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Julia Roberts im Interview: Ich koche ständig – am Set, aber auch zu Hause“

Interview

Julia Roberts: „Ich koche ständig. Am Set, aber auch zu Hause“

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    „Vertrauen ist alles“: die Schauspielerin Julia Roberts
    „Vertrauen ist alles“: die Schauspielerin Julia Roberts Foto: Alberto Pezzali/Invision/AP/dpa

    Frau Roberts, Sie haben in Ihrer Karriere schon so viele unvergessliche Frauen verkörpert – starke, zerbrechliche, leidenschaftliche. Was hat Sie an Literaturprofessorin Alma in ‘After the Hunt’ so gereizt?
    ROBERTS: Die Figur Alma war für mich etwas völlig Fremdes – kompliziert, widersprüchlich, herausfordernd. Luca Guadagnino hat mich als Regisseur sofort angesteckt mit seiner Begeisterung, mit dieser Lust, etwas Neues zu entdecken. Er hat an mich geglaubt, bevor ich selbst wusste, was ich da eigentlich mache. (lacht) Alles ging unglaublich schnell – wie ein Zug, der plötzlich losfährt, und du steigst einfach ein.

    Gab es Momente, in denen Sie gezweifelt haben?
    ROBERTS: Oh ja, ständig. (lacht) Es war, als würde Luca in meinen Augen sehen, wenn mich Panik überkam, und dann sagte er nur: „Komm schon, Julia.“ Und wir machten einfach weiter. Es war wie ein Tanz, voller Vertrauen. Und als dann das ganze Ensemble zusammenkam, war es, als würde sich ein Traum entfalten, der bis zum letzten Drehtag angehalten hat.

    Diese Figur wirkt ganz anders als vieles, was Sie bisher gespielt haben. Hat sie etwas in Ihnen ausgelöst?
    ROBERTS: Absolut! (lacht) Dieser Übergang zwischen „Ich hab’ die Rolle“ und „Jetzt muss ich sie spielen“ – das ist der Moment, in dem man kurz innehält und sich denkt: Noch ist alles perfekt, weil ich noch nichts falsch machen kann. (lacht) Aber irgendwann muss man eben loslegen – und dann hilft nur Vertrauen.

    Vertrauen in wen?
    ROBERTS: In andere, ja – aber vor allem in mich selbst. (lächelt) Ich glaube, das Schwierigste ist nicht, eine Figur zu verstehen, sondern an sich selbst zu glauben. Gerade nach einer Pause kommen die alten Zweifel schnell wieder. Ich suche mir Projekte, die mich fordern – und dann stehe ich plötzlich da und denke: Oh nein, jetzt muss ich das ja wirklich machen! (lacht)

    Das klingt herrlich ehrlich.
    ROBERTS: Ja, oder? Ich glaube, jeder kennt das. Mit den Jahren wird man vorsichtiger, vielleicht auch zu selbstkritisch. Früher bin ich einfach gesprungen, heute überlege ich länger. Aber ich versuche, mir selbst wieder mehr zu vertrauen – nicht nur beim Spielen, sondern im Leben. Denn letztlich steckt alles, was man braucht, längst in einem selbst.

    Sie wirken wie jemand, der sehr schnell Nähe zu anderen aufbauen kann. Was bedeutet Vertrauen für Sie – im Beruf, aber auch im Leben?
    ROBERTS: Vertrauen ist alles. Ich merke immer wieder, wie wichtig es ist, Menschen an seiner Seite zu haben, bei denen man einfach man selbst sein kann. Ohne Rolle, ohne Maske. Während der Dreharbeiten habe ich Ayo Edebiri kennengelernt – und zwischen uns war sofort diese Leichtigkeit. Wir haben so viel gelacht, geredet, einfach Zeit miteinander verbracht. Und plötzlich war da dieses Gefühl: Ich bin gesehen. Wirklich gesehen. Und ich sehe sie auch.

    Was passiert, wenn man so jemandem begegnet?
    ROBERTS: Es öffnet einen. Es gibt einem so viel Ruhe. Ich glaube, Vertrauen entsteht nicht durch Worte, sondern durch Präsenz – wenn jemand einfach da ist, ohne etwas zu wollen. Das ist selten. Und es ist das Schönste, wenn man das findet – im Beruf, in der Freundschaft oder im Leben.

    Julia Roberts als Alma in einer Szene des Films «After the Hunt“.
    Julia Roberts als Alma in einer Szene des Films «After the Hunt“. Foto: Yannis Drakoulidis/Sony Pictures/Amazon/dpa

    Sie sind bekannt für Ihren Humor – ist Lachen für Sie auch am Set eine Art Antrieb?
    ROBERTS: Absolut. Ich finde, Lachen ist ansteckend. Schon beim Drehen liebe ich es, wenn man nach einer Szene lautes Gelächter vom Monitor hört. Dann weiß ich: Wir haben etwas richtig gemacht. Für mich ist das pures Glück – wenn Menschen lachen, weil wir ihnen für einen Moment etwas Leichtigkeit schenken konnten.

