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Florian Sump von der Band Deine Freunde im Interview: „Die Erwachsenen spielen mindestens ebenso verrückt“

Interview

Vom Teenieidol zum Kinderpop: Was „Deine-Freunde“-Rapper Florian Sump antreibt

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    Florian Sump und die Band „Deine Freunde“ machen Pop- und Rap-Musik für Kinder, die auch Erwachsenen gefällt.
    Florian Sump und die Band „Deine Freunde“ machen Pop- und Rap-Musik für Kinder, die auch Erwachsenen gefällt. Foto: Michi Schunck

    Florian Sump, wie alt sind Ihre zwei Kinder inzwischen?

    FLORIAN SUMP: Mein Sohn ist zehn, und meine Tochter ist acht.

    Die perfekte Zielgruppe für „Deine Freunde“. Hören die beiden eure Songs immer als Erste?

    SUMP: Meine Familie ist ehrlich gesagt nicht die erste Station, wenn es um das Beurteilen von neuen Liedern geht. Auch mit meiner Frau rede ich immer sehr spät über die neuen Alben. Das ärgert uns beide manchmal ein bisschen, wenn ich ehrlich bin. Aber irgendwie ist das bei uns eben so. Vielleicht liegt es daran, dass mir das Feedback zu Hause oft einfach nicht begeistert genug ist (lacht).

    Also sind Markus Pauli und Lukas Nimscheck, mit denen sie das Freunde-Trio bilden, die besseren Ersthörer?

    SUMP: Eindeutig. Wir drei sind einfach begeisterungsfähiger füreinander, was unsere eigene Musik angeht. Wenn im Studio so ein magischer Moment entsteht, wenn Lukas und ich thematisch die Bälle hin und her werfen, während Pauli an den Beats schraubt, dann kommt so eine kindliche Freude auf, die schnell in Albernheit umschlägt. Wir springen rum, schreien vor Freude, gehen einfach voll darin auf, was wir gerade tun. Diese Energie brauchen wir.

    Das neue Album ist das achte. Gibt es irgendwann die Frage, ob einem die Themen ausgehen?

    SUMP: Diese Frage stellen wir uns tatsächlich ab und zu. Vor dem ersten Album wussten wir ja auch nicht, ob wir das überhaupt hinkriegen. Aber mittlerweile ist da ein Selbstbewusstsein gewachsen. Wenn wir uns einschließen, uns die Zeit füreinander und für die Musik nehmen – dann werden uns Sachen einfallen.

    Was war diesmal dieser erste Moment?

    SUMP: Wir haben es wieder so gemacht, dass wir zu Beginn in dieses kleine Ferienhäuschen an der Ostsee gefahren sind und uns dort quasi für eine Woche eingeschlossen haben. Der erste Song, der wirklich gezündet hat, war „so jung“. Wir hatten die Tour noch im Rücken, diese Verbundenheit mit dem Publikum frisch im Gedächtnis, und dieses Lied hat sich fast von selbst geschrieben. Die Nummer fühlt sich für uns an wie eine warme Decke, in die wir uns gemütlich einmummeln können.

    „Keiner ist forever young“ heißt es im Text. Woran merken Sie, dass Sie älter werden?

    SUMP: An meinen Kindern. Mein Sohn kommt auf die weiterführende Schule, das ist so ein Moment, wo ich denke: Warte mal kurz, wie ist das passiert? Die Grundschulzeit ist einfach vorbei. Ich kann das noch gar nicht so richtig glauben.

    So ein Schulwechsel ist ein Einschnitt. Erst bist du der Älteste, plötzlich der Kleinste. Wie war das bei Ihnen?

    SUMP: Ich bin von einer kleinen Grundschule auf Schleswig-Holsteins größte Gesamtschule gekommen. Als Fünftklässler findest du, dass die Oberstufenschüler schon richtige Erwachsene sind – komplett fertige, alte Menschen. Dabei sind die nur fünf, sechs Jahre älter. Man spürt in dieser Phase, dass sich etwas verändert. Man verlässt das Kindsein noch nicht wirklich, aber man macht diesen ersten Schritt raus. Plötzlich fühlt man sich irgendwie … seriöser. Ohne zu wissen, was das überhaupt bedeutet.

    Wann haben Sie sich denn das letzte Mal wirklich seriös gefühlt?

    SUMP (LACHT): Immer wieder zwischendurch. Und dann kurz danach der komplette Zusammenbruch dieses Bildes und die Erkenntnis, dass man sich das oft nur vormacht. Das echte Erwachsenwerden, das kam bei mir sehr viel später. Aber dieses Gefühl aus der Kindheit, wo man denkt, man hat jetzt alles gecheckt, das kennen wir ja eigentlich alle. Und das ist, glaube ich, tatsächlich keine Frage des Alters (grinst).

