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30.01.2019

Wegdämmern nicht möglich

Ottessa Moshfegh und ein Fluchtversuch

Die Wünsche ans Leben lassen sich oft in nur wenige Worte fassen. Glück, Liebe, Gesundheit, Erfolg. Die Hauptfigur der amerikanischen Autorin Ottessa Moshfegh will hingegen nur eines: schlafen. Nichts mehr mitbekommen vom Leben. Was mithilfe eines Cocktails aus Psychopharmaka, Beruhigungs- und Schlafmitteln doch gelingen sollte, den ihr eine durchgeknallte Therapeutin verschreibt. „Mein Jahr der Ruhe und Entspannung“ heißt der Roman, in dem sich eine junge, schöne, gebildete New Yorkerin nach dem Tod ihrer Eltern der verrückten Welt um sich herum entziehen möchte und die Flucht auch vor sich selbst antritt: „Der stetige negative Ansturm in meinem Hirn machte es mir schwer, nicht alles und jeden zu hassen.“ 300 Seiten lang also folgt man diesem so einsamen und gehässigen Wesen durch den Medikamentennebel, und es braucht eine so sprachmächtige Autorin wie Moshfegh mit ihren messerscharfen Beobachtungen, dass man bei der schon titelbedingten Handlungsarmut hellwach bleibt, Sätze nämlich wie Aufputschmittel! Und sogar von einer Gefühlsregung übermannt wird, die bei der Heldin nur gelegentlicht aufwallt: Mitleid! Deren Plan wird nicht aufgehen, im Dämmerzustand erwacht sie zum Leben, shoppt online, bestellt Essen, trifft sich mit Männern … Entspannung? Nicht in dieser Welt und diesem rabenschwarzen Roman. (stw)

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