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Landsberg

14.11.2019

13-Jähriges Mädchen im Landsberger Inselbad missbraucht

Im Umkleidebereich des Landsberger Inselbads hat es einen sexuellen Missbrauch gegeben. Weil er sich an einem 13 Jahre alten Mädchen vergangen hat, wurde ein 22-Jähriger jetzt verurteilt.
Foto: Julian Leitenstorfer (Archiv)

Plus Ein 22 Jahre alter Mann vergeht sich in Landsberg an einem Mädchen. Vorher hatten die beiden Kontakte über soziale Netzwerke. Der Fall kommt erst einige Wochen später ans Licht.

Weil er ein 13-jähriges Mädchen sexuell missbraucht hat, muss nach dem Urteil des Jugendschutzgerichts am Augsburger Amtsgericht ein heute 22-jähriger Angeklagter für eineinhalb Jahre ins Gefängnis. Zwar haben die Berührungen zwischen den beiden im Sommer vergangenen Jahres im Landsberger Inselbad teils auch mit dem Einverständnis des Mädchens stattgefunden, gleichwohl steht es als Kind unter 14 Jahren unter besonderem gesetzlichen Schutz.

Das erste Treffen fand im Inselbad statt

Der Angeklagte – ein gelernter Koch – und die Schülerin hatten laut Anklageschrift seit einiger Zeit Kontakt über soziale Medien gepflegt. Beide leben im Landkreis Landsberg. Bereits aus diesen Kontakten habe der Angeklagte über das Alter des Mädchens Bescheid gewusst. Dann, im Sommer 2018, kam es zu insgesamt drei persönlichen Begegnungen. Eine davon war jetzt Gegenstand der Verhandlung vor dem Augsburger Amtsgericht war. An jenem Tag habe der Angeklagte sich mit der in ihn verliebten Geschädigten im Landsberger Inselbad zu einem Treffen verabredet.

Ohne große Umstände habe der deutlich ältere Mann die 13-Jährige in eine Einzelumkleidekabine geschoben und sich mit ihr eingeschlossen. Dann habe er – bekleidet nur mit einer Badehose – begonnen, das Mädchen im Bikini unter anderem an Brust und Hüfte anzufassen und auf Hals und Mund zu küssen. Dagegen habe sich das Mädchen nicht gewehrt. Dann habe sich der Angeklagte die Hose heruntergezogen, hingesetzt und das Mädchen zu sich herabgezogen. Da sei es dem Mädchen unheimlich geworden und es sei aus der Kabine geflüchtet. Zu sexuellem Verkehr – so bestätigte es später eine Untersuchung beim Frauenarzt – sei es nicht gekommen.

Das Mädchen war sich anfangs gar nicht bewusst, was passiert war

Zunächst habe das Mädchen keine Auffälligkeiten angesichts dieser Vorkommnisse gezeigt und auch mit niemandem darüber gesprochen. Dann aber wurde im darauf folgenden Oktober in der Schule das Thema Pädophilie behandelt und die 13-Jährige begann, über die Vorkommnisse im Inselbad zu sprechen. Lehrer wurden misstrauisch, informierten die Eltern, es gab Gespräche und schließlich ging es zur Polizei. Die als Zeugin geladene Mutter bestätigte, dass ihre Tochter später und im Vorfeld der Gerichtsverhandlung mehr unter den Vorkommnissen zu leiden schien als unmittelbar nach dem Missbrauch. Sie habe nach Meinung der Mutter seinerzeit noch nicht alle Zusammenhänge des Geschlechtsverkehrs zwischen Mann und Frau gekannt.

Von Anfang an versuchten das Gericht und die Parteien auch in Form von zwei Rechtsgesprächen (ohne Verständigung) es dem Mädchen zu ersparen, in den Zeugenstand zu müssen. Weil auch der Angeklagte mitwirkte und die Tatvorwürfe gestand, konnte die heute bald 15-Jährige vor dem Sitzungssaal bleiben und ein Zusammentreffen mit dem Mann vermeiden.

Der Angeklagte hat einiges auf dem Kerbholz

Staatsanwalt Martin Neumann war der Erste, der das Geständnis des 22-Jährigen anerkannte. Er kam aber nicht umhin, sechs Vorstrafen des Angeklagten (unter anderem wegen Diebstahls, Einbruchs, Betäubungsmittelmissbrauchs, Waffenbesitzes) in sein Plädoyer einzubeziehen. Neumann forderte für den sexuellen Missbrauch eines Kindes eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten.

Rechtsanwalt Markus Becker schloss sich als Nebenklagevertreter der Schülerin der Forderung des Staatsanwalts an. Er wies auf die Schwere der Tat hin. Rechtsanwalt Jörg Seubert stellte klar, dass sexuelle Kontakte mit Kindern unstreitig strafbar seien, was sich sein Mandant vorwerfen lassen müsse. Weil aber der Angeklagte ein Geständnis ablegte und auch die Geschädigte die Kontakte im gewissen Rahmen gewollt habe und bei ihr anfangs keine Belastungsmomente zu erkennen gewesen seien, sah er eine Haftstrafe im Bereich von einem Jahr für angemessen an.

Der Mann sitzt bereits seit einiger Zeit in Haft

Richterin Ute Bernhard und ihre Schöffen sprachen schließlich für eine Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten aus. „Sie haben viel auf sich geladen und noch einen weiten Weg vor sich“, wandte sich die Richterin in ihrer Urteilsbegründung an den Angeklagten. Sie vermutete, dass Auswirkungen auf die Geschädigte bleiben werden. Und sie sah es als Aufgabe des Gerichts an, „unsere Kinder davor zu schützen, zu früh mit solchen Umständen konfrontiert zu werden“.

Man müsse verantwortungsbewusst mit anderen Menschen umgehen – vor allem mit Kindern –, so die Richterin hinsichtlich des Altersunterschieds. Der Dank der Richterin galt allen Beteiligten für ihr Augenmaß um das Wohl des Kindes. Schließlich habe dadurch das Verfahren erheblich verkürzt werden können, auf eine Reihe von weiteren Zeugen konnte verzichtet werden. Der Haftbefehl gegen den Angeklagten, der seit vergangenem November zunächst in Untersuchungshaft saß und seitdem Haft wegen einer anderen Sache absitzt, wurde aufrechterhalten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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