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Kino
15.12.2021

Dieser Spider-Man ist der erste Superheld der Biden-Ära

Tom Holland ist Peter Parker alias Spider-Man in "No Way Home".
Foto: Sony Pictures

In "No Way Home" trifft Peter Parker auf allerlei Bösewichte aus früheren Verfilmungen. Doch der jugendliche Held ist jetzt moralisch gereift und verzichtet auf eherne Rachekonzepte.

Im Sortiment der Marvel-Superhelden hatte Spider-Man stets eine Sonderrolle. Als Tobey Maguire sich 2002 durch die New Yorker Hochhausschluchten schwang, war Sam Raimis „Spider-Man“ der Startschuss für eine neue Ära der Superhelden-Filme, in denen sich mit den Möglichkeiten digitaler Bildproduktion die Grenzen zwischen Realität und Fantasie auflösten. Die innovative Technik passte zu dem jungen Helden Peter Parker, der den Umgang mit seinen übernatürlichen Fähigkeiten noch lernen musste. Die jugendliche Euphorie und Unbeholfenheit ließen Spider-Man stets als den menschlichsten und zugänglichsten unter den Superhelden erscheinen. Um diese Qualität zu erhalten, durfte die Figur jedoch nicht zu sehr altern. Und so hat der Spinnenmann schon sein drittes Reboot erlebt.

Acht Spider-Man-Filme in 19 Jahren – das ist auch im geschäftstüchtigen Franchise-Kosmos ein Rekord, der allerdings auch einem anderen Umstand geschuldet ist: Die Filmrechte für Spider-Man liegen nicht bei Marvel als Teil des Disney-Imperiums, sondern beim Sony-Konzern, der aus seinem einzigen Marvel-Comic-Helden maximalen Profit generieren will. Und so schlüpfte nach Tobey Maguire schon bald Andrew Garfield als „Amazing Spider-Man“ für zwei Sequels ins knallrote Kostüm, bis 2017 der Brite Tom Holland mit 21 Jahren als jüngster Spider-Man-Darsteller das Zepter übernahm. Äußerst erfolgreich wurde in „Homecoming“ nicht nur der visuelle Look für eine neue Zuschauergeneration aufgefrischt. Auch die jugendliche Fehlbarkeit des Helden wurde deutlicher herausgearbeitet, dessen emotionale Entscheidungen in guter Absicht oft direkt in den Schlamassel führen.

Für die einen ein Retter, für die anderen ein Terrorist

Ebenda befindet sich Peter Parker zu Beginn der dritten Folge „No Way Home“. Nachdem er in London den Bösewicht Mysterio unschädlich gemacht und dabei beträchtlichen Sachschaden verursacht hat, ist die geheime Identität Spider-Mans von dem populistischen TV-Mann J. Jonah Jameson (J.K. Simmons) aufgedeckt worden.

Spider-Man (Tom Holland) lässt MJ (Zendaya) nicht aus den Augen.
Foto: Sony Pictures

Schluss mit der schützenden Anonymität des Ganzkörperkostüms. New York und die halbe Welt weiß nun, dass Peter Parker der umstrittene Superheld ist, an dem sich die Öffentlichkeit in zwei Lager spaltet. Für die einen ist der Junge ein kühner Retter, für die anderen ein terroristischer Chaot. Hubschrauber umkreisen das Mietshaus, in dem Peter mit seiner Tante May (Marisa Tomei) lebt. An der High-School muss er sich den Weg durch die Masse von Mitschülern bahnen, die jeden seiner Schritte mit dem Smartphone filmen. Als nicht nur Peter, sondern auch seine Freundin MJ (Zendaya) und Kumpel Ned (Jacob Batalon) aufgrund der Vorkommnisse keinen College-Platz bekommen, nimmt Peter Kontakt zu Dr. Strange (Benedict Cumberbatch) auf. Der Magier soll die ganze Welt vergessen lassen, wer im Superhelden-Anzug steckt.

Aber der Zauber läuft schief, mit dem Ergebnis, dass Schurken aus den verschiedensten Zeitebenen des Multiversums auftauchen, um ihre offene Rechnung mit Spider-Man zu begleichen. Und so stehen plötzlich Willem Dafoes „Green Goblin“, Alfred Molinas „Doctor Octopus“ und Thomas Haden Churchs „Sandman“ auf der Platte, die sich seinerzeit mit Tobey Maguires Spinnenmann gemessen haben, sowie Rhys Ifans „Lizard“ und Jamie Foxxs „Electro“, die mit Andrew Garfields Spider-Man aneinander geraten sind. Nachdem Peter alle Finsterlinge nacheinander eingefangen hat, sollen die Häftlinge von Dr. Strange zurück in ihre Zeit geschickt werden, wo sie der vorhersehbare Schurkentod erwartet. Aber weil Peter im Verein mit seiner gutmütigen Tante May erkennt, dass in jedem dieser Bösewichte eine verletzte gute Seele steckt, entschließt er sich, die Gefangenen zu kurieren, anstatt sie ihrem sicheren Ableben im Multiversum zu überlassen. Das gut gemeinte Resozialisierungsprogramm läuft jedoch schon bald aus dem Ruder.

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Spider-Man: Und dazwischen ein paar Kitsch-Momente

Wirkt das Klassentreffen der Bösewichte mit dem dazu gehörigen Action-Getöse anfangs etwas überdosiert, so setzt die Vernetzung der verschiedenen Spider-Man-Generation schon bald nicht nur für eingeweihte Marvel-Fans einige Unterhaltungseffekte frei. Alfred Molina und Willem Dafoe werfen sich nach 20 Jahren mit ungebrochener Verve in ihre donnernden Schurkenrollen und werden durch weitere überraschende Gastauftritte ergänzt. Trotz des multiversellen Durcheinanders verliert Regisseur Jon Watts die Liebesgeschichte zwischen Peter Parker und MJ nicht aus dem Auge, der einige selige Kitsch-Momente gewidmet sind, welche nicht nur Teenagerherzen zum Schmelzen bringen.

Ebenso große Aufmerksamkeit wird auf die moralische Reifung des jugendlichen Helden gelegt, der im Alleingang das eherne Rachekonzept aushebelt und die Todesstrafe im Superhelden-Genre abschafft. Und so wirkt dieser Spider-Man, der nicht auf die Vernichtung der Gegner, sondern auf Versöhnung setzt, auch ein wenig wie der erste Superheld der Biden-Ära, die in ihrem Streben nach gesellschaftlicher Aussöhnung ebenfalls schon einige Rückschläge einstecken musste.

Spider-Man: No Way Home - Regie: Jon Watts; mit Tom Holland, Benedict Cumberbatch, Zendaya u.a.; 148 Minuten; FSK ab 12 Jahren.

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