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Lesetipp
20.04.2024

Jan Delay: "Du musst als Künstler heute tausendmal mehr aufpassen, was du sagst"

Mit “Forever Jan (25 Jahre Jan Delay)” veröffentlicht Jan Delay ein Best-of-Album.
Foto: Peter Kneffel, dpa

Jan Delay veröffentlicht mit "Forever Jan" ein Best-of-Album und geht auf Deutschland-Tournee. Ein Gespräch über Udo Lindenberg, den Rechtsruck in Deutschland und das neue Cannabis-Gesetz.

“Forever Jan (25 Jahre Jan Delay)” ist Ihr erster Karriereüberblick. Ein Best-of-Album markiert oft einen Wendepunkt. Ist damit eine bestimmte Phase abgeschlossen?

Jan Delay: Es ist eine romantische Vorstellung, dass ein Best-of-Album einen Wendepunkt markiert. Bei mir ist eher der Moment gekommen, wo die Plattenfirma sagt, wir veröffentlichen jetzt mal ein Best-of-Album. Die machen in Zeiten von Streaming eigentlich gar keinen Sinn mehr, aber ich bin einer der wenigen Künstler, der noch physische Tonträger verkauft. Ich habe total Bock darauf, dieses Album und die Tour abzufeiern, aber es ist kein Wendepunkt. 

Auf dem Album sind zwei brandneue Songs. Ist es mit den technischen Möglichkeiten heute leichter, einen Hit zu schreiben?

Delay: Nö, überhaupt nicht. Die Technik erleichtert vieles, aber durch die Simplifizierung ist es für alle machbar geworden. Es kann heute nichts wirklich Eigenes mehr entstehen. Unter rudimentären Bedingungen haben sich früher riesengeile Sachen ergeben, die Grundlage für große Hits waren. Im Prinzip kann man jetzt ins Studio gehen und der KI sagen: Ich will einen Vocal-Pop-House-Song in C-Dur auf 127 Bpm. Und dann macht sie dir solch einen Beat, und den kannst du dann ein bisschen verändern. Aber einen Hit hinzukriegen, ist heute genauso schwer wie vor 50 oder 100 Jahren. 

Was braucht ein Song, damit er richtig knallt?

Delay: Das Allerwichtigste ist, dass das Ding auch bei einem oder einer Vierjährigen voll knallt. Dass er das Ganze kapiert, egal ob er die Sprache im Song spricht oder nicht. Der Groove, die Melodien und die Harmonien sind das A und O. Wenn du den Vierjährigen im Sack hast, musst du von da aus hochgehen. Sprichst du so viele Altersgruppen wie möglich an, hast du einen potenziellen Hit. Solltest du ihn aber mit Kindermucke oder Schlumpftechno im Sack haben, sind alle über vier genervt. Also wird es schwer mit dem Hit. 

Ihre Tochter ist zehn. Fungiert sie als musikalische Beraterin?

Delay: Ja, sie ist wirklich ein wichtiger Ratgeber, weil sie sich so entwickelt und verändert, dass ich manchmal baff bin. Sie denkt aber nicht, dass ihr Papa die tollste Musik überhaupt macht, sondern dass das sein Job ist. Sie interessiert sich für alles, was ich mache, hört aber natürlich ganz andere Musik. 

Mit Ihrem großen Vorbild Udo Lindenberg nahmen Sie 2006 den Song „Im Arsch“ auf. Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Treffen?

Delay: Ja klar, da ist er zu uns ins Studio gekommen. Damals befand es sich noch über dem alten Eimsbush-Büro in der Eimsbütteler Straße 63 auf dem Hinterhof. Ich war natürlich tierisch aufgeregt. Udo kam mit einem Mitarbeiter aus dem Atlantic Hotel vorbei, der für ihn Tee kochen musste und hat den Song direkt eingesungen. Es war krass. Ich glaube, wir haben da sogar ein bisschen gefilmt.

