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Interview
08.04.2022

Bachmann-Preisträgerin Sharon Dodua Otoo: „Ich brauche keinen Aufpasser“

Sharon Doduoa Otoo bei ihrer Lesung in Augsburg.
Foto: Michael Hochgemuth

Sharon Dodua Otoo spricht über Schwarze Romanfiguren, ihre Vorbilder und den Ärger, Fragen nicht selbst beantworten zu dürfen.

Frau Otoo, aus aktuellem Anlass des Oscar-Skandals, bei dem Will Smith einen beleidigenden Witz des Moderators über seine Frau mit einer Ohrfeige konterte: Müssen Schwarze Frauen verteidigt werden?

Sharon Dodua Otoo: Bei den Diskussionen ging es fast ausschließlich um die Gefühle und Motivationen von Will Smith und Chris Rock. Was war mit Jada Pinkett Smith? Sie erhielt wenig Empathie: Es hieß, sie solle eine Perücke tragen oder sie sei verantwortlich, dass sich Will Smith beherrsche. Bei Schwarzen Frauen wird angenommen, dass sie alles packen. Ein Zitat von Malcolm X aber lautet: „Die am meisten vernachlässigte Person in Amerika ist die Schwarze Frau.“ Ich allerdings brauche keinen Aufpasser. Ich kann für mich selbst einstehen. Es wäre schon viel gewonnen, wenn ich in Gesprächen einfach ausreden könnte! So oft wird mir eine Frage gestellt und dann gleich selbst beantwortet, bevor ich überhaupt Luft geholt habe. Meist, weil die Person meint, zu wissen, was ich eigentlich sagen möchte.

Bernardine Evaristo ist die erste Schwarze Autorin, die den Booker-Preis erhielt. Sie sagt, die Auszeichnung habe ihre Karriere „revolutioniert“. Erging es Ihnen als Bachmann-Preisträgerin 2016 ähnlich?

Otoo: Auf jeden Fall. Als Bernardine Evaristo für ihre schriftstellerische Leistung den Preis gewonnen hat, habe ich mich so sehr gefreut. „Girl, Woman, Other“ ist umwerfend und mutig geschrieben. Der einzige Wermutstropfen ist, dass die Auszeichnung geteilt wurde. Ich musste den Preis nicht teilen. Über Nacht bin ich eine deutschsprachige Autorin geworden. Das war zuerst gar nicht mein Ziel, weil ich es nicht für möglich gehalten habe, überhaupt vom Schreiben leben zu können. Aber mit dem Preis gab es eine Art Legitimationsstempel zur Schriftstellerin. Neun Monate später habe ich meinen Brotjob gekündigt. Seitdem lebe ich selbstständig als freiberufliche Autorin. Es ist ein Traum – und ein Riesenprivileg. Unter den vielen Angeboten suche ich mir aus, was mir am Herzen liegt.

Schwarze Frauen stehen im Mittelpunkt von Literatur, auch in ihrem ersten Roman „Adas Raum“ von 2021. Kennzeichnen wiederkehrende Umstände oder besondere Erfahrungsräume die Erlebnis- und Gefühlswelt von Schwarzen Frauenfiguren?

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Otoo: Schon in meiner ersten Novelle „die dinge, die ich denke, während ich höflich lächle“, habe ich die Geschichte einer Schwarzen Frau erzählt, die eine handelnde Figur ist und für sich steht. Ich wollte nicht mehr darauf verzichten, dass eine Person wie ich in der Literatur vorkommt. Wie Toni Morrison in ihrem Text „Im Dunklen spielen“ schreibt, sind Schwarze Figuren in der Literatur oft dazu da, das zu zeigen, was Weiße nicht sind. Meine Protagonisten dagegen sind keine „magical negros“, sondern 360-Grad-Personen. Auch die Figuren von Bernardine Evaristo und in Olivia Wenzels „1000 Serpentinen Angst“ – die Geschichte einer queeren Frau mit Ostdeutschlandhintergrund – haben gemeinsam, dass sie echt und widersprüchlich sind.

Literaturstars wie Zadie Smith und Tsitsi Dangarembga stehen für modernen Feminismus: Sie selbst sind Aktivistin. Sind die MeToo-Bewegung und Wut ein Motor für die Gleichstellung von Frauen?

Otoo: Feminismus ist für mich noch ein Lernprozess – und eine Haltung im Sinne von bell hooks: eine Bewegung, um die sexistische Unterdrückung zu unterbinden. Komplexer als die Frage nach dem gleichen Verdienst ist es doch, Männer wie Frauen von Geschlechter-Klichees zu befreien und Gender auch nicht-binär zu denken. MeToo und Wut gehört auf jeden Fall dazu. Wut zeigt Grenzüberschreitung an und ist Motor für aktive Veränderung.

