Eine Parade der schnellen Schuhe, der leichten Sportkleidung – und sogar ein bisschen Glitzer. „Ja, mal schauen, vielleicht Bestzeit.“ – „Nein, lief nicht so gut, ich war zwei Wochen krank.“ Berlin, Halbmarathon. Elite-Athleten-Bereich. Man kennt sich. Small Talk unter Profi-Läufern. Die Pfeiffers sind gerade eingetrudelt, Deutschlands schnellstes Läuferpaar. Hendrik mit der markanten Glatze, Esther mit ihrem Lockenkopf, beide eher groß gewachsen und spindeldürr. Profisportler, kein Gramm Fett, fokussiert an diesem Morgen. Sie starten beim Berlin Halbmarathon. Und der Rummel ums Rennen hat fast die Dimensionen vom Berlin Marathon im Herbst. Es steht also was auf dem Spiel beim Start, die Läuferwelt schaut auch darauf, wie die beiden das Rennen laufen.
Aber sie sind nicht allein. Auf der anderen Straßenseite trudelt gerade eine Kleinstadt ein und baut sich langsam zu diesem gewaltigen Starterfeld auf. Dann stehen da beim Start auf der Straße des 17. Juni mehr als 40.000 Läuferinnen und Läufer zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor. Gedränge herrscht schon jetzt. Wer sich warmlaufen will, muss kreativ werden. An ein paar Stellen wird gekreiselt. Die Profis haben es da besser. Abgesperrter Bereich, eigene Zelte – und die Möglichkeit, sich jenseits der Absperrung im Tiergarten ordentlich aufzuwärmen. Und der Morgen verlangt das förmlich. Berlin zeigt sich von seiner kalten Seite.
Die Pfeiffers gehen mit gemischten Gefühlen ins Rennen. Im Training lief es bei beiden im Winter richtig gut. Ihr Ziel für das Jahr 2026 ist das von so vielen Läuferinnen und Läufern: schneller werden. Bei ihnen heißt das dann oft auch Top-Platzierungen, Podestplätze oder Siege. Wobei sie in Berlin auf starke Konkurrenz treffen. Im Bereich der Elite-Läufer tummeln sich die Profis aus Ostafrika. Drahtig, extrem schnell. Und da zeigt sich auch Amanal Petros, Brille im Gesicht, neuer Fixpunkt der deutschen Szene, spätestens seit er in Tokio bei der Leichtathletik-WM sensationell die Silbermedaille gewonnen hat. Den Berlin-Halbmarathon könnte man auch als Branchentreffen der Szene bezeichnen.
Esther und Hendrik Pfeiffer begeistern Fans mit Einblicken ins Profisportleben
Alle kommen sie bei dem Rennen in Berlin zusammen. Die Profis, Prominente, das riesige Teilnehmerfeld mit Startern aus der ganzen Welt. Sponsoren zeigen sich, Start-ups rund um den Laufsport. Die Szene boomt. Neue Lauftreffs gründen sich, die Mitgliederzahlen in den Vereinen wachsen, Laufen liegt im Trend. Wer am Berlin-Halbmarathon teilnehmen will, benötigt nicht nur Shirt, Shorts und Schuhe, sondern erst einmal jede Menge Glück. Die Plätze werden verlost.
Diesen Stress müssen sich Esther und Hendrik Pfeiffer nicht machen. Wenn sie beim Berlin-Halbmarathon starten wollen, schalten sie ihren Manager Bernd Reiser ein, der verhandelt dann mit den Veranstaltern über die Konditionen. Und er hat dabei ein paar Trümpfe in der Hinterhand. Denn Esther und Hendrik Pfeiffer gehören nicht nur zu den schnellsten, sondern auch zu den bekanntesten der deutschen Eliteläufer. Beide meistern nicht nur das Leben als Profisportler, sie verwandeln ihre Top-Läufe und die vielen Kilometer, die sie im Training herunterschrubben, in Reichweite. Beide versorgen auf ihren Social-Media-Kanälen ihre Fans täglich mit neuem Material, beide gewähren in wöchentlich erscheinenden Podcasts tiefe Einblicke ins Leben als Profisportler. Wenn die Pfeiffers in Frankfurt oder Berlin starten, bekommt das ihre Community schon vorab mit. Das macht den Wettkampf für viele interessanter.