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Brüder im Geiste: Udo Lindenberg (r) und Jan Delay., dpa

Hat Lindenberg ein Faible für unkonventionelle Arbeitsmethoden?

Delay: Auf jeden Fall nicht tagsüber. Mit Udo kannst du tagsüber nichts machen. Der ist noch mehr Nachteule als ich. 

Wie kam es zu dem düsteren Text von „Im Arsch“?

Delay: Den habe ich Ende 2004 geschrieben. Das war zur Zeit der dritten Beginner-Platte „Blast Action Heroes“. Das erste Mal, dass eine deutsche Rap-Platte auf Platz eins ging. Das war cool, aber zeitgleich drohte die ganze Musikindustrie wegen Napster, Pirate Bay und CD-Brennerei zusammenzubrechen. Unsere Firma Eimsbush ist damals insolvent gegangen. Und trotzdem hatte „Im Arsch“ einen positiven Kick: dass du genau daraus Kraft schöpfst, ganz neu anfängst und etwas Derberes machst. Und schon bald wurde klar, dass ich auf die richtige Karte gesetzt hatte. 

Ist Kunst immer optimistisch?

Delay: Kommt ganz darauf an, was man für Musik macht. Bei Blues ist das nicht wirklich berufserfordernd, bei Schlager wäre es schon nicht schlecht. Ich persönlich habe mich dazu entschieden, dass ich das auf jeden Fall will und brauche. Klar, es gibt da draußen viel Scheiß, aber letztendlich will man auch dagegen etwas tun und was hilft es, schlecht drauf zu sein. Nee, ich mache Musik, die dafür da ist, dass jemand seinen Arsch bewegt. Man kann versuchen, trotzdem die anderen Dinge anzusprechen, aber so, dass es sich nicht über alles drüberlegt und die Songs pessimistisch klingen. 

Sind Sie optimistisch, was die Gesellschaft als Ganzes angeht? 

Delay: Die Demos im Januar und Februar haben mir ein bisschen was von der Angst genommen und ein besseres Gefühl gegeben. Das zeigt mir, dass es sich lohnt, optimistisch zu sein.

Laut einer aktuellen Studie teilen immer mehr Menschen in Deutschland rechtsextreme Einstellungen. Viele wollen demnach sogar eine Diktatur. Wie erklären Sie sich das?

Delay: Es ist immer die Frage, wie viele Tweets von Leuten, die geistig umnachtet sind, zu etwas Allgemeinem aufgebauscht werden. Und wie nüchtern die Person war, als sie sich geäußert hat. Am Stammtisch erzählt man viel. Wenn man das, was diese Leute sagen und sich wünschen, einmal ernsthaft abklopft, wird man feststellen, dass sie das nicht bis zu Ende gedacht haben. Die werden wahrscheinlich die Ersten sein, die keine Diktatur mehr wollen, wenn sie merken, was das eigentlich bedeutet. Die Hälfte der jetzigen AfD-Wähler macht das nur, um irgendwem Denkzettel zu verpassen oder gegen irgendwas zu protestieren. Sollte die AfD einmal irgendwo in die Regierung kommen und mit ihrer Inkompetenz kläglich versagen, hat sich das Ding wieder erledigt. Das ist wie mit der Schill-Partei in Hamburg vor 25 Jahren oder der Piraten-Partei.

In dem Song „Spass“ mit Denyo geht es um Fremdenhass. Die Nummer wirkt brandaktuell.

Delay: Der Song ist dem Rechtsruck geschuldet. Er wäre auch schon aktuell gewesen, als wir mit Beginner anfingen und die ganzen Flüchtlingsunterkünfte brannten. 

AfD-Politiker, Neonazis und Unternehmer kamen im November 2023 in einem Hotel bei Potsdam zusammen. Sie planten die Vertreibung von Millionen von Menschen aus Deutschland. Was dachten Sie, als Sie davon hörten?

