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05.05.2017

Wutbürger Xavier Naidoo

Ein Popstar und sein neuester Aufreger

Das Lied heißt „Marionetten“, und in ihm reimt sich Volksvertreter auf Volksverräter, später erweitert zum „Volks-in-die-Fresse-Treter“. Es ist ein Lied der Söhne Mannheims, die seit dem Jahr 2000 mit jedem Album hoch in den deutschen Hitparaden landen und gerade mit ihrem neuen Werk „MannHeim“ auf Tour sind. Einer der künstlerischen Köpfe des Soul-HipHop-Pop-Kollektivs und Hauptsänger auch von „Marionetten“: der als Solo-Musiker auf Nummer-1-Alben abonnierte und aus Fernsehsendungen wie „Sing meinen Song“ und „Voice of Germany“ bekannte Xavier Naidoo.

Der 45-Jährige war ja schon mit Ähnlichem aufgefallen. Weil er bei den „Reichsbürgern“ aufgetreten war und mit politischen Anspielungen und Aussagen zumindest befremdete. Und so fuhr Naidoo im vergangenen Jahr nicht, wie eigentlich vom NDR vorgesehen, als deutscher Vertreter zum European Song Contest.

Damals gab es hitzige Debatten und engagierte Verteidiger, die sagten, der bekennend christliche Sänger stünde doch für Frieden und Völkerverständigung. Jetzt kann man sich das sparen. Naidoo singt an die Adresse der Politiker: „Wie lange wollt ihr noch Marionetten sein / Seht ihr nicht, ihr seid nur Steigbügelhalter…“ Und droht: „Alles wird vergeben sein, wenn ihr einsichtig seid / sonst sorgt der wütende Bauer mit der Forke dafür …“ Und so. Es ätzt der Politikverdruss, schäumt das Wutbürgertum. Skandal?

Eher nicht. Protest- und Provokationsposen gegen die Politik gehörten immer schon zur Popmusik – meist halt eher von links. Jetzt weiß man eben, was Naidoo so denkt. Das macht es höchstens für die schwieriger, die seine Musik und die der Söhne Mannheims eigentlich mögen, aber eben so nicht denken. (ws)

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