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Filmkritik
18.01.2022

"Niemand ist bei den Kälbern" – starker Auftritt von Saskia Rosendahl

Wie komme ich von hier weg? Das fragt sich im Film "Niemand ist bei den Kälbern" Christin (Saskia Rosendahl).
Foto: Filmwelt

In dem Film spielt Deutschlands Shootingstar Saskia Rosendahl eine junge Frau, die raus will aus der Provinz. Einmal mehr ein Beweis für das Können dieser Schauspielerin.

Von wegen Idylle. Die Tage auf dem Bauernhof in Nordwestmecklenburg reihen sich in sommerlicher Monotonie aneinander. Die Fliegen summen unentwegt, die Kühe muhen ohne Unterlass und scheinen sich mehr zu sagen zu haben als die Menschen, von denen sie versorgt werden. Christin (Saskia Rosendahl) ist in dem Dorf aufgewachsen und nie weggekommen. Anders als ihre Mutter, die einfach abgehauen ist und die Tochter mit dem alkoholkranken Vater zurückließ, der nun in seiner Plattenbauwohnung pöbelnd verwahrlost.

Von wegen Idylle: Christin sucht den Ausweg aus dem Dorf

Der Milchviehhof, auf dem Christin lebt, gehört den Eltern ihres Freundes Jan (Rick Okon). Dem Schwiegervater ist Christin zu faul. In bauchfreien Tops und knallengen Shorts streunt sie durch Stall und Feld. Hinter der Weide stehen ein paar Windkrafträder. Klaus (Godehard Giese), der die Anlage wartet, ist anders als die Kerle hier in der Gegend. Er stellt Fragen wie „Wovon träumst du?“, die Christin mit einem Achselzucken beantwortet. Irgendwas eigenes. In der Stadt. Vielleicht.

Rick Okon als Jan in einer Szene des Films "Niemand ist bei den Kälbern".
Foto: Filmwelt, dpa

Der etwas ältere Ingenieur aus Hamburg könnte ihr Ticket raus aus der dörflichen Enge sein. Und so schleicht sich Christin in knapper Trikotage immer wieder raus zu den Windrädern. Sie glaubt, dass ihre sexuelle Attraktivität das Einzige ist, das sie in die Waagschale für ein besseres Leben werfen kann. Jedes Mal, wenn sie sich umzieht, ist das aber auch ein Protest gegen die Tristesse, die sie umgibt.

Saskia Rosendahl mimt großartig die Frau mit ungestillten Sehnsüchten

Mit „Niemand ist bei den Kälbern“ verfilmt Sabrina Sarabi („Prélude“) den gleichnamigen Roman von Alina Herbing. In ihrem Buch rechnete die Autorin mit dem verklärten Blick auf das Landleben ab. Und auch Sarabis Film hat nichts mit den „Landlust“-Fantasien zu tun, die sich Städter gerne bei einer Tasse Tee auf dem heimischen Sofa anschauen. Unbarmherzig brennt die Sommersonne vom Himmel und leuchtet die kulturelle wie seelische Leere in der dörflichen Provinz aus.

Dabei bleibt die Kamera stets dicht an der weiblichen Hauptfigur dran, die von jungen Männern begafft und von den Alten als Nutte beschimpft wird. Saskia Rosendahl, die zuletzt in „Fabian“ ihr Star-Potenzial unter Beweis stellte, ist großartig in der Rolle dieser zutiefst indifferenten jungen Frau, die keine Perspektive für sich sieht, aber ihre ungestillten Sehnsüchte auch nicht aufgeben will.

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