Hot Stuff, der Fächer ist zurück. Wie benutzt man ihn richtig?
Foto: Socrates Baltagiannis, dpa
Der Fächer galt einst als Statussymbol für die Oberschicht, zuletzt als Accessoire für Exzentriker. Nun aber wird er wieder neu entdeckt – als tragbare Klimaanlage im heißen Sommer. Unterwegs im Land des Fächelns...
Man kann sich mit ihm schmücken, mit ihm flirten, hinter ihm gähnen oder sich auch mal verstecken. Der eigentliche Zweck aber ist natürlich der: sich ein bisschen frische Luft zufächeln! Kaum ein anderes Accessoire ist so praktisch und so vielseitig wie der Fächer.
Lange Jahre war er dennoch eher etwas für modische Exzentriker, für überhitzte, überspannte Gemüter. Nun aber ist die tragbare Klimaanlage im Sommer als Massenware unterwegs – mit breitgefächertem Einsatzspektrum: bei Festivals, in der Oper, auf Laufstegen, bei Partys und Hochzeiten, bei Sportevents und Konzerten. Wie aber macht man eigentlich damit richtig Wind? Welche versteckten Botschaften übermittelt man damit seinem Gegenüber? Und was zeichnet einen wirklich guten Fächer aus? Ein paar Fragen zum Comeback.
Der Fächerexperte David Ranftl kommt aus einer Kunst versierten Familie und hat sein Faible zum Beruf gemacht, unter anderem als Kurator im Fächermuseum.Foto: Ranftl
Erst einmal ein kurzer Anruf bei Vanessa Hehn von brandible, einem Unternehmen, das Werbeartikel wie Handfächer bedruckt. Stimmt der Eindruck, dass auch in diesem bis vor kurzem verregneten Sommer dennoch gefächelt wird wie lange nicht? Hehn bestätigt. „Die Nachfrage nach Fächern steigt seit ein paar Jahren stark an. Wir können in der Sommersaison nicht mal alle Anfragen annehmen, weil wir mit der Produktion gar nicht nachkommen.“
Eine Teilnehmerin mit einem regenbogenfarbigen Fächer beim Christopher Street Day im sächsischen Döbeln.Foto: Heiko Rebsch, dpa
Besonders beliebt sei der klassische Handfächer. Klassisch bedeutet in diesem Fall - ein faltbarer Fächer mit einem Griff aus verklebten Bambusfasern oder Holz und einem bedruckbaren Blatt aus Polyester. „Mindestabnahmemenge sind 500 Stück“, sagt Hehn, die regelmäßig Bestellungen über mehrere, tausende Stück solcher Plastikmodelle in Asien ordert - von wo aus die Fächer einst ihren Siegeszug antraten. Für den Griff rät sie im Übrigen zu Holz und nicht zu Bambus, denn: „Viele Kunden denken erst mal Bambus sei nachhaltig, das ist es aber wegen des Klebers nicht.“
Christopher Street Day oder Parteitag der Linken – gefächelt wird überall
Bei Hehn gibt es Faltfächer wie auch radförmige Fächer, deren Blatt kreisrund ist. Und Kunden aller Art. „Wir haben schon für den Christopher Street Day Fächer in Regenbogenfarben bedruckt, aber auch schon für Tagungen und Messen“, sagt Hehn. Dann sind allerdings zumeist dunklere Farben wie schwarz oder blau gefragt, das wirke einfach seriöser. Bis zu fünf Jahren sollen die Plastikfächer halten, wenn sie sorgsam behandelt werden, ansonsten bleichen in der Sonne und im Regen irgendwann die Farben aus.
