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Interview
13.04.2024

Blixa Bargeld: "Wir machen Pop für die Außenstehenden"

Blixa Bargeld, Sänger der Einstürzenden Neubauten, hat mit „Rampen“ ein neues Album veröffentlicht.
Foto: Carsten Koall, dpa (Archivbild)

Die "Einstürzenden Neubauten" haben mit "Rampen" ein neues Album veröffentlicht. Ein Gespräch mit Sänger Blixa Bargeld übers Altern, Queerness und eine ESC-Teilnahme.

Herr Bargeld, Ihr neues Album heißt "Rampen". Was soll das bedeuten?

Blixa Bargeld: „Rampen“ ist Neubautensprache für live vor Publikum improvisierte Stücke. Das ist keine ungewöhnliche Vorgehensweise für uns, früher haben wir noch viel mehr improvisiert, und auf der letzten Tour, die coronabedingt zweimal verschoben wurde, haben wir wieder angefangen, verstärkt Rampen zu spielen. Die Idee, aus diesen Rampen ein Album zu machen, entstand recht bald. Im Studio haben wir uns für die fünfzehn Rampen entschieden, die uns am besten gefallen, und haben sie ausgearbeitet. Das Zeitsparende daran war, dass die bei uns sonst übliche Phase der Klang- und Materialforschung wegfiel. Weil wir die Stücke nur auf den Instrumenten spielten, die wir auch auf der Tour dabeihatten.

Das Album beginnt mit der Zeile „Alles schon geschrieben, alles schon gesagt“.

Bargeld: Ja, so fängt es an. Dieses Textfragment gibt es schon lange, ich hatte es bisher nur noch nie benutzt. Ich fand das sehr passend im Eröffnungssong.

Um in den nächsten gut siebzig Minuten das Gegenteil zu beweisen?

Bargeld: Tatsächlich passiert es, dass ich etwas schreibe und denke: „Das kommt mir aber bekannt vor.“ Dann frage ich meistens meine Frau, und sie meint dann: „Das hast du da und da geschrieben.“ Manche Ideen, die ich irgendwann mal hatte, sind so gut, dass sie mir ein zweites Mal einfallen (lacht).

Und doch haben Sie immer noch jede Menge neuer Einfälle, oder?

Bargeld: Für mich bedeutet es einfach Disziplin, jeden Tag etwas zu schreiben. Das hilft mir natürlich. Auf jeden Fall bin ich nicht schnell darin, mir Neues auszudenken, sondern sehr langsam. Oft gucke ich auch im Archiv nach, was ich zum Beispiel an diesem Tag vor zwanzig Jahren geschrieben habe.

Wie weit geht das Archiv zurück?

Bargeld: Bis 1993. Ich bin froh, dass ich in meinem Computer auf tägliche Dokumente der letzten mehr als dreißig Jahre zurückgreifen kann. Da sind natürlich viele Sachen bei, die ich längst vergessen habe. Manchmal finde ich aber auch eine Perle, die ich noch nie in einem Text benutzt habe. Alles, was ich auf der neuen Platte von mir gebe, kommt aus meinem Computer. 

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Stimmt es, dass Sie alles zusätzlich ausgedruckt haben?

Bargeld: Ja, insgesamt neunzig Bände mit Fragmenten und Dokumenten, ein Riesenvorrat. Dazu kommen noch Hunderte von Notizbüchern. Ich schreibe in der Regel zunächst per Hand, dann tippe ich das ab und speichere es. Als ich damit anfing, habe ich noch ein Textprogramm genutzt, das es heute gar nicht mehr gibt. Ein Glück, dass ich die Dokumente gedruckt habe. 

Man munkelt, die Universität in Stanford wolle Ihren Schatz kaufen.

Bargeld: Ja, die Frage ist: „Wer kriegt das alles?“ Bis jetzt interessiert sich nur Stanford. Aber vielleicht gebe ich ihn auch dem ZKM in Karlsruhe, meinen sogenannten Vorlass. Meine Frau hat mir die Beschäftigung mit dem Tod übrigens verboten. 

Mit mäßigem Erfolg. Oder geht es in „Before I Go“ etwa nicht um den Tod?