    Gibt es etwas, das für Sie am Set wichtiger ist als alles andere?
    ROBERTS: Vertrauen. Wenn man mit Menschen arbeitet, bei denen sofort eine Leichtigkeit entsteht, öffnet man sich automatisch. Dann kann man Risiken eingehen, auch mal scheitern, ohne Angst zu haben. Ich liebe es, wenn man spürt, dass ein Team zusammenhält – dass alle an einem Strang ziehen. Solche Verbindungen sind selten, und ich nehme sie nie für selbstverständlich.

    Und wer gibt Ihnen dieses Vertrauen privat?
    ROBERTS: Mein Mann. Wenn ich eine harte Szene zu drehen habe, kann ich mich hundertprozentig reinhängen, ohne Angst zu haben, dass etwas schiefgeht – denn mein sicherster Platz auf der Welt steht direkt an meiner Seite. Es gibt für mich kein schöneres Gefühl, als zu wissen: Ich kann alles geben, weil da jemand ist, der mich auffängt.

    Apropos Küche – es hieß, Sie hätten am Set für alle gekocht.
    ROBERTS: (lacht) Ja, das stimmt! Ich koche ständig – am Set, aber auch zu Hause. Hunger kommt ja ungefähr alle vier Stunden. Also ist das bei mir ein ziemlich regelmäßiger Vorgang. Kochen ist für mich etwas Liebevolles, Bodenständiges. Wenn ich etwas mache – sei es ein Gespräch, ein Film oder ein Essen – dann stecke ich immer Herz hinein.

    Ihr Kollege Andrew Garfield meinte, Sie würden mit „Magie und Liebe“ kochen.
    ROBERTS: (lächelt) Das ist nett von ihm. Ich glaube, Essen ist wie das Leben: Es muss nicht kompliziert sein, nur echt. Frische Zutaten, gute Gesellschaft – das reicht völlig.

    Und zu Hause – sind Sie dort ähnlich leidenschaftlich in der Küche?
    ROBERTS: Absolut. Ich liebe es, wenn meine Familie gemeinsam am Tisch sitzt. Das ist für mich echtes Glück. Eine verantwortungsvolle Mutter zu sein und ein erfülltes Familienleben zu führen – das ist das Größte für mich.

    Hollywood spricht gern über die „neuen Frauenrollen“. Spüren Sie selbst eine Veränderung – oder hat sich in Wahrheit gar nicht so viel getan?
    ROBERTS: (lacht) Ach, wissen Sie, man redet ständig über die Entwicklung der Frauen im Film – aber nie über die Entwicklung oder De-Evolution der Männer! (lacht) Ich weiß oft gar nicht, was das eigentlich heißen soll. Menschen sind eben unterschiedlich, fehlerhaft, mutig, verloren – manchmal alles gleichzeitig. Das gilt heute genauso wie 1920.

    Also keine großen Thesen über Emanzipation auf der Leinwand?
    ROBERTS: (schmunzelt) Nein, ich lasse das lieber den Leuten mit mehr Zeit. Ich spiele einfach gern Figuren, die echt wirken – ob stark, schwach, zerrissen oder strahlend. Das ist für mich das Spannende: nicht das Etikett, sondern der Mensch dahinter.

    Sie wirken heute sehr angekommen, fast befreit. Hat das Alter für Sie auch etwas Beflügelndes?
    ROBERTS: (lächelt) Auf jeden Fall. Ich glaube, mit der Zeit sucht man automatisch nach neuen Aufgaben, nach anderen Wegen, kreativ zu sein. Früher war ich nur Schauspielerin – heute denke ich viel mehr wie eine Produzentin, wie eine Geschichtenerzählerin. Ich möchte mitreden, mitgestalten. Das ist ein schönes Gefühl: zu wissen, dass man nicht nur Teil einer Geschichte ist, sondern sie auch selbst formen kann.