Klare Botschaft beim Landesparteitag der Thüringer Linken: „ Zur Sonne, zur Freiheit“.Foto: Jacob Schröter, dpa
Mit den edlen Accessoires für die Oberschicht von einst, gefertigt aus Seide, Spitze, Elfenbein und Edelholz, haben die Massenartikel aus Asien nichts mehr zu tun. Das gilt auch für die Botschaften, die sie übermitteln. Kleine Auswahl an derzeit beliebten Sprüchen: „Its fucking hot“, „Scheiße heiß“, „Hot Stuff“, „Ice Ice Baby“, „I‘m hot“, „Fucking climate change“… Alles kaum misszuverstehen, was für die Fächersprache im 17. und 18. Jahrhundert nicht galt. Da machten junge Damen damit vor allem Werbung für sich. Mit den Fächern wurden verschlüsselte Flirtbotschaften vermittelt, eine Art Jugendsprache. Die Anstandsdame, oft die Frau Mama, sollte sie nicht verstehen, um nicht Verdacht zu schöpfen. „Einen einheitlichen Kodex hat es nicht gegeben“, sagt Kunsthistoriker David Ranftl, sonst hätte ja jeder die Signale deuten können. Und so blieb manchmal nur die Möglichkeit, zu raten. Bedeutet der Fächer an den Lippen „Sei endlich still“ oder „Gib mir einen Kuss“.
Aus den Kirchen wurden die Fächer verbannt – angeblich wegen der schädliche Zugluft
Auch das Fächer-Motiv bot Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen, sagt Ranftl, „insbesondere wenn der Fächer sich langsam entfaltet, dann ist das wie wenn der Bühnen-Vorhang zur Seite gleitet“. Mit jedem Zentimeter wachse die Spannung, was sich auf dem Fächer oder der Bühne verbirgt, und lade förmlich dazu ein, genauer hinzusehen und vielleicht auch näherzutreten. Von der glamourösen Ballszene bis zur verführerischen Schäferstunde war vieles auf einem Fächerblatt sichtbar. Zu viel des Guten im Übrigen für die Kirche. Hatten Fächer dort über Jahrhunderte hinweg als edle Federwedel dazu gedient, Fliegen zu vertreiben und Weihrauch zu verteilen, so wurden sie im 18. Jahrhundert aus den Kirchen und Kapellen verbannt, so Ranftl. Kein Bilder- aber ein Fächersturm. Angeblich wegen der krank machenden Zugluft. Tatsächlich jedoch, um die Gläubigen zu Zucht und Ordnung anzuhalten.
Fächereinsatz im hochsommerlichen Juni auf der Tribüne beim ATP-Tennisturnier der Männer in Stuttgart.Foto: Marijan Murat, dpa
„I´m hot“? Undenkbar jedenfalls zu früheren Zeiten. Da war das Spiel mit dem Fächer subtil, sagt David Ranftl, dem Fächer weitaus mehr erzählen als den allermeisten. Der Kunsthistoriker berät Sammler, besitzt selbst eine feine Sammlung mit Fächern aus dem 17. bis frühen 20. Jahrhunderts. Wie wild herumgewedelt wurde früher übrigens auch nicht, sagt Ranftl, dazu aber später.
Eine, die es kann, das richtige Fächeln, ist die Wahlberlinerin und Fächerimporteurin Esther Ramos. Seit einigen Jahren vertreibt sie handgefertigte spanische Fächer in Deutschland. Ihre Modelle stammen aus Valencia, der letzten europäischen Bastion der Fächermeister im Süden des Landes. Dort also, wo es schon lange besonders heiß ist und der Gebrauch von Fächern zum Einmaleins einer jeden jungen Frau gehört, wie Esther Ramos erzählt. Zu ihren frühen Kindheitserinnerungen gehören Fächer: „In meiner Familie hatten meine Mutter, Großmutter oder Tante oft Fächer in der Hand“, sagt sie. Ein Anblick, der sich tief in ihr Gedächtnis eingegraben hat – Frauen, die sich Luft zu fächeln und dann den Fächer mit einem lauten Ratsch schließen.
Esther Ramos verkauft die spanischen Fächer die in der Nähe von Valencia handgefertigt werden in den Sommermonaten auf Berliner Märkten.Foto: Esther Ramos
Auf die Geschäftsidee kam Esther Ramos im Jahr 2006, als sie während der Fußball-WM Gäste aus aller Welt betreute. Sommermärchen in Deutschland, schwitzende Touristen dicht gedrängt auf den Straßen, in der U-Bahn, so schildert sie ihre Erinnerungen an die WM. Ramos, immer mit Fächer unterwegs, wurde häufig darauf angesprochen. „Wenn Leute mich mit einem Fächer sehen, dann lächeln sie“, sagt Ramos. „Es ist so viel eleganter als auf sein Handy zu schauen und strahlt Klasse aus.“ Ganz im Gegensatz zu Handventilatoren, ebenfalls beliebte Luftnummer in Zeiten des Klimawandels und immer heißer werdenden Sommer. Wobei der Fächer ohnehin im direkten Vergleich gewinnt, meint Ramos: Der sei nicht nur leistungsstärker, sondern auch nachhaltiger. Schließlich bestehen Ramos Modelle aus Stoff und Holz, sind plastikfrei und benötigen keine Batterie.