    Der Albumtitel „Die Kinder spielen verrückt“ – kam der schnell?

    SUMP: Recht schnell, nachdem wir das Lied geschrieben hatten. „Die Kinder spielen hier wieder völlig verrückt“, das ist ja so ein Satz, der in vielen Familien fällt, wenn es mal anstrengend wird. Wobei man dabei gern außer Acht lässt, dass die Erwachsenen mindestens genauso verrückt spielen. Und im Moment ja sogar die ganze Welt. Dieses Mehrdeutige an dem Titel, das gefällt uns sehr gut.

    Ihr sollt erst überlegt haben, das Album „Zugabe“ zu nennen?

    SUMP: Ja, kurz. Aber da kam sofort der Einwand: Das klingt wie ein Abschiedsalbum. So weit sind wir noch lange nicht. Rolf Zuckowski zum Beispiel, der geht auf die 80 zu und ist immer noch voller Leidenschaft aktiv. Ich bin Beiratsmitglied in seiner Stiftung „Kinder brauchen Musik“, wir sehen uns demnächst. Rolf denkt nicht mal im Ansatz ans Aufhören. Also wie könnten wir das nach acht Alben tun?

    Ihr singt in „Zieh dich bitte warm an“ darüber, dass Kinder manchmal zu sehr in Watte gepackt werden. Sehen Sie das als Vater auch so?

    SUMP: Ja, teilweise auf jeden Fall. Wobei ich gleichzeitig dieses Gefühl kenne, seine Kinder beschützen zu wollen. Das steckt einfach in uns drin. Aber wir als Band verstehen immer beide Seiten. Die Kinder, die keine Lust haben, sich vorschreiben zu lassen, wie dick die Jacke sein muss – wenn man ehrlich ist, haben die oft ein sehr gutes Gespür dafür, was sie vertragen. Und das gilt ja auch weit über die Temperatur hinaus. Kinder wollen ihre eigenen Erfahrungen machen. Gleichzeitig ist das Abwägen als Elternteil ein ständiger Prozess. Diese Linie, wo endet sinnvoller Schutz und wo fängt Überbehütung an, die verläuft nie ganz klar. Das macht Elternsein so anstrengend – und gleichzeitig auch so interessant.

    Wohin entwickelt sich in dieser Frage der gesellschaftliche Trend? Sind sie Helikoptereltern immer noch so eine Plage?

    SUMP: Ich beobachte, und das ist jetzt keine wissenschaftliche Analyse, dass ganz viele Strömungen gleichzeitig passieren. Absolute Überbehütung auf der einen Seite, komplett antiautoritäre Ansätze auf der anderen. Und dazwischen so viele Erziehungskonzepte, dass ich hoffnungslos überfordert bin, sobald ich mich länger damit beschäftige. Also ziehe ich mich auf das zurück, was ich wirklich für sinnvoll halte: Meine Frau und ich besprechen das als Team. Was ist für uns und unsere Kinder gerade das Richtige? Und das darf sich in ein paar Wochen auch schon wieder geändert haben.

    Die Hamburger Band „Deine Freunde“, das sind Lukas Nimscheck, Markus Pauli und Florian Sump.
    Die Hamburger Band „Deine Freunde“, das sind Lukas Nimscheck, Markus Pauli und Florian Sump. Foto: Michi Schunck, dpa

    Beim Song „Bestimmer“ haben die Kinder im Publikum euch wütend angeschaut, habt ihr erzählt.

    SUMP (LACHT): Ja, die haben den Gag sofort verstanden. Und die Eltern haben sich köstlich amüsiert, weil es da natürlich um den liedgewordenen Wunsch meiner Kinder geht. Die wollen nämlich immer Eltern-Kind-Tausch machen. Meine Frau und ich wissen aber genau, wie das ablaufen würde: Die würden sich alles an ungesundem Kram im Haus schnappen und sich damit vor die Glotze setzen. Also geben wir diesem Wunsch nicht nach.

    Ist es denn in Ordnung, Verabredungen abzusagen und die Kinder dafür als Ausrede zu benutzen, wie ihr es in „Schieb es auf die Kinder“ beschreibt?

    SUMP: Freundschaften wollen gepflegt werden, und als Elternteil erschöpft man sich manchmal so, dass man eigentlich einfach keinen Bock mehr hat, aber das nicht so sagen kann oder will. Also schiebt man halt die Kinder vor. Das ist nicht schön, aber die Wahrheit. Ist nicht immer okay, aber manchmal schon.

