In der dritten Staffel von „The Comeback“ geht es vor allem um künstliche Intelligenz – ein Thema, das auch in unserem echten Leben gerade für große Unruhe sorgt. Hatten Sie das Gefühl: Genau jetzt braucht es Valerie zurück – weil die Realität plötzlich fast absurder ist als die Serie?
LISA KUDROW: Reality-TV war damals fast so etwas wie ein Auslöser für das Gefühl, dass das klassische Fernsehen aussterben könnte. Und jetzt fühlt es sich mit KI ganz ähnlich an. Es geht aber um mehr als nur Hollywood. Wir hatten das Gefühl, dass die Welt insgesamt genau an dem Punkt der Verzweiflung ist. Nicht nur wegen KI, sondern weil viele Menschen darum kämpfen, einen Job zu bekommen oder ihn zu behalten. Und mit dem Älterwerden stellt man sich Fragen wie: Wie werde ich wahrgenommen? Kann ich noch arbeiten? Viele Figuren in dieser Staffel klammern sich an Arbeit, Identität und Anerkennung.
Ist das etwas, das Sie selbst auch kennen – diese Angst, wie lange man noch gebraucht wird?
LISA KUDROW: Ich glaube, das kennt jeder – unabhängig vom Beruf. Aber in unserer Branche ist es vielleicht sichtbarer. Man wird ständig bewertet, ständig verglichen. Und natürlich stellt man sich irgendwann die Frage: Wo ist mein Platz heute? Aber ich versuche, mich davon nicht bestimmen zu lassen – sondern mich darauf zu konzentrieren, was mir wirklich Freude macht.
In Staffel drei geht es nicht nur um KI, sondern auch darum, dass heute jeder sein eigenes Leben inszeniert. Ist Valerie damit plötzlich näher an unserer Realität als je zuvor – vielleicht sogar erschreckend nah?
LISA KUDROW: Absolut. Früher haben Reality-Produzenten Kameras in dein Zuhause gestellt. Heute machen wir das selbst – mit dem Handy, mit Social Media, sogar mit Überwachungskameras in den eigenen vier Wänden. Jeder inszeniert sein eigenes Leben, überall sind Kameras. Ich glaube, viele neue Technologien werden erstmal falsch genutzt. Menschen verwenden sie fast wie eine Waffe – und genau in dieser Phase befinden wir uns gerade.
Erschaffen wir heute alle ein Stück weit unsere eigene Realität?
LISA KUDROW: Ja, absolut. Ich glaube wirklich, dass man seine eigene Realität mitgestaltet – je nachdem, wie man die Dinge wahrnimmt.
Nach so vielen Jahren im Geschäft: Was muss ein Projekt heute noch haben, damit Sie wirklich das Gefühl haben: Dafür stehe ich morgens auf – dafür will ich wieder drehen?
LISA KUDROW: Ich liebe Schauspielern nach wie vor. Und ich finde es auch schön, einfach wieder als Schauspielerin gebucht zu werden. Ich habe keine eigene Produktionsfirma mehr – dadurch ist vieles leichter geworden. Aber ich achte heute viel stärker darauf, wie sich ein Projekt anfühlt – und mit welchen Menschen ich arbeite. Man will ein Umfeld, in dem man sich wohlfühlt, in dem man sich öffnen kann. Gerade heute ist mir das wichtiger als alles andere.
„Ich glaube, diese Rolle ist das Beste, was ich je gemacht habe“
Sie wirken sehr klar darin, was Ihnen heute wichtig ist – hat sich Ihr Blick auf sich selbst im Laufe der Jahre verändert?
LISA KUDROW: Ja, total. Ich glaube, man wird entspannter. Ich habe Phasen, da schaue ich nicht einmal jeden Tag in den Spiegel. Früher wäre das undenkbar gewesen. Heute ist mir vieles einfach nicht mehr so wichtig.
Und bei „The Comeback“ mussten Sie nicht lange überlegen?
LISA KUDROW: Nein, überhaupt nicht. Valerie ist mir sehr wichtig. Diese Figur bedeutet mir viel – und auf unsere Arbeit an dieser Serie bin ich wirklich stolz. Ehrlich gesagt glaube ich, dass es das Beste ist, was ich je gemacht habe.
Sie haben sehr schnell grünes Licht bekommen. Hatten Sie das Gefühl: Wir müssen diese Geschichte jetzt erzählen, bevor uns die Realität überholt?
