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Vom Punk zum Propagandaminister: Robert Stadlober spielt Goebbels

Porträt

Ein Punk in einer grausamen Rolle: Robert Stadlober spielt im Film Joseph Goebbels

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    Schauspieler Robert Stadlober zeigt sich privat gerne entspannt mit Hut, Gitarre und Rocker-Attitüde.
    Schauspieler Robert Stadlober zeigt sich privat gerne entspannt mit Hut, Gitarre und Rocker-Attitüde. Foto: Jens Kalaene, dpa

    Robert Stadlober zählt zu den wenigen, wahren Punks im Schauspiel. Sein Talent für Figuren mit Kante, für trotzige, verletzliche Außenseiter, das zeigte er schon als Teenie im Film „Crazy“ (2000). Die Rolle als Internatsschüler beförderte ihn zum Popstar der Generation Viva. Bald erfuhr die Welt: Stadlober ist tatsächlich ein Rocker, singt und spielt Gitarre in seiner Band „Gary“, vertont jetzt auch Gedichte des Poeten Stefan Heym. Und er zeigt bis heute seine Facetten im Film: Zuletzt als Polizist in „Andrea lässt sich scheiden“, oder als Franz Kafkas Freund in einer ARD-Kunstserie. Doch seine neuste Rolle fällt heraus aus dem Figurenkabinett: Als der Regisseur Joachim A. Lang ihn für diese Rolle anfragte - da musste Stadlober den Familienrat einberufen. Der Vater zweier Töchter erinnert sich: „Da habe ich erst mal geschluckt und mich mit meiner Frau beraten. Wir haben drei Tage überlegt.“ Dann nahm er das Angebot an. In „Führer und Verführer“ spielt Stadlober nun Joseph Goebbels. Den Reichspropagandaminister an Hitlers Seite, den Dirigenten des Hasses und der Nazi-Demagogie.

    Robert Stadlober spricht über seine Rolle als Goebbels

    In der Süddeutschen Zeitung erinnert sich Stadlober an den Dreh: Sein Kollege Fritz Karl und er zogen zum ersten Mal ihre Kostüme an. „Er als Hitler, ich als Goebbels. Da mussten wir tatsächlich lachen. Aber es war kein befreiendes Lachen, eher so ein verhaltenes, verängstigtes.“ Noch gruseliger: Am Dreh-Set baten ihn Passanten um Selfies - mit ihm als Darsteller im Nazi-Kostüm. Aber nicht mit Stadlober: „Ich habe die Uniform mit der Hakenkreuz-Binde immer so schnell wie möglich wieder ausgezogen.“ Schließlich will der Film die Propaganda sezieren, den selbst inszenierten Mythos der Nazis aufbrechen.

    Robert Stadlober wurde 1982 in Friesach geboren

    Geboren ist Robert Stadlober 1982 in Friesach, zwischen Alpen-Gipfeln, am Grat zwischen Kärnten und Steiermark. Der Vater Österreicher, die Mutter Berlinerin - mit den gemeinsamen Kindern zog sie aber bald zurück an die Spree. Robert besuchte dort die Waldorfschule. Entwickelte seinen Freigeist. Fand seinen politischen Trotz. Wie kann so ein Typ nun eine Nazi-Rolle ertragen? Stadlober schnappte sich nach Drehschluss ein Bier. Ging in den Park. Setzte Kopfhörer auf und hörte Punk. „Ich habe eine Zigarette geraucht und mir die jungen Leute um mich herum angeschaut, die ihren Sommerabend genossen haben. Genau das Gegenteil dessen, wofür Goebbels stand.“

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