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Raisting

01.06.2016

250 Jahre Herz-Jesu-Bruderschaft

Alljährlich wird das Herz-Jesu-Fest in Raisting mit einer Prozession gefeiert. Heuer begeht die Herz-Jesu-Bruderschaft ihr 250-jähriges Bestehen.
Bild:  Petra Straub

In der Gemeinde wird das Jubiläum am 5. Juni mit Weihbischof Florian Wörner begangen. Aktuell hat die Bruderschaft 1500 Mitglieder.

„Wunderbare Fügung“ ist für Weihbischof Florian Wörner aus Augsburg die Tatsache, dass die Bruderschaft zum Allerheiligsten Herzen Jesu in Raisting, die am Sonntag, 5. Juni, 250-jähriges Bestehen feiert, auf das Heilige Jahr der Barmherzigkeit trifft. Wörner wird am 5. Juni in Raisting den Festgottesdienst in der Pfarrkirche St. Remigius zelebrieren. Um 19 Uhr ist ein Konzert für Trompete und Orgel in der Pfarrkirche

Gegründet wurde die Herz-Jesu-Bruderschaft in Raisting am 26. Juni 1766 von Pfarrer Stanislaus Kaiser. Er wandte sich an Herzog Clemens, den er während seiner Studienzeit in Ingolstadt kennengelernt hatte und bat ihn, die Schirmherrschaft zu übernehmen, was dieser auch tat.

Als Kaiser seine Stelle in Raisting antrat, war er mit dem christlichen Leben und Wirken der Raistinger nicht zufrieden und glaubte, die Situation mit der Gründung einer Herz-Jesu-Bruderschaft zu verbessern. Schließlich war dies in der nahen Umgebung auch geglückt. In Wessobrunn beispielsweise wurde 1710 eine Bruderschaft von der Unbefleckten Empfängnis gegründet, in Pähl gab es schon seit 1694 eine Scapulierbruderschaft vom Berge Karmel.

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Eine Genehmigungsurkunde durch Papst Clemens XIII. vom 26. Juni 1766 bestätigt, dass den Mitgliedern der Raistinger Herz-Jesu-Bruderschaft bestimmte Ablässe zuteilwurden, etwa „der Nachlass aller Sündenstrafen“, wenn sie unter anderem „die Armen beherbergten“, „Frieden ... stiften“ und „die Abgestorbenen zu Grabe begleiten“.

Am 12. September 1766 übernahm Clemens Franciscus, Herzog in Baiern und Vetter des Kurfürsten Max III. Josef, das Protektorat über die Erzbruderschaft. Aus diesem Grund zeigen die 18 Bruderschaftsstäbe, die Raistinger Bürger bei der Herz-Jesu-Prozession mittragen, auf einer Seite das bayerische Wappen und auf der anderen die Aufschrift „O Aller Herz liebt dieses Herz-Herzog Clementinische Erz Bruderschaft des Heiligsten Herz Jesu“.

Seit wann es diese Bruderschaftsstäbe gibt, ist nicht überliefert, auch nicht, wie man die Stabträger auswählte. Erstmals werden sie 1820 im Pfarrarchiv erwähnt – 18 an der Zahl, wie heute.

Auch heute noch sind sie bis auf zwei Ausnahmen den damaligen Familien zugeordnet. Bis 2013 wurden die Bruderschaftstäbe ausschließlich von Männern getragen seit 2014 können sie auch Frauen tragen. Ziel der Bruderschaft ist die gemeinsame Verehrung des Hochheiligsten Herzen Jesu. Die Mitglieder verpflichteten sich 1766 – und tun dies auch 250 Jahre später – dazu, mehr zu beten, häufiger die Heiligen Sakramente zu empfangen und zu mehr Frieden und Güte gegenüber den Mitmenschen.

Zur Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern gehörend, soll sich jedes der aktuell rund 1500 Mitglieder der Bruderschaft bemühen, Jesus Christus nachzufolgen und geistige und leibliche Werke der Barmherzigkeit ausüben, Frieden haben mit jedermann und allen Hass und alle Feindschaft gegen den Nächsten aus dem Herzen verbannen.

In Anlehnung an die Ordensgemeinschaften entstanden bereits im Mittelalter erste Bruderschaften. Sie verbreiteten sich durch die Jesuiten und Oratorianer im 16. Jahrhundert und erlebten Ende des 17. Jahrhunderts einen Höhepunkt, aber erst ab 1856 wurde die Herz-Jesu-Bruderschaft für die ganze Kirche verbindlich und 1899 in den höchsten Festrang erhoben.

Mit der staatlichen Einziehung und Nutzung kirchlicher Güter um 1800 änderte sich vieles in Bayern. Das Herz-Jesu-Fest wurde in Raisting nicht mehr gefeiert, war jedoch nicht vergessen. Mit der Aufhebung des Jesuitenverbots im Jahr 1814 kam es zu neuer Blüte.

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