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Verrückte Weinideen: Toast Hawaii fürs Glas

Genuss

Verrückte Weinideen: So schmeckt Toast Hawaii im Glas

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    Winzer Herbert Zillinger: „Ich will die mineralische Frische des Sauvignons mit der exotischen Fülle vom Traminer vermählen.“
    Winzer Herbert Zillinger: „Ich will die mineralische Frische des Sauvignons mit der exotischen Fülle vom Traminer vermählen.“ Foto: Andreas Jakwerth, Weingut Zillinger

    Viele Weinmacher sind für eine Rebsorte bekannt aus der sie Tropfen keltern, die Furore machen. Eine Traube also, oder vielleicht zwei, die den Ruf eines Weingutes geprägt haben. Die Flaggschiffe haben es auf die Weinkarten geschafft, die ikonischen Weine sacken Punkte und Auszeichnungen der Weinführer ein. Aber daneben findet man gerne Kreszenzen, die weiter hinten auf der Liste stehen und richtig spannend sind: Experimente, stille Traditionen oder verrückte Ideen. Aus der Art geschlagen sozusagen.

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    Eigentlich Burgunder

    „Immer trocken – immer Burgunder“, das ist seit vielen Jahren der Slogan unter dem Konrad Salwey seine Weine verkauft. Und in der Tat: Die Spät- und Weißburgunder aus diesem Hause zeigen, wie schlank und filigran man Weine aus dieser warmen Gegend am Kaiserstuhl machen kann. In einer eigenen Liga spielen die Grauburgunder. Salwey hat es geschafft, diese eigentlich alkohol-starke Rebsorte auf elegante Art zu bändigen. Angefangen vom Guts-, über den Ortswein bis hin zum Großen Gewächs (GG) aus der Lage „Eichberg“, den ich, ohne zu zögern, als den besten seiner Art in unserem Land, aufs Podest heben möchte.

    2022 Oberrotweil Grauburgunder Ortswein, Baden, 21 Euro, www.salwey.de

    Und dann erzählt Konrad Salwey, dass er vor ein paar Jahren „in der heißesten Ecke seiner GG-Lage „Kirchberg“ Syrah angepflanzt habe. Ein Burgunder ist das beileibe nicht. Aber eine Rebsorte, die mit der Klima-Veränderung gut umgehen kann. Seine Vision ist klar: „Ich träume von den Vorbildern aus der Côte Rotie. Da möchte ich hin.“ Kein Wunder: Das Anbaugebiet an der nördlichen Rhône gilt als die Heimat der besten Weine aus der Syrah-Traube. Gerade einmal 600 Flaschen des badischen Pendants gibt es davon, wenn der Jahrgang passt. Auf die offizielle Liste hat es der Wein gar nicht erst geschafft. Es gibt ihn nur auf Anfrage. Vielleicht müßte Konrad Salwey sonst seinen Slogan ändern …

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    Eigentlich Veltliner

    Herbert Zillinger hat es nicht ganz leicht. Sein Weingut in Ebenthal befindet sich im größten österreichischen Anbaugebiet, dem Weinviertel. Auf knapp 14 000 Hektar wird dort zur Hälfte Grüner Veltliner angebaut. Freudige Trinkweine zumeist, die das Budget nicht allzu stark strapazieren. Herbert Zillinger hat sich im Jahre 2003 auf den Weg gemacht, den Grünen Veltliner zu zelebrieren. Nachdem er den elterlichen Gemischt-Betrieb (Obst, Gemüse, Wein) von seinen Eltern übernommen hatte, ging er den Weg in die alternative Bewirtschaftung, die 2008 biozertifiziert wurde und 2017 dann auch für biodynamischen Anbau. Seine Gewächse sind eher leise im ersten Auftritt, aber dabei auch tiefgründig und vieldimensional.

