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16.06.2009

"Woodstock des deutschen Films" in Ludwigshafen

«Woodstock des deutschen Films» in Ludwigshafen
Bild: DPA

Ludwigshafen (dpa) ­ Autorenkino, Filmstars und Sommernächte am Rhein: An diesem Donnerstag startet in Ludwigshafen zum fünften Mal das "Festival des deutschen Films". Für zehn Tage gleicht das Ufer der Parkinsel dann einer Zeltstadt, in der sich fast alles um das Thema Film dreht.

In diesem Jahr werden 22 Streifen gezeigt, darunter drei Weltpremieren. An Prominenz herrscht kein Mangel, so haben sich etwa Senta Berger und Hannelore Elsner angekündigt. Die Macher blicken mit Stolz auf das Erreichte und nennen das Festival einen "Renner". "Es steht im fünften Jahr da, wo wir es so schnell nicht vermutet hätten", sagt Festivaldirektor Michael Kötz.

"Eigensinniges Autorenkino der Gegenwart", Förderung der Filmkunst, Authentizität - das sind die Themen, die sich das Festival auf die Fahnen geschrieben hat. Wie bei den Hofer Filmtagen und dem Max-Ophüls-Festival in Saarbrücken steht der deutsche Kinofilm im Zentrum. 2005 forderten 22 Regisseure, Produzenten und Autoren in der "Ludwigshafener Position" mehr künstlerischen Anspruch im deutschen Kino. Zur Festivalkultur gehören Diskussionen zwischen Publikum, Regisseuren, Produzenten und Schauspielern bis in die Nacht. Zudem gibt es die "Strandgespräche": Sie sollen Regisseure und Produzenten an einen Tisch bringen.

Auch Schauspieler können an diesen Gesprächsrunden teilnehmen, bei denen entspannt am Rheinstrand geplaudert wird. Der Blick auf den Fluss sorgt für eine besondere Atmosphäre. So stellte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" fest, "wie mediterran Deutschland sein kann und wie entspannt hier das andernorts oft so hektisch-affektierte Festivalgeschehen ist".

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Von den 22 deutschen Produktionen laufen 11 im Wettbewerb um den mit 50 000 Euro dotierten "Filmkunstpreis", 11 andere in der Hauptreihe "Lichtblicke". Im Wettbewerb konkurrieren drei Weltpremieren, darunter der Spielfilm "Frau Böhm sagt Nein" (19. Juni) von Connie Walther mit Senta Berger in der Hauptrolle. Bergers Kollegin Hannelore Elsner wird am 21. Juni mit dem "Preis für Schauspielkunst" geehrt. Die undotierte Auszeichnung wurde bisher an Nina Hoss und Devid Striesow (beide 2008), Katja Riemann (2007), Klaus Maria Brandauer (2006) und Hanna Schygulla (2005) vergeben.

Das Festival habe einen Nerv bei Publikum und Filmemachern getroffen, eine Lücke geschlossen, meint Kötz. "Es hat den Filmemachern Mut gemacht, sich was zuzutrauen mit Filmen, die nicht marktgängig sind." Auf die Zuschauer wirkt das Konzept offenbar anziehend: Seit 2005 hat sich die Zahl der Gäste beim "Woodstock des deutschen Films" ("Die Welt") mehr als verdoppelt: Waren 2005 noch 11 000 Zuschauer gekommen, so wurden im vergangenen Jahr 23 000 Gäste gezählt. "Das Publikum hat ein Interesse an Inhalten und einen Hunger nach Sinn", sagt Kötz, der auch Chef des Internationalen Filmfestivals Mannheim-Heidelberg ist.

Etabliert sei das Festival trotzdem noch lange nicht, meint Andrea Dittgen vom Verband der deutschen Filmkritik (Vdfk). "Es braucht schon zehn Jahre, bis sich ein Festival in den Köpfen der Zuschauer und der Branche festsetzt", sagt Dittgen - selbst wenn es mit einem vermeintlich einzigartigen Charakter werbe wie Ludwigshafen, seien fünf Jahre "nicht genug".

"Jede Anstrengung, den deutschen Film breiter ins Bewusstsein des Publikums zu bringen, ist richtig", betont der Geschäftsführer des Bundesverbands Regie (BVR), Jürgen Kasten. Das Festival biete einen "soliden Querschnitt mit Blick auf die Publikumsrelevanz". Der "Filmkunstpreis", bei dem das Preisgeld je zur Hälfte an den Regisseur und an den Produzenten gehe, setze neue Maßstäbe in Deutschland. "Das ist vorbildlich", lobt Kasten. Daran sollte sich der renommierte Deutsche Filmpreis orientieren, bei dem das Preisgeld einzig an den Produzenten gehe.

Das Festival verfügt über ein Budget von 530 000 Euro und bemüht sich laut Veranstalter von Beginn an, auch das Land als Sponsor mit ins Boot zu holen. Wer den Filmkunstpreis 2009 erhält, wird am 28. Juni bekanntgegeben. Im vergangenen Jahr hatte der Spielfilm "Das Gelübde" des Regisseurs Dominik Graf gewonnen.

www.iffmh.de/de/Festival_des_deutschen_Films

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