Leidenschaftlicher Fächerträger: der Modeschöpfer Karl Lagerfeld, hier auf einem Bild von 1996.Foto: dpa
In den Sommermonaten verkauft sie ihre Fächer nun auf dem Hackeschen Markt. Meist reicht ein kurzer Wedeltest, um die Käuferinnen zu überzeugen. Und die Käufer, die nämlich gibt es ja auch. „Viele greifen wie Karl Lagerfeld eher zu einem dezenten, dunklen Modell, manche Jungen sind auch richtig mutig“, erzählt sie. Einer habe einen blumengeschmückten Fächer zum Tanzen im Club gesucht. Die Fächerliebe von Karl Lagerfeld galt einst eher noch als Spleen. Angeblich wollte er damit den Mundgeruch der anderen wegfächeln, vor allem von Rauchern. Er liebe das Accessoire als „Wand zwischen mir und der Welt“, wie er einst sagte. Längst aber wurden ganz andere Typen schon mit Fächern gesichtet: Fußballstar David Beckham beispielsweise, wie er sich in Venedig mit Frischluft versorgt. Karl Lagerfeld trug selbstverständlich keine Massenware, sondern nur handgefertigte, speziell für ihn gefertigte Modelle. So wie sie es früher in feinsten Kreisen üblich war, wo in manchen Fächern auch Unvermutetes steckte: beispielsweise ein verborgenes Fach für einen Flakon, einen Kompass, eine Uhr – oder auch ein Messer!
Esther Ramos lässt sich beim Bemalen ihrer Fächer von Blumen und Landschaften inspirieren. Es gibt aber auch einen Brezel-Fächer.Foto: Esther Ramos
In Valencia arbeiten immer noch viele Menschen an einem Exemplar: „Es können bis zu zwölf Personen an der Produktion eines Fächers beteiligt sein“, sagt Esther Ramos. Darunter der Stäbchenmacher, der das Holzgestell exakt zusägt und schleift. „Bei billigen Fächern sind die Stäbchen oft unterschiedlich breit und die Abstände unregelmäßig“, erklärt Ramos. Bei einem guten Fächer sei „ein Stäbchen wie der Zwilling des anderen“. Kunstvolle Loch-Sägearbeiten oder eine tief eingekerbte Gravur heben einen handgefertigten Fächer noch heute eindrucksvoll von der Massenproduktion ab. Ein dunkler Lack sorgt für schimmernden Glanz. Erst dann kann das gepresste Stoff-Fächerblatt aufgeklebt werden. „Nur wenige Senioren beherrschen diese Kunst noch“, sagt Ramos. Viele sind damit groß geworden, haben bereits als Kinder in den Werkstätten Schritt für Schritt nicht nur das Laufen, sondern auch das richtige Bemalen und Falten gelernt.
Während der Hitzewelle in Spanien: Eine Frau geht mit einem Fächer in der Hand spazieren und spiegelt sich in einem Fächergeschäft in der Innenstadt von Madrid.Foto: Luis Soto, dpa
Auch Ramos bemalt mittlerweile Fächer selbst, im Herbst will sie einen Kurs an der Volkshochschule anbieten. Inspirieren lässt sie sich von Blumen, Gemälden, Landschaften - unter anderem bietet sie aber auch einen Brezelfächer an. Auf Wunsch lässt sie in Spanien von den Meistern Fächer mit speziellen Motiven fertigen. Drei Größen verkauft Ramos. Einen kleinen Fächer für die Hemdtasche oder Clutch mit 15 Zentimeter Länge, einen Standardfächer mit 23 Zentimeter Größe, der in eine gewöhnliche Handtasche passt und ein extra großes Fächer-Format mit 32 Zentimetern. Das sei besonders für die Bühne und den Tanz geeignet. Von Flamenco bis Tango oder Swing, ein Fächer sei dabei mehr als ein schönes Ausdrucksmittel, um bestimmte Emotionen und Gesten zu unterstreichen.