    2023 Grüner Veltliner Horizont, 16,90 Euro, www.weinhalle.de

    Neben seiner Haupt-Rebsorte hat Zillinger unter Anderem auch Sauvignon blanc und Traminer angebaut, die auf Kalksandstein-Böden stehen. Je nach Jahrgang baut er diese Weine separat aus. Oder aber es gibt, ja, „Toast Hawaii“. Die Idee von Zillinger funktioniert bestens. Seine Idee: „Ich will die mineralische Frische des Sauvignons mit der exotischen Fülle vom Traminer vermählen.“ Der Toast geht tatsächlich ins Rauchige, wird aber dabei nie zu laut. Ein saftiger Wein, der Säure, Struktur, Exotik und eine gewisse Pikanz ausbreitet. Fast will man an ein Gericht aus den 1970er-Jahren denken mit Toastbrot, Schinken und Ananas …

    2022 Toast Hawaii, 21 Euro, www.weinhalle.de

    3

    Eigentlich Silvaner

    Es ist diese wunderbare Rebsorte Silvaner, mit der das Weingut Wirsching im fränkischen Iphofen groß geworden ist. Diese Rebsorte kann so ziemlich alles und bleibt dabei immer ein perfekter Speisenbegleiter. Kein Wunder, dass der Silvaner das Aushängeschild dieses Betriebes ist. Um die 100 Hektar bewirtschaftet Andrea Wirsching mit ihrer Mannschaft. Für hiesige Verhältnisse ist das fast schon „Big Business“ – auch was den Vertrieb angeht.

    2024 Iphöfer Kalb Silvaner, 12,50 Euro, www.wirsching-shop.de

    Und trotzdem macht sich jede Woche der kleine Lieferwagen des Weingutes auf den Weg Richtung München, Nürnberg und Frankfurt. „Rein rechnerisch ist das eigentlich viel zu teuer“, sagt Andrea Wirsching. „Aber wir haben nun mal 60 Prozent Privat-Kunden, die freuen sich über so einen Service an die Haustür, bei dem der Fahrer auch immer noch ein paar Kisten extra dabei hat für spezielle Nachfragen.“

    Der lohnenste Wein für derartige Wünsche ist ohne Zweifel die Scheurebe, die es in drei Qualitäten gibt. Schon im Jahr 1952 hatte Hans Wirsching diese Rebsorte aus der Pfalz nach Iphofen geholt. Mit ihren Noten nach schwarzen Johannisbeeren und Holunder bietet sie ein sehr prägnantes Aroma, das gerne auch einmal zu üppig ausfällt bei vergleichbaren Weinen. Im Hause Wirsching kommt sie, im Stahl ausgebaut, schlank daher und passt sehr gut als Apero oder zu einer Joghurt-Gurken-Suppe oder nicht scharfen asiatischen Gerichten. Die „Scheu“, wie man im Winzer-Deutsch sagt, führt zu Unrecht ein Schattendasein mit nur 1400 Hektar Anbaufläche in Deutschland (Gesamt: ca. 100 000 Hektar). Zu erdrückend ist der Markt-Erfolg der großen, weltweit verbreiteten Aroma-Rebsorte, die Andrea Wirsching mit voller Überzeugung übrhaupt nicht im Angebot hat: „Mit einer gescheiten Scheurebe brauchen wir eh keinen Sauvignon blanc.“

    2023 Iphöfer Kronsberg Scheurebe Alte Reben, 18,50 Euro, www.wirsching-shop.de

    4

    Eigentlich Riesling

    Er ist schlicht die deutsche Rebsorte. Niemand kann ihn besser als wir. Uniformität liegt da fern, denn der Riesling verrät, in guter Qualität, ziemlich genau, woher er kommt aus unserem Land. Während die Pfalz mit saftigen Ausgaben beeindruckt, findet man an der Mosel und an der Saar Weine aus dieser Rebsorte, die mit prägnanter Säure und feinem Fruchtspiel punkten. Das größte Anbaugebiet Deutschlands, Rheinhessen, steht in der Disziplin „Riesling“ für eine üppigere Struktur, während die unmittelbar benachbarte Nahe Weine hervorbringt, die geradezu elektrisierend pulsieren in ihrer Kargheit. Genau auf dieser Bruch-Kante, in Siefersheim, erschafft Daniel Wagner Rieslinge, die die besten Eigenschaften der beiden Anbaugebiete vereinen.

