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KI-Früchte, die fremdgehen: Was ist das für ein absurder Trend.

Internetphänomen

Früchtchen, die fremdgehen – was ist das für ein absurder Trend?

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    Früchte mit Gesichtern und menschlichen Körpern gehen derzeit in den sozialen Medien viral.
    Früchte mit Gesichtern und menschlichen Körpern gehen derzeit in den sozialen Medien viral. Foto: Arno Burgi, dpa

    „Dein Freund muss es doch nicht erfahren.“ Kein ungewöhnlicher Satz in einem Video über Liebe und Affären. Würde er nicht aus dem Mund einer Aubergine kommen: lila, im schwarzen Anzug, mit breiten Schultern und menschlichem Körper. Während das Gemüse spricht, greift es nach dem Arm einer Erdbeere im schwarzen Kleid, die bereits ihre Lippen spitzt. Jeder kann sich denken, was danach passiert.

    Zumindest diejenigen, die selbst auf TikTok oder Instagram unterwegs sind. Denn es ist nur eins von vielen Videos, das derzeit auf den Plattformen viral geht. KI-generierte Obst- und Gemüsefiguren, die Flirts, Affären und Liebesdramen durchleben wie eine absurde Seifenoper auf Speed. Und das kommt gut an: Hunderttausende Klicks sind keine Seltenheit, ganze Accounts leben mittlerweile ausschließlich von diesen Formaten.

    Millionen verfolgen fremdgehende KI-Früchte auf TikTok

    Auch eine Supermarktkette greift in einem Werbeclip für schokolierte Früchte den Trend auf und zeigt eine KI-generierte Banane im Anzug neben einer Apfeldame. Und in einer Eisdiele in Baden-Württemberg finden sich auf dem Eisschild der neuen Sorte „KiBa“ zudem „Cherrita“, eine Kirsche im kurzen Kleid, und „Bananino“, – eng aneinandergeschmiegt. Eine Neuvermarktung des Kirsch-Bananen-Geschmacks aus den 90er Jahren als kitschige Fruchtromanze.

    Neben Lachern oder Kommentaren wie „hoffentlich bekommt das die Orange nicht mit“ gibt es dafür auch Kritik. Denn problematisch ist der digitale Fiebertraum nicht nur wegen des hohen Wasser- und Energieverbrauchs bei der Generierung, sondern auch wegen seiner Inhalte. Viele der gezeigten Szenarien reproduzieren frauenfeindliche Klischees. Die weiblich gelesenen Zutaten mit überzeichneten Formen erpressen Männer, betrügen Partner, werfen Babys weg. Besonders verbreitet ist das Motiv des Fremdgehens: Obst- oder Gemüsefrauen werden schwanger und verschweigen den Seitensprung, bis das Kind bei der Geburt nicht der erwarteten Obstsorte entspricht.

    Warum das KI-Fruchtuniversum problematisch ist

    Und die sexuellen Handlungen passieren in den Videos teilweise auch ohne Zustimmung der Frau. Ein Beispiel: In einem Video wird eine Sekretärin (Erdbeere) von sechs Geschäftsmännern (meist Bananen oder Auberginen) umzingelt, die ihr berufliche „Vorteile“ anbieten. In der nächsten Szene sagt die Frau, dass sie „kaum gehen kann“. Am Ende kommt ein Bananen-Baby auf die Welt.

    Dazu kommen weitere diskriminierende Formen wie Rassismus, Fat-Shaming und Altersdiskriminierung. So lehnen in einem Clip „Weißwurst-Eltern“ im Dirndl und in Lederhose den Freund ihrer Tochter ab: Mustafa, dargestellt als Knoblauchwurst mit Designeraccessoires. Der Konflikt eskaliert, Klischees werden hemmungslos ausgespielt, bis die Geschichte mit der Geburt einer Knoblauchwurst endet.

    Darum ziehen die Früchte Millionen Menschen in den Bann

    Viele dieser sogenannten Slop-Videos verbreiten sich mit erstaunlicher Dynamik, wie ein Lauffeuer. Einige Content Creator inszenieren regelrecht ihre Begeisterung für die skurrilen Videos. Besonders die zeitweise kursierende „Reality-Show“ mit KI-Früchten, „Fruit Love Island“, fand hohen Anklang. Darin suchten Früchte an einem Urlaubsort nach ihrem Traumpartner. Dass die Inhalte teils diskriminierend oder grenzüberschreitend sind, scheint dabei für die Zuschauer irrelevant. Im Vordergrund steht offenbar die Faszination für das Absurde und Skandalträchtige.

    Dabei haben solche KI-Videos noch vergleichsweise harmlos angefangen. In Ratgebervideos jammerte eine Kartoffel mit ihrer KI-Stimme, sie wolle nicht neben der Zwiebel liegen, ein Schwamm erklärte, wie Blutflecken aus dem T-Shirt gehen. Diese Tutorials erzielen oft hohe Reichweiten und sind denkbar einfach zu produzieren. Die Beratungsfirma AI Century hat dafür ein ChatGPT-Modell namens Object Talk entwickelt, das genau diese Formate erzeugt. Bereits im vergangenen Jahr sorgten KI-Katzenvideos mit ähnlichen Storys, Gewalt und Kindesmissbrauch für Aufsehen. Doch während jene bei vielen Unverständnis und Ekel auslösten, sind die Videos von den Früchten beliebt und werden gezielt konsumiert und verbreitet.

    Brainrot-Videos spiegeln den Zeitgeist digitaler Unterhaltung

    Die Clips werden inzwischen oft als „Brainrot“ oder „KI-Slop“ bezeichnet – also eine Art digitaler Müll. Und genau darin liegt ihr Erfolg: Sie bündeln typische Stimmungen unserer Zeit. Dazu gehören die verkürzte Aufmerksamkeitsspanne, das Bedürfnis nach einem extrem kompakten, oft absurden Unterhaltungssnack und die wachsende Faszination für KI-generierte Inhalte, die sich schnell, günstig produzieren lassen. Der Einsatz von KI stößt in Bereichen wie Musik oder Kunst häufig auf Skepsis oder Ablehnung, in diesen Videoformaten hingegen scheint er weitgehend akzeptiert.

    Und für alle, die sich den Ausgang der Anfangsszene nicht selbst ausmalen können: Die Erdbeere wird schwanger. Ihr Partner freut sich – bis bei der Geburt keine kleine Erdbeere, sondern eine Aubergine zur Welt kommt.

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