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15.06.2009

Wattenmeer soll Welterbe sein - Elbtal nicht mehr

Wattenmeer soll Welterbe sein - Elbtal nicht mehr
Bild: DPA

Berlin/Dresden (dpa) - Das deutsche Wattenmeer wird Ende des Monats voraussichtlich zur ersten deutschen Weltnaturlandschaft erklärt. Das Dresdner Elbtal wird dagegen wohl seinen Welterbetitel wegen des Baus der Waldschlößchenbrücke verlieren.

Die Entscheidungen fallen bei einer Sitzung des Welterbekomitees der UNESCO vom 22. bis zum 30. Juni im spanischen Sevilla. Die Aufnahme des Wattenmeers in die Welterbeliste hatten der Bund, die Länder Niedersachsen und Schleswig-Holstein sowie die Niederlande beantragt. Das Wattenmeer stünde dann auf einer Stufe mit so bekannten Naturwundern wie dem Great Barrier Reef, dem Grand Canyon, den Galapagos-Inseln oder dem Serengeti-Nationalpark.

Schlechte Nachrichten aus Sevilla befürchten wie Dresden auch die Städte Schwetzingen und Aachen sowie das Bundesland Rheinland-Pfalz. Sie hatten Anträge gestellt, die nach den Beschlussvorlagen für die Sitzung abgelehnt oder zumindest aufgeschoben werden sollen.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa ist es nahezu ausgeschlossen, dass sich die 21 Mitglieder des Welterbekomitees doch noch für den Erhalt des Titels für das Elbtal einsetzen oder ihre Entscheidung vertagen. In der Beschlussvorlage des Welterbezentrums der UNESCO in Paris ist die Aberkennung des Titels bereits vorgesehen. Mit einer Mahnwache hatten am Sonntag in Dresden-Hellerau bei der Jahrestagung der Landesdenkmalpfleger Vertreter noch einmal eine Bürgerinitiative für den Erhalt des Welterbes und den Bau eines Elbtunnels statt der Brücke demonstriert.

Wattenmeer soll Welterbe sein - Elbtal nicht mehr

Die drohende Aberkennung des Welterbetitels hat schon jetzt finanzielle Konsequenzen für Dresden. So erhalte die Landeshauptstadt kein Geld mehr aus einem 150 Millionen Euro umfassenden Fördertopf für deutsche Welterbestätten, berichtete die "Sächsische Zeitung". Eine Expertenkommission von Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sehe wegen des Baus der Waldschlößchenbrücke keine Grundlage für die Finanzhilfe, hieß es. Mit insgesamt zehn Millionen Euro wollte die Stadt laut Bericht unter anderem das im Welterbegebiet gelegene Lingnerschloss sanieren.

Zuvor hatte der Minister die Stadt für ihr Vorgehen beim Bau der Brücke scharf kritisiert. Er sehe keine Chance mehr für die Erhaltung des UNESCO-Welterbetitels für das Dresdner Elbtal. "Dort sind Fakten geschaffen worden, in einer beispiellosen Sturheit."

Das Dresdner Elbtal steht seit 2006 auf der sogenannten Roten Liste der gefährdeten Welterbestätten. Die UNESCO ist der Ansicht, dass die Waldschlößchenbrücke das Elbtal irreversibel zerschneidet und die Kulturlandschaft mit ihren Flussauen zerstört.

Dem Antrag der nordbadischen Barockstadt Schwetzingen auf einen Welterbetitel für Schloss und Garten soll nach Ansicht der Welterbe-Gutachter ebenso wenig entsprochen werden wie dem Antrag Aachens, neben dem Dom auch das heutige Rathaus in den Katalog schützenswerter Kulturdenkmäler aufzunehmen. Diskussionen gibt es nach dpa- Informationen noch über das Obere Mittelrheintal. Rheinland-Pfalz erhofft sich eine klare Stellungnahme, ob ein Brückenbau beim berühmten Loreley-Felsen mit dem Welterbetitel vereinbar ist. Keine endgültige Entscheidung wird zum Werk des französischen Architekten Le Corbusier erwartet. Die Experten schlagen vor, eine neue, reduzierte Liste einzureichen.

Die Grube Messel bei Darmstadt steht seit 1995 als erstes deutsches Naturdenkmal auf der Welterbeliste der UNESCO.

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