Frauenliteratur wird unterschiedlich aufgenommen. Hat es Literatur von Schwarzen Frauen noch schwerer als Literatur von Frauen?

Otoo: Meiner Erfahrung nach: Leider ja. Zum Beispiel die drei großen Romane von Olivia Wenzel, Jackie Thomae und Jasmina Kuhnke werden in ihrer Rezeption oft ausschließlich auf Rassismuserfahrung reduziert. Gleichzeitig ist damit die Hoffnung verbunden, Rassismus zu überwinden. Mein Thema ist es nicht, Menschen für etwas zu sensibilisieren, sondern Lebensrealitäten von verschiedenen, auch Schwarzen Personen darzustellen. Das drücke ich mit Ambivalenzen, Zeitsprüngen und Irritationen aus, wie in „Adas Raum“. Ich möchte keine Schablonen schreiben. Im englischsprachigen Raum, an der Universität in Cambridge, wurde mein Ansatz gerade in einem Symposium diskutiert und gewürdigt.

Am Leipziger Buchpreis wurde Kritik geübt, es seien keine Schwarzen Autoren und Autorinnen auf der Shortlist. Müssen Jurys diverser werden und sich Strukturen ändern?

Otoo: Es geht nicht darum, dass eine Schwarze Person in einer Jury sitzt, die dadurch vielfältig wirkt, sondern um eine Gesamtanschauung des Literaturbetriebs und von Verlagshäusern. Warum sind überhaupt so wenige Schwarze Personen vertreten, etwa als Literaturkritiker:innen oder Autor:innen? Die institutionellen Strukturen müssen sich ändern. Schwarze sollten bereits im Vorfeld vor Nominierungen die Möglichkeit für Stipendien erhalten, an Workshops mitmachen und so weiter. Deswegen bin ich Mitorganisatorin beim diesjährigen Schwarzen Literaturfestival in Recklinghausen. Es heißt „Resonanzen“. Und darum geht es mir: Dass sich die Rezeption und die diskutierten Themen erweitern. Zum Beispiel mit einer diverseren Literaturkritik einen größeren Resonanzraum von Lesarten zu ermöglichen – mit Irritationen und Brüchen. Auch für Romane wie Shida Bazyars „Drei Kameradinnen“ wünsche ich mir das.

Der Moment des Glücks: So freute sich Sharon Dodua Otoo als sie 2016 mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet wurde.
Foto: Susanne Hassler, dpa

Woran schreiben Sie gerade?

Otoo: Ich habe ein Nachwort für den Gedichtband von Warsan Shire verfasst, einer somalisch-britischen Autorin: „Haus Feuer Körper. Bless the Daughter Raised by a Voice in Her Head“ Der Band erzählt unter anderem von Flucht und Diskriminierung.

Sie begreifen Ihre literarische Position in der sozial- und gesellschaftskritischen Tradition von Charles Dickens, Bertolt Brecht, Chinua Achebe und Toni Morrison. Wie denken und führen Sie das literarische Erbe in ihrem Schreiben weiter?

Otoo: Mit handlungsfähigen Figuren, die ambivalent sind: nicht ausschließlich böse, nicht perfekt, sondern wie Menschen eben sind. Komplex. Diese Autor:innen waren sich bewusst, dass sie in Gesellschaften mit großen sozialen und politischen Schwierigkeiten lebten. Sie haben sich literarisch dazu verhalten. Und sie haben nicht versucht, einfache und schnelle Lösungen à la „wir haben uns alle lieb“ zu bieten. Das bewundere ich.

Welche (neue) Schwarze Schriftstellerin gilt es zu entdecken?

Otoo: Ich empfehle das Lyrikdebüt „Dunkel Kalt“ von Olaide Frank. Die Gedichtsammlung lese ich als nächstes und bin voller Vorfreude.

Anm. der Redaktion: In diesem Text finden Sie gegenderte Formulierungen, weil dies der Gesprächspartnerin wichtig war. Auf ihren Wunsch wird „Schwarz“ als politische Bezeichnung großgeschrieben.

Sharon Dodua Otoo, 1972 in London geboren, ist Autorin und politische Aktivistin. Seit 2006 lebt Otoo mit ihrer Familie in Berlin. Mit dem Text „Herr Gröttrup setzt sich hin“ gewann Otoo 2016 den Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt.

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