    2024 Porphyr, Riesling Erste Lage, 21 Euro, www.shop.wagner-stempel.de

    Wer nun glaubt, dass Riesling schon immer die wichtigste Rebsorte in der Rheinpfalz war, der irrt. Historisch gesehen hat nämlich der Silvaner dominiert. Bis in die 1970er-Jahre stand er in den wichtigsten Lagen ehe er vielfach herausgehackt und durch den Riesling ersetzt wurde. Daniel Wagner ist glücklich, dass seine Vorgänger den Silvaner belassen haben. Gegenwärtig sind eineinhalb Hektar damit bepflanzt und die Tendenz geht in eine positive Richtung mit gutem Grund: „Weil er perfekt zwischen den Säure-frischen Riesling und die cremigen Burgunder passt. Das eindeutige Profil, das hier fehlt, ist die größte Qualität des Silvaners. Er ist ein optimaler Speisenbegleiter“, sagt Daniel Wagner, der seine Silvaner-Fläche mit Neu-Anpflanzungen gerade erweitert.

    Eine unerwartete Kundschaft erwächst dieser so sehr unterschätzten Rebsorte gerade in Asien: „Mit dieser erdig-trockenen kräuterigen Ausrichtung passt er hervorragend zu Sushi-das merken unsere Kunden in Japan gerade“, sagt Daniel Wagner und hängt seinem kleinen Wein einen großen Orden an die Flasche: „Der Silvaner ist ohne Zweifel der beste Universal-Wein, den wir im Programm haben.“

    2024 Grüner Silvaner, Gutswein, 11,50 Euro, www.shop.wagner-stempel.de

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    Eigentlich Teroldego und Nosiola

    Wer über die Klima-Veränderung mit Winzern aus wärmeren Gegenden spricht, erfährt bisweilen Klagen über die sich verändernde Situation, die sich für den Verbraucher auf der Flasche sichtbar, hauptsächlich in steigenden Alkoholwerten ausdrückt. Nachdem man über den Brenner gekommen ist, begegnet einem dieses Phänomen nahezu ständig. Die 14-Prozent-Hürde scheint längst gefallen zu sein.

    Gute 100 Kilometer in südlicher Richtung liegt das Weingut Foradori im Trentino, genauer gesagt im Ort Mezzolombardo und dreht alle Erwartungen diesbezüglich um. Emilio Zierock bringt einheimische Rebsorten wie den weißen Nosiola und den roten Teroldego mit Alkohol-Gradationen in höchster Qualität auf die Flasche, die man sonst eher aus nördlicheren Anbaugebieten kennt. Die biodynamische Bewirtschaftung in diesem Weingut, die ausschließlich auf spontane Hefen baut (die unter anderem weniger Alkohol produzieren) und eine andere Art der Reben-Erziehung am Stock und viel Blatt-Arbeit machen dies möglich.

    2023 Fontanasanta Nosiola, 35 Euro, www.gute-weine.de

    Und dann war da dieser Sommer im Jahr 2017, in dem ein Hagelsturm fast die Hälfte der Ernte der Foradoris beschädigte und uns einen seltenen Wein-Typus bescherte, namentlich einen leichten Rotwein für sonnige Tage und andere Gelegenheiten. Auf den, für andere Rote üblichen, langen Schalen-Kontakt musste Emilio Zierock aus besagten Gründen in diesem Jahr verzichten und damit auch auf tiefrote Farbe und einen Teil der Gerbstoffe. Mit dem Saft spielte er sich in der Vergärung. Er durfte in alle möglichen Behältnisse: vom Stahltank über das Holzfass bis in die Amphore. Sollte ja ein einmaliges Experiment sein. Herausgekommen ein höchst erfolgreicher Tropfen aus den Rebsorten Teroldego, Lagrein und Vernatsch, der auf den Namen „Lezer“ hört, was im trentinischen Dialekt so viel wie „leicht“ heißt.

    2025 Lezer, 16,90 Euro, www.gute-weine.de

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