen. Diese entstehen, wenn Nutzern nur noch die Websites angezeigt werden, die – nach Auswertung ihres Verhaltens – ihre Meinung bestätigen und so in die intellektuelle Isolation führen. Weit harmloser ist da ein weiteres Internet-Phänomen, die Memes. Sie sind oft humorvolle Bilder oder Videos, die schnell über das Internet verbreitet werden.

Gesellschaft: Die Diskussion über den Missbrauch von Frauen durch mehr oder weniger prominente Männer lief unter dem Label MeToo. Unter diesem Begriff trauten sich immer öfter Frauen, sexuelle Übergriffe von Männern öffentlich zu machen. Einvernehmlich läuft der Sex hingegen in einer Freundschaft plus ab. In dieser gehen die Partner zwar regelmäßig miteinander ins Bett – sie gehen aber keine Verpflichtungen ein. Diese Partner, auch Friends with Benefits genannt, besuchen vielleicht mal die Disco. Dort werden sie womöglich twerken, also kreisend und ruckartig Hüften und Gesäß bewegen – und das nice finden, also toll. Eine Walk-in-Dusche, eine ebenerdige Duschkabine ohne Becken, könnte danach für Abkühlung sorgen.

Ernährung: Der rundliche Mitteleuropäer mag noch so gute Vorsätze fürs Abnehmen haben – manchmal ist der Appetit doch stärker. Dann nehmen sich Diät-Geplagte einen Cheatday und unterbrechen die Schlankheitskur für einen Tag. Eventuell können sie dann einem Cronut, einer Kalorienbombe aus Croissant und Doughnut, nicht widerstehen. Nach dem – frei übersetzt – Mogeltag müssen sie sich wieder mit gesunden Leckereien wie der Flowersprout begnügen, einer violett-grünlichen Kreuzung aus Grünkohl und Rosenkohl. Bei der Gewichtsabnahme könnten auch Zoodles helfen: Mit einem Spiralschneider werden Gemüse auf Nudelformat getrimmt. Besonders gut klappt das mit der Zucchini. Manche setzen auch auf das clean eating, eine als gesund geltende, weitgehend auf Zusatzstoffe in Nahrungsmitteln oder verarbeitete Lebensmittel verzichtende Ernährungsmethode.

Umwelt: Erschreckend ist die große Menge kleinster Kunststoffteilchen im Meer – Mikroplastik. Unter diesen Begriff fallen Partikel mit weniger als fünf Millimetern Durchmesser, die über Fischfang auf dem Essteller der Menschen landen können. An den Raubbau an der Natur erinnert der Erdüberlastungstag oder Weltschöpfungstag: Das ist der (wechselnde) Tag im Kalenderjahr, bis zu dem rechnerisch weltweit mehr Ressourcen für Nahrung, Energie und anderes verbraucht sind, als weltweit regeneriert werden. Julia Giertz, dpa

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