Pro: Kostenfreier Eintritt ist ein Privileg, das wir uns nicht mehr leisten können
Schon aus der Ferne dominiert er die Stadt – dieser monumentale Bau aus güldenem Sandstein, mit seinen riesigen Türmen und unzähligen filigranen Ornamenten. Als ich das erste Mal auf der Kölner Domplatte stand und gen Himmel zur Spitze der Westtürme schaute, durchfloss mich Ehrfurcht: Da steht man vor einem so imposanten Gebäude und kann gar nicht fassen, wie Menschen vor hunderten Jahren solch einen Koloss errichten konnten. Das wuchtige Kirchenschiff wirkt von innen sogar noch größer und majestätischer als von außen. Und bis dato ist der Eintritt kostenfrei – ein Privileg, das wir uns heute nicht mehr leisten können.
Denn während immer weniger Menschen Kirchensteuer zahlen, verschlingen die Sanierungsarbeiten von Domen, Kirchen und Kapellen riesige Summen an Geld. Alleine die Instandhaltung des Kölner Doms kostet jährlich zwölf Millionen Euro. Viele Gemeinden können solche Ausgaben nicht mehr stemmen, und auch Stiftungen und Staat können das nicht flächendeckend auffangen. Das ist auch in Bayern spürbar: nur die Hälfte aller evangelischen Kirchen im Freistaat soll erhalten bleiben. Die restlichen Gebäude werden entweiht und abgestoßen. Damit gehen nicht nur Gotteshäuser, sondern Orte der Erinnerung und letztlich ein Stück Zeitgeschichte verloren.
Kirchen sind mehr als nur alte Gemäuer, sie sind kulturelle Identität. Als historische Erben haben wir entsprechend für die Gebäude zu sorgen. Wenn das bedeutet, dass die 2,50 Euro nicht für eine Kugel Eis, sondern für den Eintritt in ein Gotteshaus draufgehen, bin ich gerne bereit, diese kleine Zumutung hinzunehmen. (Kilian Voß)
Contra: Der Kirche ist doch Geld nicht fremd, sie könnte andere Wege finden
Es begab sich zu der Zeit, als die Schäflein in Scharen aus der Herde flohen. Oder etwas weniger biblisch: Gut 600.000 Menschen sind im Jahr 2025 aus den großen christlichen Kirchen in Deutschland ausgetreten. Und da dachte sich jetzt die römisch-katholische, so smart, wie sie um jede Seele wirbt: „Alle reden von Kirchenaustritten. Wir nicht. Reden wir über Kircheneintritt!“ In Köln jedenfalls sollen jetzt Menschen, die noch Lust verspüren, eine Kirche zu betreten, für den Eintritt in den Dom zahlen. Nein, das ist der falsche Weg. Ja fast ein Verstoß gegen die Glaubensgrundsätze der Herde.
Bald soll es 12 bis 15 Euro kosten, den wichtigsten Dom im Land zu betreten. Für alle, die beten wollen, sei aber ein kostenloser, getrennter Bereich geplant. Also ein Gatter zwischen Gläubigen und … Ungläubigen? Wie unchristlich. Denn jede Art von Besuch ist für die Kirche eine Chance, dass Funken überspringen. Wer nur die Architektur studieren will, fühlt doch trotzdem, woraus die Steine gehauen sind: Glaube, Christlichkeit, Gemeinde, Nächstenliebe.
Circa 33.000 Euro am Tag, so viel kostet es laut Bistum, den Dombau in Schuss zu halten. Aber beim Namen von Tebartz-van Elst und anderer Exzellenzen, der Kirche ist doch Geld nicht fremd. Sie könnte andere Wege finden. „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes kommt“ – aber vielleicht ist der Reiche zum Sponsoring bereit? Zu einer Großspende seiner Firma? Oder Crowdfunding im Netz: Jeder zahlt, soviel er mag. Das würde alle entlasten, die sich wenig leisten können, aber trotzdem staunen, glauben, eintreten wollen. Kirchenaustritt: 25 bis 40 Euro Gebühr. Kircheneintritt: bitte kostenlos! Denn das Wunder des Doms zu bestaunen: eh unbezahlbar. (Veronika Lintner)
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