Als jüngst die jährliche Kunstmarktstudie mit der Überschrift erschien, dass der weltweite Kunstverkauf 2025 um vier Prozent auf knapp 60 Milliarden Dollar gestiegen sei, da mochte das stimmen, scherte aber auch viele Informationen über einen Kamm. Nämlich die deutliche Abkühlung des deutschen Kunstmarkts einerseits, wo so manche kleinere Galerie um den Fortbestand kämpft (vom Überleben der Kunstproduzierenden mal ganz abgesehen), und am oberen Ende saftige Spitzenpreise für abgesegnete museale Kunst, insbesondere in New York bei den großen Frühjahrs- und Herbstauktionen. Es sieht danach aus, als ob es 2026 genau so weiter geht.
Künstler-Rekordpreise bei New Yorker Auktionen
Die Lage an der Straße von Hormus beflügelt den Kunstkauf der Deutschen in der Breite sicher nicht; aber was ist zu vermelden von den laufenden großen Auktionen New Yorks? Wieder Künstler-Rekordpreise, die die Liste der teuersten Kunstwerke neu ordnen werden. Es begann letzte Woche bei Sotheby’s. Dabei halten wir uns nicht lange an den gut 20 Millionen Dollar auf, die Mark Rothkos Gemälde „No. 1“ von 1949 erzielte – nur ein kleiner Fisch. Stärker ins Gewicht fallen jene 85,5 Millionen Dollar, die sein Öl „Brown and Blacks in Reds“ (1957) umsetzte. Im Jahr 2003 kostete es noch 6,7 Millionen Dollar; inzwischen hing es auch in der großen Pariser Rothko-Schau 2023. Aber auch das ist nichts gegen die 98,3 Millionen Dollar, die diese Woche dann bei Christie’s fällig wurden für „Two Greens and Red Stripe“ (1964) dieses abstrakten Expressionisten: Künstlerrekord. Umgerechnet 84,6 Millionen Euro. Die 100-Millionen-Dollar-Marke aber übersprangen die Werke zweier anderer Kunstpioniere.
Nicole Kidman warb für einen Bronze-Kopf Constantin Brancusis
Nur 27 Zentimeter hoch ist der elegante teilvergoldete Bronze-Kopf „Danaide“ von Constantin Brancusi mit seinen stilisierten Gesichtszügen und einem Dutt im Nacken. Der Hammer fiel, nachdem auch Nicole Kidman sich werbend für Brancusi eingesetzt hatte, beim Gesamtpreis von 107,6 Millionen Dollar. Ebenfalls Künstlerrekord. Aller spektakulären Dinge sind drei: Auch Jackson Pollock, Meister des Drip-Painting, wurde noch nie höher bewertet als jetzt. Sein 3,30 Meter breites „Number 7a“, Öl und Emaille auf Leinwand, ist ab sofort das viertteuerste Kunstwerk der Erde – nach Arbeiten von da Vinci, Klimt und Warhol. Der Preis: 181,2 Millionen Dollar (156 Millionen Euro). Alles in allem setzte Christie‘s allein am Tag des 19. Mai über eine Milliarde um.
Die Sammlung von Gerhard Richters verstorbener Galeristin kam unter den Hammer
Ja, und dann ist da noch die deutsche Gallionsfigur Gerhard Richter, die am 20. Mai bei Christie’s faktisch einem umfangreichen Markttest unterzogen wurde. Anfang des Jahres starb hochbetagt seine ehemalige New Yorker Galeristin Marian Goodman. Sie saß quasi naturgemäß über vier Jahrzehnte an der Quelle und baute sich in dieser vorteilhaften Lage auch selbst eine hübsche Richter-Sammlung auf – vom übermalten Foto bis hin zur atemberaubenden Groß-Abstraktion und zum ikonenhaften Kerzenbild. Nun, da sie verstorben, kommen weite Teile ihrer Kollektion, darunter natürlich auch Arbeiten vieler anderer Künstler, an die Meistbietenden. In Sachen Richter ging das so aus: Es lief gut, aber nicht exzeptionell. Die ein Meter hohe „Kerze“ von 1982 mit einer Flamme im Luftzug, geschätzt auf bis zu 50 Millionen Dollar, kam auf 35,1 Millionen Dollar; die große Abstraktion „Mohn“, geschätzt bis auf 18 Millionen Dollar, kam auf 20 Millionen – deutlich unter Richters Rekordmarke von 46,3 Millionen Dollar. Vier weitere Abstraktionen erbrachten zusammen 23 Millionen Dollar. Kein Grund zur Klage.
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