LISA KUDROW: Wir hatten sogar Angst, dass das Thema schon wieder veraltet sein könnte, bevor wir überhaupt auf Sendung sind. Wir wollten noch in dieser „Was wäre wenn?“-Phase sein – nicht erst dann, wenn es längst Realität ist. Unser Ziel war, damit rauszukommen, bevor plötzlich ein Studio zugibt: Wir nutzen KI längst. (lacht)
„Wie KI unsere Arbeit wirklich verändert, wir wissen es schlicht nicht“
KI sorgt gerade weltweit für große Verunsicherung. Woher kommt in Ihrer Serie der Humor – aus echten Erfahrungen oder aus dieser Angst?
LISA KUDROW: Aus dieser Angst. Wir leben gerade in einer Art ‚Albtraum‘ – alle fragen sich: Was ist das eigentlich? Und wie viel Macht hat es? Es geht um die Sorge, was mit uns allen passieren könnte. Und gleichzeitig gibt es noch gar keine echten Erfahrungen damit, wie KI unsere Arbeit wirklich verändert. Wir wissen es schlicht nicht. Und genau das ist das Beunruhigende daran – dieses Gefühl, dass sich gerade alles verändert, ohne dass wir wirklich verstehen, wohin es geht. Für die Welt mag sich das bedrohlich anfühlen. Aber innerhalb unserer Branche glaube ich: Am Ende entscheidet immer das Publikum, was es sehen will. Vielleicht wird es KI-Inhalte geben, die funktionieren – aber sie wird nicht alles übernehmen.
Es gibt kleine, fast versteckte Anspielungen auf „Friends“ – war das ein bewusster Moment oder ist das einfach passiert?
LISA KUDROW: Das ist ganz spontan entstanden. Wir haben tatsächlich auf der alten ‚Friends‘-Stage gedreht – Stage 24. Da lag der Gag einfach auf der Hand. Und typisch Valerie: Sie merkt es nicht mal. Sie schaut nur auf die Filmplaketten und übersieht komplett, dass dort auch TV-Geschichte geschrieben wurde (lacht). Ich glaube, Phoebe hat mir auch im echten Leben geholfen, Dinge etwas leichter zu nehmen.
Was hat Sie eigentlich dazu gebracht, Ihr Leben dem Lachen zu widmen – gab es da einen Moment, in dem Sie gemerkt haben: Das ist mein Weg?
LISA KUDROW: Es gibt einfach nichts Besseres, als Menschen zum Lachen zu bringen. Lachen ist so heilend, so befreiend. Und ich glaube, genau deshalb liebe ich es bis heute so sehr – weil es in dem Moment nicht um mich geht, sondern darum, jemand anderem ein gutes Gefühl zu geben.
Wenn man die Serie sieht, spürt man auch eine gewisse Ehrlichkeit über Hollywood – war es Ihnen wichtig, diese Seite zu zeigen?
LISA KUDROW: Ich habe das Gefühl, dass sich die Branche verändert hat. Alles ist ein bisschen geerdeter geworden. Die Egos werden stärker hinterfragt – auch, weil es viel mehr Konkurrenz gibt und nichts mehr selbstverständlich ist.
„Viele denken, sie dürfen sich erst gut fühlen, wenn sie von allen geliebt werden. Genau das funktioniert nicht.“
In der Serie kippt plötzlich die öffentliche Wahrnehmung. Haben Sie so einen Moment selbst schon erlebt – dieses Gefühl, dass sich die Stimmung dreht?
LISA KUDROW: Ich glaube, ganz ähnlich. In so einem Moment kannst du nicht viel tun – außer einmal tief durchzuatmen, dich zu sammeln und weiterzumachen. Ich habe so etwas tatsächlich selbst erlebt. Während „Friends“ gab es eine Phase, in der plötzlich viele gegen uns waren. Wir waren überall, die Leute waren plötzlich übersättigt. Man merkt sofort, wenn sich etwas verändert – auch wenn es niemand ausspricht. Das kann einen ganz schön verunsichern. Was wir gemacht haben: Wir haben uns zusammengesetzt und gesagt – Kopf runter, keine Interviews mehr, einfach arbeiten. Uns auf das konzentrieren, was unser Job ist.