    Sie sind mit Kunst und Theater groß geworden – Ihre Eltern waren beide Lehrer. Gab es außerhalb der Familie jemanden, der Sie besonders geprägt hat?
    ROBERTS: Ja, meine Eltern waren Kunst- und Theaterlehrer, und das hat mich natürlich stark beeinflusst. Aber eine andere, ganz besondere Lehrerin war Mrs. Gutherman – meine Englischlehrerin im ersten Highschool-Jahr. Sie hat mir völlig den Kopf verdreht – im besten Sinne! (lacht)

    Inwiefern?
    ROBERTS: Sie brachte uns die Canterbury Tales bei und zeigte uns den Film Becket. Und plötzlich saß ich da, vierzehn, fünfzehn Jahre alt, und fühlte mich zutiefst verbunden mit diesen alten englischen Männern auf der Leinwand. Ich habe ihre Tränen geweint, ihren Schmerz gespürt – das war unglaublich bewegend. Es war das erste Mal, dass ich dachte: Wow, ich verstehe diese Menschen wirklich. Dafür bin ich Mrs. Gutherman bis heute dankbar.

    Lesen scheint Ihnen schon früh wichtig gewesen zu sein.
    ROBERTS: Sehr. Ich war immer eine kleine Leseratte. Gute Geschichten öffnen einem die Augen und das Herz zugleich. Ich glaube, man kann so viel aus Büchern lernen – und ich habe versucht, das auch meinen Kindern mitzugeben.

    „Kochen, Backen, Bügeln, das sind Dinge, die man fürs Leben braucht“

    Wenn Sie selbst unterrichten könnten – welches Fach wäre das?
    ROBERTS: (lacht) Ganz klar: Hauswirtschaft! Ich würde das Fach sofort zurückbringen. Es klingt altmodisch, aber es sind die Dinge, die man fürs Leben braucht – Kochen, Backen, Bügeln, einen Scheck ausstellen … ich liebe das!

    Wieso gerade das?
    ROBERTS: Das sind echte Life Skills. Und wissen Sie was? Wenn man keinen Scheck irgendwo im Portemonnaie, in der Jackentasche oder hinter dem iPhone hat, wird man es eines Tages bereuen. (lacht)

    Der Film zeigt, wie alte Machtstrukturen selbst in modernen Debatten über Gleichberechtigung noch nachwirken. Was hoffen Sie, dass Zuschauerinnen und Zuschauer daraus mitnehmen?
    ROBERTS: Ich glaube, es geht nicht nur um diese Themen – es geht um so vieles mehr. Aber das Tolle ist: Der Film regt zum Reden an. (lacht) Wir führen seit Tagen die spannendsten Gespräche, und ehrlich gesagt – das hätte auch ganz anders laufen können. (lacht)

    
Wie meinen Sie das?
    ROBERTS: Nun, manchmal redet man über einen Film und denkt: Okay, das war’s dann. Aber diesmal war es anders. Es war inspirierend, witzig, klug – und es ging um alles Mögliche: Macht, Moral, Geschlechterrollen, Beziehungen. Ich liebe das! Ich rede gern, wie man merkt. (lacht) Ich liebe diese Art von Austausch, wenn aus einem Film echte Gespräche entstehen. Das ist für mich das Schönste überhaupt.

    Wenn Sie auf Ihr Leben blicken – was überwiegt heute, Zufriedenheit oder Neugier?
    ROBERTS: Dankbarkeit. Ich bin sehr dankbar für alles, was ich als Mensch und in meinem Leben geschafft habe. Ich weiß, dass man heute hier und morgen weg sein kann – und vielleicht ist genau das der Grund, warum ich jeden Tag so bewusst genieße. Ich versuche einfach, das Schöne zu sehen – im Beruf, in meiner Familie, in den kleinen Dingen. Das macht mich glücklich.

    Was sind für Sie diese kleinen Dinge?
    ROBERTS: Eine Tasse Kaffee am Morgen. Ein Gespräch, das hängen bleibt. Lachen mit meiner Familie. Diese winzigen Momente sind mein Paradies. Wenn man sie erkennt, braucht man gar nicht mehr so viel anderes.

    Zur Person:

    Julia Roberts, geboren am 28. Oktober 1967 in Smyrna, einem Vorort von Atlanta, hat viele Frauenfiguren unvergesslich gemacht, von Pretty Woman bis Erin Brockovich, für die Rolle erhielt sie einen Golden Globe und einen Oscar. In Luca Guadagninos neuem Drama „After the Hunt“ verkörpert sie die Literaturprofessorin Alma, deren Privatleben wie auch Karriere nach einem Me-too-Skandal ins Wanken gerät. Ein Film über Macht, Moral, Wahrheit – und die feinen Linien zwischen Vertrauen und Schuld. Julia Roberts ist mit dem Kameramann Daniel Moder verheiratet, den sie 2000 am Set von „The Mexican“ kennenlernte. Das Paar hat drei Kinder.

    Julia Roberts bei der Premiere des Films "After The Hunt" während des Londoner Filmfestivals.
    Julia Roberts bei der Premiere des Films "After The Hunt" während des Londoner Filmfestivals. Foto: Ian West/PA Wire/dpa
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