„Ist das Esther Pfeiffer?“, fragt draußen ein Passant aufgeregt. Esther und Hendrik Pfeiffer haben die Jacken abgelegt, die Laufschuhe geschnürt, sie ziehen gerade ein paar kurze Sprints an. Ihr Trainer hält noch ein Gel in der Hand, wichtige Kohlenhydrate, also Energie, kurz vor dem Start. Es folgen ein paar Dehnungsübungen. Rennvorbereitung, das Programm abspulen, in den Wettkampfmodus kommen. Geplaudert wird erst nach dem Rennen.
Was ist da gerade los im Laufsport? Mal nachgefragt bei einem, der es wissen muss. Mark Milde, Renndirektor des Berlin-Halbmarathons und Berlin-Marathons. Er bestätigt. „Es gibt einen weiteren Laufboom.“ Das Wachstum lässt sich in Zahlen ablesen – und in einer bemerkenswerten Verschiebung des Teilnehmerfeldes. Der Laufsport ist weiblicher und jünger geworden, wie Milde beobachtet. Beim Berliner Halbmarathon liegt der Frauenanteil insgesamt bei knapp 45 Prozent. Doch in der Altersklasse der 18- bis 25-Jährigen dreht sich das Verhältnis gerade: „In der Kategorie 18 bis 25 sind 60 Prozent Frauen am Start“, sagt Milde. Ein Wert, der vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre – als Volksläufe vielerorts noch zu zwei Dritteln bis drei Vierteln von Männern dominiert wurden. Mark Milde macht für diesen Trend auch Social-Media verantwortlich, wo Influencer das Laufen längst als Lifestyle inszenieren. Mit Folgen auch für den Berlin-Halbmarathon. Denn rund ums Rennen finden auch zahlreiche weitere Veranstaltungen statt: gemeinsame letzte lockere Läufe vor dem Rennen, spontane Gruppen-Treffen. „Da ist wirklich schon viel in Bewegung, was sich um uns herum gruppiert“, sagt Milde.
Wieder zurück ins Getümmel. Jetzt taucht bei den Profis einer der großen Lauf-Influencer auf. Nicht so schnell wie die Profis, dafür aber in ganz Deutschland als Fernsehmoderator bekannt. Kai Pflaume trägt eine weiße Trainingsjacke, blaue Hose, das Handy in der Hand. Auch vom Berlin Halbmarathon wird er später seiner Million Follower auf Instagram etwas posten. Er nimmt die Leute dort mit in sein Training. Das findet nicht nur auf der Laufpiste statt, sondern auch mit Geräten. „Heute ist Tag 78 meiner Frühjahrsmarathonvorbereitung“, erzählt er zum Beispiel in einem kurzen Video. Dann muss er erst einmal auf die Waage, 83,6 Kilogramm. Danach geht es im Video weiter mit Kraftübungen.
„Heute ist Tag 78 meiner Frühjahrsmarathonvorbereitung“
Kai Pflaume, Moderator und Influencer
Für den Berlin-Halbmarathon hat er sich eine 1.35 als Zielzeit vorgenommen. Die Tempomacherin an seiner Seite kennt die Laufszene ebenfalls bestens: Ingalena Heuck, ehemalige Langstreckenläuferin, heute Coach, gleichzeitig auch eine der großen Influencerinnen des Laufsports in Deutschland als leni_runner mit mehr als 250.000 Followern. An der Streckenabsperrung steht Maike Lea Nitsch. Sie hat den Glitzer im Gesicht als Markenzeichen etabliert. Gerade filmt sie über die Streckenabsperrung gelehnt, einmal hoch den Blick zum Brandenburger Tor, das gibt es zum imposanten Finale des Halbmarathons. Dann schwenkt sie mit der Kamera in Richtung Siegessäule. Da wird bald dieser Lindwurm aus Menschenleibern vorbeirennen. Als Princessmaikelae folgen ihr 148.000 Follower auf Instagram. Dort bezeichnet sie sich als arbeitslose Ärztin. Nach dem erfolgreichen Studium setzt sie gerade voll auf den Laufsport und ihr Leben als Influencerin.