Museumsleiterin Maria Plet vor einem Porträt der österreichischen Kaiserin – mit Fächer.Foto: Fächermuseum Bielefeld
Fächersprache, das Stichwort für Maria Plet, die Leiterin des einzigen Fächermuseums in Deutschland, gegründet einst vom fächerliebenden Ehepaar Barisch. Das Museum liegt in Bielefeld. Nur in London gibt es ein weiteres. Das in Paris, wo es im 18. Jahrhundert noch bis zu 500 Werkstätten rund um den Königshof gab, musste zwischenzeitlich schließen. Die Fächer in Bielefeld erzählen vor allem auch von Reichtum: Zum Fundus gehören Modelle ab dem 17. Jahrhundert, das älteste ist aus dem Jahr 1640 und stammt aus China. Von dort kamen Fächer über die Seidenstraße nach Europa und galten zusammen mit anderen Chinoiserien wie den elfenbeinernen Glückskugeln bald als absolutes Luxusgut und als Statussymbol, wie Maria Plet erzählt.
Wer steckt hinter dem Initial L auf dem Fächer von Kaiserin Sisi?
Die kostbaren Fächer bestehen zum Teil aus Schwanenhaut. Dahinter verbirgt sich eigentlich die Haut eines jungen Lämmchens oder einer kleinen Ziege. Auch Edelsteinbesatz, Perlmutter, Goldpulver, Seide, geklöppelte Spitze, sogar Straußenfedern fanden sich auf den exquisiten Exemplaren. Die Gestelle waren aus Elfenbein oder Schildpatt, mit mehrfach durchbrochenen Stäben, auf die Wappen oder feine Initialen eingraviert wurden. Ein Exemplar aus dem Bielefelder Museum gehörte einst Kaiserin Sisi, ein L ist darauf zu sehen – hinter dem sich kein anderer als ihr Cousin König Ludwig II. verbarg, sagt Maria Plet.
Ein feiner Spitzenfächer mit Elfenbein, Perlmutt-Elementen am Gestell aus dem 19. Jahrhundert.Foto: Fächermuseum
Apropos Sisi, da muss man nun kurz Ranftl, der für das Fächermuseum schon Ausstellungen kuratierte, erzählen lassen. Zum Beispiel, dass die Kaiserin noch als bayerische Prinzessin mit kaum einem Fächer in den Taschen am Wiener Hof ankam. Obwohl eine Dame von Rang üblicherweise etwa 200 bis 300 Fächer besaß, passend zum Anlass, zum Kleid und zur Politik! Sie änderte es schnell. Oder aber, dass der Fächer von Sisi auch eine klare Botschaft an alle Hofdamen sendete: „Wenn er geschlossen, wie ein Zepter, in der Hand ruhte, dann durfte auch keine der Hofdamen ihren Fächer öffnen“, sagt Ranftl. Da galt ein strenges Zeremoniell. Sisi nutzte den Fächer auch bei Kutschfahrten. Während Klatschmäuler behaupteten, sie wolle ihr Alter und ihre schlechten Zähne verbergen, war es wohl eher der Versuch, sich den neugierigen Augen zu entziehen, weiß Ranftl.