Bargeld: Die Vergänglichkeit kommt vor, der Tod selbst diesmal nicht. Dabei ist er Teil unserer Platten seit dem Album „1⁄2 Mensch“ – und das war in meinen Zwanzigern. 

Unlängst sind Sie 65 geworden. Denken Sie über das Alter nach?

Bargeld: Natürlich. Aber auch das hat mir meine Frau untersagt. Von daher: Auf dem Album sind keine Metaphern über das Altern oder den Tod. 

In dem Lied „Aus den Zeiten“ sagen Sie: „Sing für mich in Gelb“. Was soll das heißen?

Bargeld: Andrews (Perkussionist N. U. Unruh, Anmerkung der Redaktion) Vorschlag war, das ganze Album „Gelb“ zu nennen. Es wurde dann doch „Rampen“, aber im Albumcover ist das Gelbe geblieben. Alles ist gelb, das Logo und der Schriftzug sind geprägt. Wir lehnen uns da direkt an das „White Album“ der Beatles an. Den Scherz haben wir uns erlaubt. Andrew ist sowieso der größte Beatles-Verehrer unter der Sonne, er ist zwei Jahre älter als ich und hat die Beatlemania noch voll mitbekommen.

Sie sind mit Jahrgang 1959 dafür etwas zu jung gewesen?

Bargeld: Schon, aber ich weiß noch genau, dass der erste Song, den ich in meinem Leben gesungen habe, und zwar beim Müllrausbringen, „All You Need Is Love“ gewesen ist. 

Und was bedeutet nun „Sing für mich in Gelb“?

Bargeld: Ich will das nicht auflösen. Einen Song zu erklären, macht ihn kleiner. Wir haben ja auch dieses Album wieder mithilfe von Unterstützern produziert, das Supporter-Projekt ist mit dieser „Phase V“ jetzt abgeschlossen und beendet, und gerade diese Zeile haben die Supporter wirklich sehr intensiv kommentiert und spekuliert. Die meisten Unterstützer nahmen an, dass es um eine Katze gehen würde. Dazu kann ich sagen: Es geht nicht um eine Katze.

Manche Lieder sind richtig witzig. „Besser Isses“ zum Beispiel bringt das Thema Trennungssong auf den Punkt mit dem Refrain „Ich ohne dich, du ohne mich, besser isses“.

Bargeld: Diese Improvisation haben wir in Paris gespielt, weil wir dachten, vielleicht ist Patricia Kaas ja im Publikum.

Was hat Patricia Kaas damit zu tun?

Bargeld: Sie hatte mich kontaktiert, weil sie mit mir ein Duett von „Stella Maris“ aufnehmen wollte, ein Stück von uns aus dem Jahr 2001. Und sie fragte mich, ob ich ihr nicht außerdem einen Song schreiben könnte. Da habe ich gedacht: Also gut, im Radio laufen immer diese Break-up-Songs, das Genre scheint beliebt zu sein. So kam es zu dieser sehr reduzierten Nummer, die wir Patricia vorspielen wollten. 

Und wie hat sie reagiert?

Bargeld: Sie war nicht da, und bis jetzt ist noch nichts weiter passiert. Soweit ich weiß, will sie ein Album mit deutschsprachigen Songs aufnehmen. Kann ja noch werden.

Man nimmt Sie ja immer so als den sehr ernsthaften, fast irgendwie bedrohlich wirkenden Großkünstler wahr…

Bargeld: …was ich sehr hinderlich finde. Wir haben wirklich eine gehörige Portion Humor. Jetzt habe ich mir mal den Spaß gemacht und ChatGPT mit klaren Vorgaben beauftragt, einen Song in meinem Stil zu schreiben. Ein fürchterliches Zeug kam dabei raus. Alles so mit Metall, Öl und Ruinen. Vielleicht kann ich es noch Rammstein verkaufen (lacht). Gebracht hat das also nichts, außer der Erkenntnis, dass zumindest die künstliche Intelligenz uns nicht mit Witz und Humor verbindet.

Spricht das nicht für euren Erfindungsgeist, wenn die KI an euch scheitert?

