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Die Welt hat viel mehr davon bitter nötig: Eine Anleitung zum Glücklichsein

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Anleitung zum Glücklichsein – ein paar Anregungen abseits der Nachrichtenlage

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    Ja, es gibt gute Gründe, skeptisch zu sein. Aber er lacht doch sicher in jedem Moment los, oder?
    Ja, es gibt gute Gründe, skeptisch zu sein. Aber er lacht doch sicher in jedem Moment los, oder? Foto: Stock Adobe (Symbolfoto)

    In einer Zeit, da gute Nachrichten so verzweifelt gesucht sind, dass die ja immer sehr sensible Bild-Zeitung schon das Verenden eines Wals auf den Philippinen (!) verzweifelt bis zur Albernheit als Anlass der Freude nehmen muss, um zu titeln: „Es war nicht Timmy!“ Da sind Glück und Zuversicht wohl nur noch aus einem Blick weit über den ziemlich bekackten Weltalltag hinaus zu gewinnen. Und gerade im Großen und Ganzen gab es kürzlich ja tatsächlich nicht weniger als eine Weltsensation zu vermelden, die bloß kaum aufgefallen ist, weil es halt irgendwie verschroben und kompliziert wirkt, Wissenschaft halt. Da ist es einem internationalen Team am globalen Riesenforschungszentrum Cern in Genf nach sechs Jahren Vorbereitungszeit gelungen, 92 winzige Antiprotonen in einem Hightechspeicher per Lkw über das Gelände zu fahren. Knaller, oder?

    Der Verschlimmscheißerung der Welt muss Schönheit entgegengesetzt werden

    Aber im Ernst: Die Teilchen sind das teuerste Material der Welt, weil nur mit Energiemassen herzustellen, und das wichtigste Element, um das Rätsel des Weltalls zu lösen (eine gemeinsame Arbeit daran ist durch den gelungenen Transport nun möglich): Warum gibt es das alles hier, das Leben, das Universum und der ganze Rest, wenn doch nach allem Menschwissen gilt: Es müsste gleich viel Materie und Antimaterie geben, um zu bestehen – Zweitere aber scheint fast vollständig verschwunden zu sein! Und jetzt?

    Bedeutet das für Glück und Zuversicht zweierlei Wesentliches: 1. Unser Bild der Welt ist mindestens unvollständig, wenn nicht einfach falsch. 2. Wir müssen den Ausgleich herstellen, damit nicht alles untergeht – der überwältigenden Masse an Verschlimmscheißerung der Welt muss genauso viel Schönheit und Leichtigkeit und Sinn entgegensetzt sein. Um jedes Einzelnen und des Ganzen Willen.

    Ideen, um sich und anderen viele Momente eines kleinen Glücks zu bereiten

    Also, was können Sie tun? Ganz einfach: möglichst viele Momente eines kleinen Glücks sich und anderen bereiten, damit der in allgemeiner Energieballung der kostbare Haufen an Antimaterie gegen all die Schwere wächst (die Physiker sagen, auch nur ein Gramm herzustellen, würde mehrere Billiarden Dollar kosten, eine Zahl mit 15 Nullen). Und zwar jetzt, ab diesem beliebigen Tag im Wonnemonat Mai. Denn niemand weiß, wie viel Zeit noch bleibt, je selbst und beisammen. Darum ein paar Ideen dazu:

    Legen Sie die drei Songs auf, die mit 14 (oder 16?) ihre Lieblingslieder waren – und singen sie laut dazu mit.

    Sagen Sie einem Menschen – ihnen fällt bestimmt ein, zu wem das passt – einfach mal: „Schön, dass es dich gibt.“

    Grüßen Sie jemand womöglich vorgesetzten, der sowieso nie zurückgrüßt, einfach nicht.

    Nehmen Sie wenn irgend möglich einen ganzen Tag „funktionsfrei“, lassen Sie auch das Handy aus, spüren Sie mal die Zeit lang werden und merken, was fehlt und was nicht. Und wenn es zu lag wird, gehen Sie spazieren und staunen Sie – all die Menschen da draußen, jeder und jede Einzelne ein Ich wie Sie.

    Geben Sie zum Beispiel der immer freundlichen Bäckereifachverkäuferin einfach dieses eine Mal fünf Euro Trinkgeld.

    Rauchen Sie, wenn es sie glücklich macht. Oder betrinken Sie sich zusammen mit einer vertrauten Person – denn das Leben ist viel zu unberechenbar für rationale Glücks- und Gesundheitsverdienstmuster. Und das hier kein Achtsamkeits- oder Selbstoptimierungs- oder Self-Care-Kurs.

    Sagen Sie bei einer unbekannten Begegnung doch mal: „Tolle Schuhe!“ Oder: „Was für ein schönes Kleid.“ Einfach so.

    Biegen Sie auf dem täglichen Heimweg diesmal mindestens zweimal falsch ab – und halten Sie dann irgendwo für mindestens fünf Minuten, Radio und Handy aus.

    Denken Sie mal darüber nach, dass diese schwarzen krächzenden Raben quasi eine Schicht mehr sehen als wir, sie sehen ultraviolettes Licht und dadurch einander quasi farbig, mit Zeichnung im Gefieder, die sie identifiziert. Und dass diese ollen Krähen singen können wie die tollsten Singvögel, sie tun es aber nur flüsternd zueinander, für die öffentliche Kommunikation reicht das Krähen.

    Gehen Sie im Supermarkt mal alle Gänge ab, langsam, schauen Sie, staunen Sie: all das ganze Zeug von überall her und überall hin … Kaufen Sie: nichts.

    Erinnern Sie sich an Ihr Lieblingskuscheltier in früher Kindheit?

    Winken Sie bei Begegnung ruhig mal einem fremden Kind zu.

    Was war der glücklichste Moment Ihres bisherigen Lebens? Und was könnte der glücklichste Ihres noch kommenden sein?

    Denken Sie an die Parabel des großartigen, traurigen David Foster Wallace: „Schwimmen zwei junge Fische des Weges und treffen zufällig einen älteren Fisch, der in die Gegenrichtung unterwegs ist. Er nickt ihnen zu und sagt: ‚Morgen Jungs. Wie ist das Wasser?‘ Die zwei jungen Fische schwimmen eine Weile weiter und schließlich wirft der eine dem anderen einen Blick zu und sagt: ‚Was zum Teufel ist Wasser?‘“

    Klappern Sie mal wieder mit einem Ast über die Rippen eines Brückengeländers beim Überqueren eines Flusses – und wenn sie mutig sind, spucken Sie auf halber Strecke runter ins Wasser.

    Und wenn Sie noch mutiger sind, gehen Sie nach Einbruch der Dunkelheit in den Wald, bloß ein bisschen, am Rand.

    Und wenn nicht, auch egal. Legen Sie sich nachmittags ins Bett, lesen Sie Paul Watzlawicks „Anleitung zum Unglücklichsein“. Oder Bill Brysons „Eine kurze Geschichte von fast allem“, die beginnt mit einer vermeintlichen Selbstverständlichkeit, die tatsächlich ein Wunder ist, an alle gerichtet, die Ansprache: „Schön, dass Sie es bis hier her geschafft haben …“

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