Während Sisi am Anfang ihrer Wiener Zeit kaum Fächer besaß, sammelte sie im Laufe eine große Menge kostbarer Fächer an. Eine Dame von Rang besaß rund 200 Fächer.Foto: Maria Plet
Zurück zum Museum und zu Fächergeschichte und Fächergeschichte: Die Ausstellungsstücke erzählen viel über die jeweilige Zeit, zum Beispiel über den Bildungs- und Reisehunger der gehobenen Schichten im 18. und 19. Jahrhundert. Von der Tour nach Rom brachte man dann beispielsweise Fächer verziert mit dem Kolosseum oder dem Petersdom mit. Auch über tagesaktuelle Geschehnisse wurde berichtet: Ein Modell zeigt die Ankunft der ersten Giraffe in Paris im Jahr 1827, ein Geschenk des ägyptischen an den französischen König, tausende Menschen säumten die Straßen. Fächer, sagt Ranftl, wurde auch in vielfacher Hinsicht politisiert: So zierte der Sturm der Bastille das Fächerblatt und stellte gewohnte Machtstrukturen infrage. „Tagtäglich sind während der Französischen Revolution auf Fächer wie auf eine Zeitung die neuesten Nachrichten gedruckt worden.“
Brisé Fächer mit aufwändiger japanischer Goldmalerei Kyoto 1880 mit Koralle und Goldstreutechnik unter anderem.Foto: Fächermuseum Bielefeld
Von der Liebe oder hoffentlich zumindest Zuneigung hingegen erzählt eine ganz besondere Fächerart, die man ebenfalls in Bielefeld bewundern kann. Die Hochzeitsfächer entstanden oft in mühsamer Handarbeit. Handgeklöppelt aus Spitze in Blätterform und blütenweiß auf Elfenbein oder schillerndes Perlmutt aufgespannt. Eine Arbeit von bis zu einem Dreiviertel-Jahr steckte in dieser Art Aussteuer, die von Generation zu Generation vererbt wurde.
Apropos Liebe, um die anzubahnen, hatten die Damen in den Deckstäben des Fächers bisweilen sogar eine Art Rückspiegel, sagt Maria Plet. So konnten sie auf Bällen sehen, wann es sich lohnte, ein Taschentuch fallen zu lassen. Das hob der entsprechende Herr dann auf, steckte es eine Zeit lang an seinen Körper und gab es dann an die Dame zurück. Die konnte dann anhand der Geruchsprobe feststellen, ob man sich riechen könne. Wenn kein Interesse bestand, wedelte sie mit dem Fächer hinter ihrem Rücken, das hieß so viel wie: Folge mir nicht.
Faltfächer in Ballonform im Jugendstil aus Frankreich um die Jahrhunderwende herum mit einem Aquarell auf Seide.Foto: Deutsches Fächermuseum
Und so blieb der Fächer über viele Jahrhunderte lang ein Accessoire, um anzubandeln, um das eigene Prestige zu unterstreichen und auch politisch Stellung zu beziehen. Und er zeigte, wer mit der Mode ging und beispielsweise das neueste Modell des französischen Fächerdesigners Duvelleroy besaß. Warum der Fächer dann vor etwa hundert Jahren aus der Mode kam? Bessere Luft! Zum einen, wie die Museumsleiterin erzählt, weil die Kerzen durch elektrisches Licht ersetzt wurden und damit die oft allzu stickige Atmosphäre in den Theatern und Ballsälen sich auflöste. Zum anderen, weil das eng geschnürte Korsett verschwand, das den Frauen den Atem geraubt und sie stets in die Nähe der nächsten Ohnmacht gebracht hatte. Der Fächer verbreitete plötzlich den Muff von alten Zeiten und wurde ersetzt. Statt des Fächers hielten Frauen nun eine Zigarette als Zeichen ihrer Emanzipation in der Hand.
Wichtig beim fachgerechten Gebrauch zu wissen: Bloß nicht seitlich vom Kopf herumwedeln!
Und damit noch einmal zu David Ranftl und der Frage, wie fächelt man denn nun elegant und korrekt? Der Experte sagt, bei der Benutzung bietet sich reichlich Potenzial, sich zu blamieren, zumindest für das Kennerauge. Ranftl rät daher. „Nicht mit dem Fächer seitlich vom Kopf herumwedeln, sondern den Fächer gerade vor den Körper halten, parallel zur Tischkante.“ Daumen und Finger umschließen dabei den Dorn, so heißt der untere Teil des Fächers, an dem die Fächerstäbe zusammenlaufen. Und worauf noch achten? Auf den Ratsch kommt es an, sagt Ranftl. Er ist bis heute Qualitätsmerkmal. Schweres Holz sorgt dafür, dass der Fächer fast von selbst aufklappt und sich auch wieder schließt. Mittlerweile gibt es übrigens auch Exemplare für Linkshänder. Ein letzter Tipp: Das Blatt sollte stets zum Betrachter hinzeigen, damit der auch das Motiv sehen kann beziehungsweise die Botschaft. „You’re hot“, „I’m hot“, „It‘s hot“ – wie auch immer, Hauptsache frische Luft.
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