Es gibt Künstlerinnen, die Karriere machen. Und es gibt solche, die etwas verändern. Ikkimel, 28, aus Berlin-Tempelhof, macht beides – zumindest wenn man der deutschen Rapszene glaubt, die seit einigen Jahren atemlos auf diese Frau schaut.
Hinter dem Künstlernamen Ikkimel verbirgt sich Melina Gaby Strauß. Ihr Weg zur Musik führte über den Umweg der Universität. Erst studierte sie Germanistik sowie Sozial- und Kulturanthropologie in Berlin, später begann sie dort einen Masterstudiengang in Sprachwissenschaften. Dass sie diesen nie abschloss, hat mit dem schwersten Einschnitt ihres Lebens zu tun. Ihr Vater erkrankte an Blutkrebs. Sie pflegte ihn, bis er starb, und entschied sich danach, ihr Leben grundlegend umzukrempeln. Die Uni ließ sie hinter sich und betrat die Welt des Sprechgesangs.
Ikkimel provoziert mit feministisch geprägten Songtexten
Denn zu Ikkimels Markenzeichen dort gehört es, unverblümt, oft auch obszön als junge Frau zu provozieren. Erste Singles erschienen 2022, die EP „Aszendent Bitch” folgte im Mai 2023. Der Aufstieg verlief schnell. Noch im selben Jahr unterschrieb sie beim Label Four Music, einem Tochterunternehmen von Sony Music. Die Single „Keta und Krawall” brachte ihr den ersten Charterfolg.
Was Ikkimel besonders macht, ist die Konsequenz ihrer Haltung. Ihre Texte provozieren, sind oft sexuell aufgeladen und nehmen sich Themen an, über die in der deutschen Musik lange niemand so offen gesprochen hat. Gleichzeitig steckt dahinter mehr als die Lust auf Skandal. Ikkimel macht sich über männliches Imponiergehabe lustig und setzt der scheinbaren Freizügigkeit eine weibliche, selbstbestimmte Perspektive entgegen. Ob das noch feministisch sei, fragte sie sich auf ihrem Debüt in einem Stück selbst.
Arena-Tour von Ikkimel: Konzerte in München, Hamburg und Zürich
Ihr Debütalbum – Achtung, jetzt voll Ikkimel-Härte – „Fotze” stürmte die Charts und mischte den deutschen Rap auf. Als Headlinerin stand sie auf den großen Bühnen der Festivallandschaft: Hurricane, Southside, MS Dockville. Nun steht das nächste Kapitel an. Am Freitag erscheint ihr zweites Album „Poppstar”. Die Titelwahl ist Programm: Ikkimel beansprucht zum einen den Begriff Pop und lädt ihn gleichzeitig sexuell auf. Mit dem Album kündigt sie eine Arena-Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz an.
Ein Novum in der Rapszene: Bei allen Konzerten wird es einen geschützten, ruhigen Bereich geben – rauch-, alkohol- und drogenfrei – für Schwangere, Neurodivergente und alle, die sich eine Auszeit von der Lautstärke gönnen wollen. Ausgerechnet die lauteste Rapperin des Landes denkt an die Stillen.
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