„Friends“ hat Ihr Leben über Nacht verändert – wie sind Sie eigentlich mit dem plötzlichen Ruhm umgegangen?
LISA KUDROW: Ich glaube, mein Umfeld hat mir sehr geholfen. Meine Familie hat mich immer wieder daran erinnert, wer ich eigentlich bin – unabhängig von allem, was im Außen passiert. Und auch, dass ich schon vorher in Therapie war. Ich habe früh verstanden: Du musst mit dir selbst im Reinen sein. Viele denken, sie dürfen sich erst gut fühlen, wenn sie von allen geliebt werden. Aber genau das funktioniert nicht – und macht am Ende nur unglücklich.
Wenn Sie heute zurückblicken – gibt es etwas, das Sie Ihrem jüngeren Ich gerne mitgeben würden?
LISA KUDROW: Ich würde ihr sagen, dass sie sich selbst viel mehr mögen darf. Dieses Selbstvertrauen trägt einen durchs Leben – auch durch die schwierigen Phasen. Und ich habe viele Fehler gemacht, aber mit der Zeit wird vieles klarer.
Woher kommt eigentlich Ihr Humor?
LISA KUDROW: Aus meiner Familie. Mein Vater ist sehr lustig, meine Geschwister auch – und ich bin die Jüngste, ich musste also immer mithalten. Bei uns war Humor auch eine Art, mit allem umzugehen. Egal, was passiert ist – irgendjemand hat immer einen Witz gemacht. Sogar auf Beerdigungen. Ich habe das damals gar nicht bewusst wahrgenommen, aber heute weiß ich: Humor ist ein Ventil – und manchmal auch der einzige Weg, mit Dingen umzugehen.
„Während der Szene habe ich komplett vergessen, dass er mein Sohn ist. Er war einfach nur mein Spielpartner“
Ist Valerie für Sie eher Instinkt – oder arbeiten Sie die Figur jedes Mal neu heraus?
LISA KUDROW: Sie ist einfach da, sie war nie wirklich weg. Es braucht gar nicht viel – ich kann sofort in sie hineingehen.
Was bewundern Sie eigentlich an Valerie – trotz all ihrer Schwächen?
LISA KUDROW: Ich glaube, sie hat diese unglaubliche Fähigkeit, an ihre eigene Realität zu glauben. Und vielleicht ist genau das ihre Stärke.
Sie stehen in dieser Staffel zum ersten Mal gemeinsam mit Ihrem Sohn vor der Kamera – was hat dieser Moment mit Ihnen gemacht?
LISA KUDROW: Es war ehrlich gesagt überwältigend – und gleichzeitig ganz unerwartet. Während der Szene habe ich komplett vergessen, dass er mein Sohn ist. Das habe ich ihm aber natürlich nicht gesagt (lacht). Er war in dem Moment einfach nur mein Spielpartner. Und offenbar ging es ihm genauso – er meinte später, er habe völlig ausgeblendet, dass ich seine Mutter bin. Das fand ich fast noch schöner. Und dann wurde mir plötzlich etwas bewusst: Wir standen auf Stage 24. Ich habe ein altes Foto von ihm – da ist er zwei Jahre alt und steht genau dort in der Craft-Service-Küche und wäscht sich die Hände. Und jetzt steht er wieder an diesem Ort. Als Schauspieler. Teil dieses Finales. Das hat mich wirklich berührt. Diesen Moment werde ich nie vergessen.
Zur Person: Lisa Kudrow spielte die sarkastische Kellnerin Ursula Buffay in der erfolgreichen Serie „Verrückt nach dir“, als das Angebot für eine andere Serienfigur kam, mit der sie berühmt wurde: Zehn Jahre lang war sie Phoebe Buffay in der Sitcom „Friends“, für diese Rolle gewann sie einen Emmy. Kudrow, die am renommierten Vassar College in New York studierte, besitzt einen Abschluss in Psychobiologie. Seit 1995 ist sie mit dem Werbefachmann Michel Stern verheiratet, ihr gemeinsamer Sohn Julian ist ebenfalls Schauspieler und aktuell an der Seite seiner Mutter in der dritten Staffel der Serie „The Comeback“ (ausgestrahlt bei Sky, WOW & HBO Max) zu sehen. Lisa Kudrow spielt die in Vergessenheit geratene Schauspielerin Valerie Cherish, die die Hauptrolle in der ersten KI-Sitcom übernimmt.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren