Newsticker
Selenskyj bezeichnet die Lage im umkämpften Donbass als sehr schwierig
  1. Startseite
  2. Kultur
  3. Krimi: Das neue Kluftinger-Hörspiel soll nach Allgäu klingen

Krimi
11.10.2021

Das neue Kluftinger-Hörspiel soll nach Allgäu klingen

Zwei Allgäuer verpassen dem Allgäu-Krimi-Hörspiel „Milchgeld“ einen authentischen Sound: Wolfgang Krebs und Sarah-Lavinia Schmidbauer.
Foto: Angela Schulz

Der Kaufbeurer Kabarettist Wolfgang Krebs schlüpft in die Rolle des skurrilen Kommissars, die Irseer Schauspielerin Sarah-Lavinia Schmidbauer spricht seine Ehefrau. Autor Volker Klüpfel findet gut, wie sie das machen

„Kreuzkruzifix!“. So schön wie Kluftinger kann keiner fluchen. Gleich am Beginn ihres Debütromans „Milchgeld“ lassen die beiden Autoren Volker Klüpfel und Michael Kobr den ewig grantelnden Kommissar dieses Wort ausstoßen – weil das Telefon klingelt und Kluftinger gerade Kässpatzen essen möchte, die seine Frau für ihn gekocht hat. Nach dem fünften Läuten nimmt Kluftinger ab – und erfährt von einem Mord, begleitet vom Topfklappern seiner Gattin Erika.

So beginnt der Allgäukrimi, und so startet auch das Hörspiel mit dem Titel „Milchgeld“, das gerade fertig wurde und bei der Amazon-Tochter Audible als „digitaler Hörinhalt“ angeboten wird. Für die Rolle als Kluftinger verpflichteten die Produzenten einen Allgäuer Kabarettisten: Wolfgang Krebs aus Kaufbeuren. Er war vollkommen überrascht, als er angefragt wurde. „Ich hätte nie gedacht, dass ich diese Rolle spielen darf“, sagt der 55-Jährige. „Das ist eine große Ehre.“

Der Kabarettist ist mit Parodien von Stoiber, Seehofer und Söder bekannt worden, schlägt sich aber auch als Kluftinger gut. Krebs gibt einen bedächtigen Kommissar mit ruhiger Bariton-Stimme. Wer ihn sonst sprechen hört, etwa beim donnerstäglichen Polit-Magazin „quer“ im Bayerischen Fernsehen, wird ihn kaum wiedererkennen. „Ich habe mir die Figur aus den Filmen mit Herbert Knaup als Kluftiger vorgestellt“, sagt Krebs. Zugleich nahm er sich vor, das Ungeschickte, Unsichere, Tollpatschige des skurrilen Polizisten nicht zu sehr herauszukehren. „Ich wollte aus Kluftinger keinen Deppen machen. Ich hoffe, das ist gelungen.“

Autor Volker Klüpfel, der zusammen mit Michael Kobr die Entstehung des zehnstündigen Hörspiels begleitet hat, ist begeistert von Krebs’ Interpretation. „Das kommt dem Ton nahe, den sehr viele Leute im Kopf haben“, glaubt er. Zumal auch die gemäßigte Mundart, die Krebs einbringt, sehr gut passt.

Er wurde zwar in Oberbayern geboren und kam erst als Sechsjähriger ins Allgäu. Aber offenbar hat er dann noch so viel Dialekt gelernt, dass es für Kluftinger reicht. „Ich bin stolz, dass ich hier so integriert bin, dass ich einen Allgäuer spielen kann“, sagt Krebs mit einem Lächeln. Neben ihm agieren etliche weitere Allgäuer, die der heimischen Mundart mächtig sind: Jürgen Richter aus Kaufbeuren etwa, oder Georg Ried und Urs Fabian Winiger aus dem Markt Kaltental. Auch für die Musik holten sich die Produzenten einen Allgäuer ins Boot: Rainer von Vielen. Die wichtige Rolle der Kluftinger-Gattin Erika hat die Schauspielerin Sarah-Lavinia Schmidbauer übernommen. Sie ist im Ostallgäu und im Unterallgäu aufgewachsen und lebt nun in Irsee.

Obwohl das Hörspiel von lebendigen Dialogen lebt, haben sich die Beteiligten nie von Angesicht zu Angesicht gesehen. Wegen Corona wurde „Milchgeld“ kontaktlos aufgenommen. Einer nach dem anderen fuhr im Frühjahr nach Otterfing bei München, um im Studio von „Bumm-Film“ den Text einzusprechen. Deshalb ist das Hallo groß, als sich Krebs und Schmidbauer in einem Kaufbeurer Café erstmals überhaupt treffen, um unserer Zeitung von dem Projekt zu berichten.

Die Aufnahmen fanden in einem schalldichten Fünf-Quadratmeter-Raum statt. Eine nicht gerade heimelige Atmosphäre, mit der sich beide nicht leicht taten, um Bilder für dynamische Dialoge in den Kopf zu bekommen. „Lost in Einsamkeit“, sagt Wolfgang Krebs in Anlehnung an den Kinofilm „Lost in Translation“. Schmidbauer nickt. „Es war ein großer Imaginationsaufwand.“ Sie hätte lieber reale Spielpartner vor dem Mikrofon gehabt.

Mit dem Allgäuer Dialekt freilich hatte die 41-jährige Schauspielerin (Tatort, Polizeiruf 110 …) überhaupt keine Probleme. Bisweilen bot sie zwei Varianten an: erst gemäßigtes Allgäuerisch, dann noch eine verschärfte Version.

Den Text habe sie stundenlang geübt. „Meine Kinder haben schon die Augen verdreht, wenn ich in der Küche wieder loslegte.“ Sie wollte die Figur total verinnerlichen. Ihr schwebte eine Frau vor, die zwar in einem traditionellen Rollenbild gefangen ist, aber zuhause die Chefin ist. „Die beiden führen eine lange, gute Beziehung, auch wenn sie sich auf die Nerven gehen“, sagt Schmidbauer über die Stimmung, die sie vermitteln möchte. Auch von ihr ist Co-Autor Volker Klüpfel begeistert. „Sie würde in dieser Rolle auch in einen Kluftinger-Film passen.“ Überhaupt ist Klüpfel zufrieden mit dem Hörspiel. „Mir gefällt’s super“, sagt er. Offenbar geht es auch den Leuten von Audible so. Inzwischen ist sicher, dass der zweite Kluftinger-Krimi „Erntedank“ zum Hörspiel wird, teilt Programmchef Torsten Surberg mit. Ob es danach weitergeht, hänge von der Nachfrage ab.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.