Und damit wieder zu den Pfeiffers. Auch bei ihnen lässt sich beobachten, wie die sozialen Medien das Leben und die Geschäftsmodelle von Profisportlern gerade verändern. Beide haben erfolgreich Laufpodcasts etabliert. Und da erzählen sie Dinge, die man sonst von Profisportlern nicht erfährt. Ein Beispiel gefällig? Ein Auszug aus Folge 143 des Podcasts „Einer rennt. Einer hinterher“ – oder „Das Manhattan-Malheur“.
Erkältung zwingt die Pfeiffers zu Trainingspause vor Frühjahrswettkämpfen
Da nimmt einen Hendrik Pfeiffer mit auf seinen verkorksten Trip in die USA zum Halbmarathon nach New York. Es klingt wie eine Episode aus „Pleiten, Pech und Pannen“. Erst hat sich der Flug verzögert, und deshalb konnte Hendrik Pfeiffer nicht essen, wie es zum Training und zum Wettkampf perfekt gepasst hätte. Die Energiezufuhr gehört für Langstrecken-Spitzenläufer zum Bereich, der geplant und optimiert wird. Bei der Ankunft in den USA musste Pfeiffer ewig warten, bis er einreisen konnte. Danach, in der Metro, zog ein Fahrgast die Notbremse. Es folgte eine ewige Warterei. Die Folge von all dem: zu wenig Schlaf. Was sich am Wettkampftag bemerkbar machte. „Ich habe halt meinen verdammten Wecker nicht klingeln gehört“, plaudert Pfeiffer im Podcast aus. „Ich war so platt und müde von der Reise, dass ich nicht wach geworden bin.“ Als er hochgeschreckt ist aus dem Schlaf, blieben ihm neun Minuten, um den Bus für die Profi-Athleten zu erwischen. Schlimmer geht es kaum am Wettkampftag, wo alles minutiös getaktet ist: Frühstück, Kaffee, Toilette, letzte Kohlenhydrate. Pfeiffer bekam die Quittung – heftige Magenprobleme auf der Strecke, die ihn ausbremsten. Keine Topzeit für ihn.
Die Profis werden nahbar, die vielen Läuferinnen und Läufer draußen im Land bekommen Woche für Woche Stoff für die Ohren, Hörfutter gegen die Einsamkeit. Laufschuhe an, Hendrik Pfeiffer und Christian Schmitt und ihren Podcast „Einer rennt. Einer hinterher“ anschalten. Selbst loslaufen und mitbekommen, dass es andere auch mal beuteln. Denn, neues Thema, das sich quer durch die Folgen 144, 145 und 147 wie ein roter Faden zieht: die Erkältung, die sich Hendrik Pfeiffer wohl schon auf dem Flug nach New York eingefangen hat. Beide Pfeiffers wurden dadurch ausgebremst, ihr Training war nur noch stark eingeschränkt möglich. Und das kurz vor den wichtigen Wettkämpfen im Frühjahr, für die sie sich monatelang vorbereitet, also auch gequält hatten.
Kennt jeder Langstreckenläufer. Der perfekte Trainingsplan löst sich eine Woche vor dem Marathon in Luft auf. Erkältung. Die Pfeiffers zeigen in ihren Podcasts, dass das bei ihnen nicht anders ist. Noch am Vorabend vor dem Berlin Halbmarathon sei nicht ganz klar gewesen, ob Esther Pfeiffer tatsächlich an der Startlinie stehen kann. Am Morgen die Erleichterung. Keine Erkältungssymptome mehr, dafür viele Fragezeichen, wie sich die beiden Erkältungswochen im Rennen bemerkbar machen werden.
Die breite, weite Allee wird voller. Der erste Start steht an, die Skater fliegen an den Absperrgittern vorbei. Tempo pur. Nicht mehr lange, bis zu den Rollstuhlfahrern. Danach sind die Läufer dran. Die Spannung bei allen steigt. Die Profis sprinten noch einmal ein paar Meter. Esther Pfeiffer wartet lang, bis sie sich die dicke Jacke auszieht, ihrem Manager in die Hand drückt und an diesem kalten Berliner Morgen in Richtung Startblock geht.
