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Pierrot Raschdorff und „Die neue Höflichkeit“ und wie sie unsere Gesellschaft stärken kann

Gesellschaft

Statt Hass und Polarisierung: Ein Plädoyer für mehr Respekt im Alltag

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    Wie finden wir wieder zueinander? Politikwissenschaftler Pierrot Raschdorff schreibt in seinem neuen Buch „Die Neue Höflichkeit“, warum Haltung im Umgang miteinander so wichtig ist. Und warum feste Gespräche im Alltag uns wieder näher zu uns selbst führen.
    Wie finden wir wieder zueinander? Politikwissenschaftler Pierrot Raschdorff schreibt in seinem neuen Buch „Die Neue Höflichkeit“, warum Haltung im Umgang miteinander so wichtig ist. Und warum feste Gespräche im Alltag uns wieder näher zu uns selbst führen. Foto: Alicia Windzio/dpa (Symbolbild)

    „Danke“ und „Bitte“ sagen, freundlich grüßen oder jemandem die Tür aufhalten – für viele ist das schlicht eine Frage guter Erziehung. Höflichkeit wird dabei als Etikette oder freundliche Tonlage verstanden. Im Privaten mag das genügen. Doch gesellschaftlich und politisch greift dieses Verständnis zu kurz – davon ist der Autor, Politikwissenschaftler und Diversity-Experte Pierrot Raschdorff überzeugt.

    Politikwissenschaftler Pierrot Raschdorff: Sein neues Buch über den Umgang miteinander

    Gesellschaftliche Debatten werden zunehmend von Polarisierung, Hass und Radikalisierung geprägt – online wie offline. Der Eindruck, dass der Umgangston rauer geworden ist, teilen inzwischen viele Menschen. In seinem neuen Buch „Die neue Höflichkeit“ geht Raschdorff der Frage nach, wie ein respektvoller Umgang in einer immer gereizteren Gesellschaft noch gelingen kann.

    In einem Gespräch mit unserer Redaktion erläutert der Autor seinen Ansatz und warum gerade scheinbar kleine Dinge wie Small Talk oder das gemeinsame Abendessen eine größere Bedeutung haben, als man zunächst vermuten würde.

    Autor sieht Sprache als Spiegel der Gesellschaft

    Unser Umgang miteinander wird von Vorbildern geprägt, beginnt der Politikwissenschaftler. Gerade in der Politik, wo der Ton oft rau ist und Debatten schnell eskalieren. Der Autor betont: Sprache ist mächtig. „Wer öffentlich spricht, trägt den Ton der Gesellschaft“, sagt er.

    Gleichzeitig brauche es individuelle Verantwortung, diesen Ton nicht einfach zu übernehmen. Stattdessen plädiert er für mehr Gelassenheit und die Bereitschaft, unterschiedliche Perspektiven auszuhalten. Aber wie kann uns das gelingen?

    Der Schlüssel für ein besseres gesellschaftliches Miteinander ist aus Raschdorffs Sicht Haltung – verstanden als Wertschätzung und das Anerkennen einer pluralen Gesellschaft. Neue Höflichkeit beginne dabei immer bei einem selbst. „Es ist einfacher, auf andere zu zeigen und ihr Verhalten zu bewerten“, sagt Raschdorff. Wichtiger sei jedoch der Blick nach innen: Welcher Mensch möchte ich sein? Welchen Beitrag kann ich leisten? Und wie begegne ich anderen und der Welt?

    In seinem neuesten Buch schreibt Pierrot Raschdorff darüber, wie wir als Gesellschaft durch „die Neue Höflichkeit“ wieder besser miteinander umgehen. Für ihn spielt vor allem die Haltung die zentrale Rolle.
    In seinem neuesten Buch schreibt Pierrot Raschdorff darüber, wie wir als Gesellschaft durch „die Neue Höflichkeit“ wieder besser miteinander umgehen. Für ihn spielt vor allem die Haltung die zentrale Rolle. Foto: Priscillia Grubo

    Small Talk kann Gemeinschaft im Alltag stärken

    Der Politikwissenschaftler ist überzeugt, dass Menschen ein grundlegendes Bedürfnis nach Zusammenhalt und Zugehörigkeit haben. Entsteht daraus die Bereitschaft, auch am eigenen Verhalten zu arbeiten, wirkt sich das positiv auf das gesellschaftliche Miteinander aus. So beginnt Veränderung für ihn oft im Kleinen – auch wenn das nicht jeder gern höre. Schon ein kurzer Small Talk mit einer fremden Person könne das Gefühl von Gemeinschaft stärken. „Small Talk ist die niedrigste Schwelle des Gemeinsinns“, sagt der Autor.

    Denn selbst im Austausch über Alltägliches wie das Wetter lassen sich erste Gemeinsamkeiten finden. Von dort aus kann sich ein Gespräch vertiefen – oder auch bewusst an der Oberfläche bleiben. Die Neue Höflichkeit bedeutet dabei aber nicht, ständig in Kommunikation zu sein.

    Sie setzt vielmehr auf Offenheit und zugleich auf das Akzeptieren von Grenzen. Verbindung entsteht dort, wo Dialog auf Augenhöhe stattfindet, und nicht als Machtdemonstration. Entscheidend ist die Haltung, dass die eigene Meinung nur eine von vielen ist: weder über- noch unterlegen, sondern gleichwertig.

    „Die Neue Höflichkeit“ soll das Streiten menschlich halten

    Zur Neuen Höflichkeit gehört es auch, Grenzen zu setzen: „Man muss sich nicht alles gefallen lassen“, sagt Raschdorff. Auch der Schutz der eigenen emotionalen Belastbarkeit spiele dabei eine Rolle.

    Raschdorff, der eigenen Angaben zufolge immer wieder Erfahrungen mit Alltagsrassismus gemacht hat, betont die Bedeutung eines bewussten Umgangs mit dem, was man aushält und was nicht. Gleichzeitig solle Streit nicht verdrängt werden. Im Gegenteil: Die Neue Höflichkeit verstehe sich als Rahmen, in dem Konflikte ausgetragen werden können, ohne entmenschlichend zu werden.

    Autor stellt Miteinander in den Mittelpunkt des Alltags

    Raschdorffs Buch versteht sich weniger als Ratgeber, Etikette oder gar neue Leitkultur, sondern als Einladung zur Selbstbefragung: Was bedeutet Höflichkeit für mich – und wie will ich anderen begegnen?

    Im Alltag könne das mit kleinen Routinen beginnen, etwa gemeinsamem Abendessen, bewussten Gesprächen oder festen Zeiten ohne ständige Reizüberflutung. Nicht als Rückzug aus der Welt, sondern als Moment des Innehaltens. Im Kern geht es ihm um das Miteinander – und um die Erinnerung daran, dass wir alle friedlich zusammenleben wollen. Die Neue Höflichkeit „ist ein System, eine Erinnerung an uns selbst und zugleich ein Appell, der nicht ‚Nett-Sein‘ predigt, sondern die Bedingungen sichern will, unter denen wir überhaupt noch leben können“, heißt es in seinem Buch.

    Zum Buch

    „Die Neue Höflichkeit“ ist am 16. Mai 2026 über den Klett-Cotta-Verlag erschienen (208 Seiten) und kostet 22 Euro.

    Das neue Buch von Pierrot Raschdorff „Die Neue Höflichkeit“.
    Das neue Buch von Pierrot Raschdorff „Die Neue Höflichkeit“. Foto: Klett-Cotta Verlag
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