George Lucas’ legendäres Star-Wars-Franchise war 43 Jahre lang ausschließlich auf der großen Leinwand beheimatet. Die drei Trilogien, die seit 1977 das Publikum in weit entfernte Galaxien entführten, galten als Inbegriff eines Kinos, das technologisch in immer neue Universen vordrang. Doch die letzte Folge „Der Aufstieg Luke Skywalkers” (2019) unter der Regie von J.J.Abrams drohte unter überbordenden Effekten und Verästelungen zu ersticken. So wählte Creator Jon Favreau für die erste Star-Wars-TV-Serie „The Mandalorian”, die 2020 pünktlich zur Pandemie bei Disney+ eingespeist wurde, einen anderen Weg. Er besann sich auf die Ursprünge der Saga, die im Western und in den japanischen Samurai-Filmen liegen. Keinen strahlenden Helden, sondern einen Outcast stellte er mit Din Djarin alias Mando (Pedro Pascal) ins Zentrum, der an den ausgefransten Rändern der Galaxie sein Brot als Kopfgeldjäger verdiente.
Grogu hat als Baby-Yoda eine neue Generation an Star-Wars-Fans begeistert
Die ersten Folgen sahen aus wie ein futuristischer Sergio-Leone-Film und überzeugten gerade durch die Schnörkellosigkeit, mit welcher der Titelheld, dessen Gesicht und Körper stets von Helm und Rüstung bedeckt sind, seine Aufträge professionell und actionreich absolvierte. Dann trat auch noch Grogu auf den Plan. Das hellgrüne Jedi-Kind mit den schwarzen Kulleraugen und den spitzen Ohren eroberte im Sturm als „Baby-Yoda” die Herzen der Fangemeinde. Das putzige Wesen mit den machtsensitiven Fähigkeiten weckte auch in Mando väterliche Gefühle, der fortan als alleinerziehender Kopfgeldjäger ohne Kita-Platz-Ansprüche über drei Staffeln durchs Universum reiste.
Nun erscheint für die Marktstrategen von Disney die Zeit reif, den Mandalorianer, der einer jungen Publikumsgeneration als „ihr” Star-Wars ans Herz gestreamt wurde, auch im Kino einen großen Auftritt zu verschaffen. Mittlerweile stellt Din Djarin seine Fähigkeiten in den Dienst der Neuen Republik. Aus dem professionellen, gewissenlosen Dienstleister ist im Zuge seiner Adoptivvaterschaft ein freiberuflicher Held fürs Gute geworden. Von seiner Chefin Colonel Ward (Sigourney Weaver) bekommt er einen diffizilen Auftrag. Für die Zwillingsdiktatoren des Planeten Hutt soll er deren Neffen Rotta aus der Gefangenschaft eines kriminellen Salzhändlers in Chicago befreien. Angekommen in der futuristisch heruntergekommenen Erdenstadt muss Mando allerdings feststellen, dass Rotta sich ganz und gar nicht wie ein Gefangener fühlt. Als Gladiator wird er in der örtlichen Arena gefeiert und soll nach dem nächsten Kampf in die Freiheit entlassen werden. Zurück zu seinem Heimatplaneten, wo die Zwillingsonkel dem möglichen Thronfolger nach dem Leben trachten, will er auf keinen Fall.
In der Arena müssen sich Rotta und Mando einer Vielzahl mordlustiger Kreaturen erwehren und können schließlich gemeinsam entkommen. Mando hat Zweifel, ob er den gutmütigen Rotta an seine verbrecherische Verwandtschaft ausliefern soll. Weit über die erste Hälfte des Films reiht sich eine Kampf- und Befreiungsaktion an die nächste. Für Schaueffekte ist bei den Gefechten am Himmel, in der Arena, auf den Straßen der urbanen Metropole und einem hochgefährlichen Dschungelplaneten gesorgt. Erst als der vermeintlich unbesiegbare Mandalorianer nach einem Drachenschlangenbiss ins Koma fällt, kommt der Film zur Ruhe. Denn nun dreht sich das Fürsorgeverhältnis zwischen Kopfgeldjäger und Ziehsohn um. In den Sümpfen des Planeten Hutta baut Grogu aus Lehm eine Schutzbehausung für den Bewusstlosen und versorgt dessen Wunden. Der Fokus auf den kleinen Jedi rettet den Film zeitweilig vor den Wiederholungen endloser Kampfsequenzen. Doch nach der Atempause wird die Hatz bis zum Finale fortgesetzt.
„The Mandalorian and Grogu“ zeigt im Setting seine Stärken
Mit „The Mandalorian and Grogu“ folgt Favreau seinem bewährten Serienkonzept, das die beiden Helden in geradlinige Action-Abenteuer stürzt. In der Konzeption futuristischer Welten und einer äußerst bizarren Tier- und Monsterpopulation zeigt der Film seine Stärken. Vom Film Noir über den Western bis zum klassischen Survival-Thriller reichen Favreaus Genreanleihen, die mit Kreuz-und Querverweisen aus dem Star-Wars-Universum angereichert werden.
Aus alledem entsteht zwar ein funktionierendes Spektakel, aber kein Epos. Dafür fehlt ein größerer Erzählrahmen, zwischenmenschliches Konfliktpotenzial und moralische Antriebskräfte. Auch die Vater-Sohn-Dynamik zwischen Kopfgeldjäger und ach so süßen „Baby Yoda“ kommt nicht wirklich in Gang. Das Konzept, einen behelmten Kämpfer, dessen Gesicht nur einmal für wenige Minuten enthüllt wird, und eine hellgrüne Puppenkreatur als Hauptfiguren durch die Handlung zu lotsen, stößt auf der großen Leinwand an seine Grenzen. Das spürt man deutlich, sobald Sigourney Weaver in einigen wenigen Auftritten daran erinnert, dass auch im Multi-Spezies-Universum von „Star Wars“ das Ausdrucksvermögen eines menschlichen Gesichts von unschätzbarem Wert ist.
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