Dort steht knapp hinter ihr Maike Lea Nitsch, die Princess, jetzt im knappen Laufdress. Darauf steht in fetten Lettern „Run Bitch“. Nitsch und Esther Pfeiffer erzählen wöchentlich in ihrem Podcast „Glitzer.Flitzer“ eine dreiviertel Stunde lang, wie ihre Laufwoche war. Sie bringen eine neue Note in den Laufsport hinein, also den Glitzer, auch ein neues Selbstbewusstsein, sich als Frau zu inszenieren, etwa mit gewagten Outfits wie jetzt. An ihren Schuhen funkelt es manchmal. Tops werden extra genäht. Glitzer kommt ins Gesicht. All das animiert, treibt zur Nachahmung an. Junge Frauen, die ebenfalls mit Glitzer auf den Wangen starten, die sich etwas Besonderes zum Rennen ausdenken.
Berlin-Halbmarathon lockt Profis und Hobbyläufer auf die Straßen
Schon geht die wilde Hatz über Berlins Straßen los. Vorneweg die Profis mit den großen, federleichten Schritten. Bei ihnen hat das Laufen auch etwas von Schweben. Später, wenn die Hobbyläufer kommen, spürt man auch, dass jeder Schritt beim Laufen die Schwerkraft überwinden muss. Doch die vorne mögen schweben und um Titel kämpfen, die hinten lassen manchmal auch ein paar Sekunden oder Minuten liegen und haben dafür beim Rennen extra Spaß.
Die Gewinner des Berlin Marathons kommen aus Kenia und Äthiopien. Amanal Petros feiert im Ziel ausgelassen seinen dritten Platz. Hendrik Pfeiffer zieht mit langen Schritten ins Ziel und bleibt damit nur knapp über seiner persönlichen Bestzeit. Doch mit Hinblick auf die zwei Wochen Trainingsausfall direkt davor fühlt sich das für ihn wie eine gute Zeit an. Sechs Minuten nach ihm breitet Esther Pfeiffer die Arme aus. Beste deutsche Läuferin, Gesamtfünfte, neue persönliche Bestzeit, Volltreffer. Das Strahlen verlässt sie an dem Tag nicht mehr.
Nach dem Rennen ist die Arbeit für die beiden noch lange nicht getan. Denn beide wissen, dass sie jetzt noch für ihr Social-Media-Standbein Material sammeln müssen. Sie stehen weit vorne im Zielbereich, ziehen sich noch einmal die Jacken aus, während immer mehr Hobbyläufer eintrudeln. Ein kurzer Clip mit ihren Laufschuhen in der Hand. Es schaut aus, als ob sie sie ausschütteln würden. Außerdem machen sie mit jedem ein Foto, der sie fragt. Der Trainer sagt, dass der Bus nicht mehr lange wartet. Der Manager sagt, dass man jetzt los müsse. Aber stopp, so schnell geht das jetzt auch nicht: Hendrik Pfeiffers Mutter ist extra nach Berlin gekommen, sie hat gerade angerufen, steht irgendwo da draußen jenseits des Zauns. Pfeiffer versucht, sie zu erreichen. Niemand hebt ab. Er versucht es wieder. Jetzt endlich. Dort hinten stehen sie, wenigstens einmal kurz „Hallo“ sagen. Danach muss zum Bus schon wieder gerannt werden.
War das schon immer so bei den beiden, dass sie von fast allen erkannt werden? Beim Wettkampf selbst kommt Pfeiffer kaum noch unerkannt von A nach B, erzählt er. Fans sprechen ihn an, berichten, dass sie wegen seiner Frau oder seines Podcasts mit dem Laufen angefangen haben. „Das sind für uns Sachen, die zeigen, dass es den Mehrwert stiftet, den es stiften soll“, sagt er. Vor drei, vier Jahren sei das noch anders gewesen. Aber er betont: Ins Rampenlicht dränge er nicht um des Ruhmes willen. Die Leistung komme immer zuerst.
Eine Position nach Hendrik Pfeiffer kommt beim Berlin-Halbmarathon Johannes Motschmann ins Ziel, kurz danach Nils Voigt. Beide zählen ebenfalls zu den deutschen Spitzenläufern. Aber anders als die Pfeiffers betreiben sie ihre Aktivitäten auf Social-Media nicht forciert – und werden nach dem Rennen auch nicht von so vielen Menschen erkannt.