Delay: Ehrlich gesagt war ich nicht schockiert. Letztendlich ist das etwas, was diese Leute die ganze Zeit offen propagieren und weshalb ich nichts mit denen zu tun haben möchte. Björn Höcke ist ein Faschist. Wenn ein Faschist sich irgendwo mit irgendwem trifft, um über solch einen Quatsch wie Remigration zu reden, bin ich persönlich nicht schockiert. 

Es ist auffällig, dass Bewegungen wie Kundgebungen für Demokratie oder der Klimaaktivismus keine Hymnen besitzen, keinen Soundtrack. Wieso läuft der Widerstand gegen die Apokalypse ohne Popmusik ab?

Delay: Entweder fehlt es an dem richtigen Lied oder dem richtigen Künstler. Vielleicht ist es auch so schwierig, weil heutzutage so viele Dinge auf die Goldwaage gelegt werden. Du musst als Künstler tausendmal mehr aufpassen, was du sagst, als diejenigen, die deinen Song zu einer Hymne machen. Es ist alles so sensibel geworden.

Machen Sie sich beim Texten heute mehr Gedanken als früher?

Delay: Das alles hat meine Alarmglocken sicher noch einmal geschärft, aber ich finde es gut, dass ich mich verändere und Menschen Wörter, die verletzen, aus ihrem Sprachgebrauch streichen. Aber nicht aus Zwang, sondern, weil es eine gute Sache ist. Bei dem Song „Türlich, türlich“ von Das Bo und mir zum Beispiel gab es anfangs die Zeile „Gucken spastisch aus der Wäsche wie gekaut und ausgepuckt“. Irgendwann wurde mir bewusst, „spastisch“ ist diffamierend. Seitdem sage ich lieber „dümmlich“. 

In der Sammlung legendärer Nebenprojekte und Raritäten ist der Song „17:30“ enthalten. Textprobe: „Jetzt ist schon 15 Uhr, und ich noch im Pyjama/Laufe durch die Wohnung, und ich rauch’ Marihuana, ja, ja“. Ist das als Hommage an Cannabis zu verstehen?

Delay: Ich weiß nicht, wie ich diese Frage deuten soll. Auf jeder meiner Platten ist doch irgendwo eine Hommage an Cannabis. Das ist für mich etwas Selbstverständliches. 

An dem neuen „Gesetz zum kontrollierten Umgang mit Cannabis“ scheiden sich die Geister. Friedrich Merz hat angekündigt, es zu kippen, sollte er im kommenden Jahr Bundeskanzler werden.

Delay: Ach, das machen die nicht, das wäre doch viel zu peinlich. Wir sind ja fast noch das letzte Bauernland, wo das noch nicht erlaubt war. Geht mit der Zeit, Leute! Schön und gut, dass ihr konservativ seid, aber ihr könnt auch Geld damit verdienen. Ich war gerade in Nevada, einem Wüstenbundesstaat, wo nur rechte Christen wohnen. Selbst da darfst du kiffen. Aber man muss darüber nicht mehr reden, es ist ja jetzt passiert. 

Zur Person: Jan Delay alias Jan Phillip Eisfeld gehört zu den bekanntesten deutschen Musikern. Unverwechselbar: Seine zerknautschte Stimme und gut gelaunte Partymucke. Delay wuchs in Hamburg auf, interessierte sich früh für Hip-Hop und gründete mit seinen Freunden Denyo und DJ Mad die Combo "Absolute Beginner", deren zweites Album "Bambule" von 1998 bis heute Kultstatus hat. Aber auch als Solokünstler hat sich Delay einen Namen gemacht, denn er bespielt so gut wie alle Genres von Reggae, Funk und Soul bis hin zu Hip-Hop und Rock und Partymucke. Am 3. Mai erscheint nun das Doppelalbum "Forever Jan" mit seinen größten Hits, Nebenprojekten und Raritäten der vergangenen 25 Jahre. Ende Mai startet Delay seine Tour, am 4. Juli spielt er auf dem Tollwood-Festival in München. 

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