Bargeld: Ich glaube, mein Sohn könnte das jetzt besser erklären. Er weiß da wirklich sehr fachkundig Bescheid. Was da von der KI zurückkam, war sehr einfach gestrickt und sehr leicht verständlich, was ja schon ein Widerspruch ist, wenn man sagt; „Schreib einen Song wie Blixa Bargeld“ (lacht).

Das Album hat den Untertitel „alien pop music“. Fühlen Sie sich denn wie ein Pop-Außerirdischer?

Bargeld: Ich dachte, es wäre nützlich, mal wieder einen neuen Genrebegriff zu erfinden. Wir machen Pop für die Außenstehenden. Für die, deren Geschmack durch die populäre Popmusik nicht abgedeckt wird.

Kennen Sie denn die Hits, die so im Radio laufen?

Bargeld: Nein, ich kenne mich nicht gut aus. Ab und zu kriege ich was mit. Morgens zum Frühstück höre ich das Kulturradio vom RBB, da kommt die moderne Popmusik nicht so vor. 

Für wie außenstehend halten Sie sich selbst?

Bargeld: Ich bin das subversive Pop-Alien, das in irgendeinem Paralleluniversum so groß ist wie die Beatles. Und ich würde mich als queer verorten. Einer meiner Söhne ist trans, einer ist nichtbinär, das einzige CIS-Individuum in unserer Familie ist meine Frau.

Die Gespräche bei euch am Abendbrottisch stelle ich mir spannend vor.

Bargeld: Na ja, oft sind sie auch schwierig und hochproblematisch.

Eines der neuen Lieder heißt „Everything Will Be Fine“. Wie schauen Sie als queeres Alien auf die gesellschaftlichen Veränderungen, auf unsere Zeit an sich? Etwa mit Optimismus?

Bargeld: Der Song ist natürlich komplett zynisch. Ich habe den Text übrigens am 7. Oktober geschrieben, dem Tag des Hamas-Massakers, abends nach der Tagesschau. Zu Zeiten von „Alles in Allem“, unserem Album aus 2020, sah es so aus, als wäre die schlimmste Katastrophe in unserem Leben der Brexit. Das kommt mir fünf Jahre später wie ein Witz vor. Ich bin verheiratet mit einer Chinesin, meine Kinder sind Halbchinesen. Wenn ich die politische Entwicklung in die Zukunft projiziere, dann fange ich an, darüber nachzudenken, wo wir hingehen sollen.

Ernsthaft?

Bargeld: Ja, ernsthaft. Ich kann die Frage allerdings nicht beantworten. Ich bin ja auch eher dafür bekannt, pessimistisch zu sein, aber schau, die USA, Trump … ach, zum Glück gibt es noch so viel Schönes.

Die Einstürzenden Neubauten gibt es seit 44 Jahren. Was für Träume haben Sie noch?

Bargeld: Seit Neuestem werde ich immer gefragt, warum wir nicht zum ESC fahren. Und weißt du was: Ich denke darüber nach. Wir müssten nur auch mal gefragt werden.

Jetzt haben Sie Ihren Hut in den Ring geworfen.

Bargeld: Ach ja, mal gucken, vielleicht mit 70. Ich gehe ja sowieso schon am Stock.

Was ist eigentlich mit Ihrem Bein passiert?

Bargeld: Ich hatte einen Unfall, im Februar 2023. Der Oberschenkelknochen ist mit einem Nagel repariert worden. Seitdem habe ich ein verkürztes Bein, das geht auch nicht mehr weg. Das heißt, ich werde keinen Marathon mehr laufen. Dafür komme ich in Berlin jetzt billiger ins Museum.

Zur Person: Blixa Bargeld ist Frontmann der Einstürzenden Neubauten und Mitbegründer der Band Nick Cave and the Bad Seeds, in der er bis 2003 Gitarre spielte. Der gebürtige Westberliner, mit richtigem Namen Hans-Christian Emmerich, verließ die Schule ohne Abschluss, widmete sich der Musik und stand früh für Filme und Fernsehproduktionen vor der Kamera. Unter anderem war er in Wim Wenders’ Film „Der Himmel über Berlin“ zu sehen. Der 65-Jährige spielte schon Theater, führte Regie, arbeitete mit Künstlerinnen und Künstlern an verschiedenen Musikprojekten. Jetzt hat er mit „Rampen“ ein neues Album veröffentlicht.

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