Dafür geht es im Bus für die Pfeiffers gleich weiter. Da spricht man kaum mit den anderen Läuferinnen und Läufern, sondern macht das erste Video fertig. „Wir haben uns das alles beigebracht“, berichtet Pfeiffer. Und wer gesehen werden will auf Instagram, der muss schnell sein. Und man sieht dann auch bald den Clip mit den Schuhen auftauchen, die beiden schütteln sie, doch im Video purzeln jetzt die Zahlen des Rennens heraus. Die Idee war schon da, der Schuhsponsor freut sich, die Läufer auch, wenn der witzige Clip nach dem Rennen gut ankommt. Und wenn die beiden einen Tag später mit dem Auto von Berlin wieder nach Düsseldorf zurückfahren, wo sie leben, steuert Esther den Wagen, während Hendrik auf dem Laptop die nächste Podcast-Folge schneidet, die noch im Hotelzimmer nach dem Rennen aufgenommen worden ist.
Hendrik Pfeiffer, Jahrgang 1993, ist seit fast zwei Jahrzehnten im Laufsport aktiv. Mit einer Zeit von 2.06.46 Stunden beim Valencia-Marathon 2025 schob er sich auf den vierten Platz der deutschen All-Time-Bestenliste. Er ist Olympiateilnehmer, mehrfacher Sieger großer Marathons und gilt als einer der besten deutschen Langstreckenläufer seiner Generation. Wer ihn danach fragt, wie er Profisportler geworden sei, bekommt eine unerwartete Antwort: zufällig, immer tiefer reingerutscht. „Ich habe den Sport ja nicht begonnen, um damit Geld zu verdienen. Das Hobby hat einfach immer mehr Raum eingenommen und wurde irgendwann zum Beruf – das ist eine sehr dankbare Konstellation.”
Social Media eröffnet den Pfeiffers neue Chancen
Geld stand bei ihm also nie am Anfang der Überlegungen. Trotzdem musste er irgendwann über das Geld nachdenken, auch weil professionelle Marathonläufer nicht so fürstlich wie Fußballspieler verdienen. „Man soll sich schon mit dem Leben nach der Karriere beschäftigen, weil man da nicht in der Nähe ist, ausgesorgt zu haben“, räumt Pfeiffer ein. Sein Weg: Er studiert Journalismus an der TU Dortmund – seit Jahren, allerdings noch ohne Abschluss. Das Pflichtvolontariat lässt sich nicht mit dem Profitraining vereinbaren. Also muss die Uni warten. „Entweder macht man die Karriere voll oder gar nicht“, sagt Pfeiffer.
Und zur Karriere gehören für die Pfeiffers die sozialen Netzwerke dazu. „Nur Erfolge ohne eine Präsenz bei Social Media oder eine Sichtbarkeit in den Medien zu haben, bringt einem sehr wenig – außer man ist wirklich absolute Weltspitze”, sagt Pfeiffer. Der Podcast sei besonders wertvoll, weil man dort ungekürzt sprechen könne: „Wenn man über die Medien zitiert wird, hat man das Risiko, dass nicht alles genauso rübergebracht wird, wie man es meint.“
Das alles ordnet sich ein ins große Bild – den Laufboom, der Deutschland gerade erfasst. Pfeiffer hat eine klare Erklärung für diesen Wandel: „Corona hat die Grundlage gelegt“, sagt er. Als Fitnessstudios geschlossen blieben, entdeckten viele Menschen den Wald. „Und jetzt spielt dem Laufsport in die Karten, dass auch viele im Influencing-Bereich das entdeckt haben.“ Berühmtheiten wie Harry Styles werden beim Berlin Marathon gesichtet, Influencer stehen für einen aktiven Lebensstil – das verändere die gesellschaftliche Wahrnehmung des Sports radikal. „Dass der Laufsport hip ist, ist das Beste, was ihm passieren kann.“
Noch läuft Pfeiffer. In fünf Jahren könnte die aktive Karriere enden. Was dann? Die Start-up-Welt interessiere ihn, ein Angestelltenverhältnis könne er sich kaum vorstellen. „Solange der Sport mir mehr gibt, als ich in ihn investieren muss, ist es gut und gesund“, sagt Pfeiffer. Diesen Satz halte er sich immer vor Augen. Auch auf langen Reisetagen. Auch beim Podcastschneiden auf dem Beifahrersitz … Es läuft, nicht nur bei ihm, nicht nur bei Esther Pfeiffer, sondern im ganzen Laufsport.
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