    Gibt es Themen, die ihr bewusst außen vorlasst? Krieg zum Beispiel findet auf „Die Kinder spielen verrückt“ nicht statt.

    SUMP: Wir verschließen uns grundsätzlich keinem Thema. Die Frage ist eher, wie wir damit umgehen wollen. Wir sind keine großen Fans der thematischen Brechstange. Lukas ist zum Beispiel mit einem Mann verheiratet – und trotzdem hatten wir bisher nicht den Impuls, einen explizit queeren Song zu machen, obwohl wir dem völlig offen gegenüberstehen. Ähnlich bei schwierigen Weltthemen: Wir fragen uns eher, was das in Kindern auslöst. Verwirrung? Angst? Und dann machen wir lieber einen Song darüber, wie sich Angst anfühlt, oder wie man damit umgehen kann. Ohne dabei die Welt erklären zu müssen.

    Kinder und soziale Medien, das ist momentan ein sehr kontroverses Thema. Bei euch zu Hause auch?

    SUMP: Total. Und ein super komplexes. Ich würde da gerne mit der Verantwortung der Eltern anfangen. Medienkompetenz ist etwas, das wir beibringen müssen – solange es nicht in der Schule unterrichtet wird. Aber wenn ich sowas sage, kommt direkt ein unangenehmes Gefühl in mir auf. Weil ich dann merke: Ich muss ja erstmal selbst einen verantwortungsvollen Umgang lernen. Warum fangen wir nicht bei uns an, bevor wir darüber reden, was die Kinder alles falsch machen werden? Oder beim Computerspiel-Zocken: Ich habe keine Lust auf ständige Dopaminausschüttung durch Ingame-Käufe. Aber dann ich beobachte meinen Sohn, wenn er mit seinen Kumpels in Minecraft Welten baut, und sehe, wie die miteinander kommunizieren, wie lebendig der Austausch ist.

    Wie gehen Sie persönlich mit Social Media um?

    SUMP: Ich bin – außer für „Deine Freunde“ – komplett raus aus den sozialen Medien. Das hat mir enorm geholfen. Ich bin da einfach nicht mehr diesem Druck ausgeliefert, dem viele andere ausgesetzt sind. Und abends lese ich jetzt Bücher, anstatt aufs Smartphone zu starren. Ganz strebermäßig. Ich habe mir das wieder neu erschlossen – und es tut richtig gut.

    Was lesen Sie gerade?

    SUMP: Gleich drei Bücher parallel: Ian McEwan mit „Was wir wissen können“, dann Joachim Meyerhoffs „Alle Toten fliegen hoch – Amerika“, und „Der Gott des Waldes“ von Liz Moore.

    Viele Eltern kommen ja höchstens Mal in Urlaub zum Lesen. „Im Paradies“ ist euer Song zum Familienurlaub mitsamt all der überfrachteten Erwartungen. Wie steht man das durch?

    SUMP: Wir gehen gerne dorthin, wo nicht unbedingt die Massen sind. Wir haben auch Bock auf Komfort, keine Frage. Aber auf Mallorca zum Beispiel sind wir dann lieber auf einer Finca in den Bergen mit vielleicht acht, zehn anderen Familien. Da findet man wirklich Ruhe. Ich habe Freunde in großen Hotelkomplexen besucht und dort sofort diese Energie gespürt: Jetzt sind wir im Urlaub, jetzt wollen wir es auch guthaben. Das erzeugt so einen unterschwelligen Druck, eine fordernde „Gib mir jetzt die gute Zeit“-Mentalität, der man sich ja nicht unbedingt freiwillig ausliefern muss.

    Zur Person: Florian Sump, geboren am 26. Juni 1981, war als Schlagzeuger der Band „Echt“ Ende der 90er Jahre ein Teenieidol. Mit dem Album „Freischwimmer“ erreichte die Gruppe damals Platz eins der deutschen Albumcharts. Nach Auflösung der Band arbeitete Sump als Wurstverkäufer und Putzmann, absolvierte eine Ausbildung zum Erzieher. Heute ist der Wahlhamburger seit mittlerweile 14 Jahren gemeinsam mit Markus Pauli und Lukas Nimscheck mit der Band „Deine Freunde“ erfolgreich. Das Besondere an dem Trio: „Deine Freunde“ macht Pop- und Rap-Musik für Kinder, die auch Erwachsene cool finden dürfen. Eben erschienen ist das aktuelle Album „Die Kinder spielen verrückt“.

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