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Landkreis Landsberg

28.07.2020

A 96: Wie die neuen Höhenkontrollen wirken

So sieht es an der Anschlussstelle in Inning aus, wenn ein zu hoher Lkw auf die A 96 fahren möchte und gestoppt wird.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Die wegen zu hoher Lkw oft blockierten Tunnel in Eching und Etterschlag sorgten für viel Ärger. Dann wurden neue Vorkontrollstellen und Abfahrtshinweise eingerichtet. Jetzt zieht die Autobahndirektion eine erste Bilanz.

Viel Kritik hat die Autobahndirektion Südbayern in den vergangenen Jahren wegen der Höhenkontrollen an den Tunneln in Eching und Etterschlag einstecken müssen. Wurden sie durch zu hohe Lkw ausgelöst, bildeten sich fast täglich lange Staus auf der A96, wenn die Tunnel blockiert wurden. Inzwischen hat sich die Situation verbessert. Die seit einem Jahr aktiven „Mobilen Vorhöhenkontrollstellen“ führten laut Direktion dazu, dass die durchschnittliche Zahl der Sperrungen auf drei bis vier im Monat zurückging. In den ersten Monaten nach den 2017 abgeschlossenen Tunnelsanierungen geschah dies noch mehr als 20-mal.

Diese Bilanz hat die Autobahndirektion jetzt in der Autobahnmeisterei in Inning gezogen. Die damaligen Tunnelausbauten waren erforderlich geworden, als nach schweren Unglücken im Montblanc-Tunnel und im Tauerntunnel 1999 die Sicherheitsvorschriften ab 2006 verschärft wurden, erläuterte der für den Betrieb zuständige Sachgebietsleiter bei der Dienststelle Kempten, Johann Dietrich. Unter anderem wurden die Einhausungen in Eching und Etterschlag mit Kameras, Beleuchtung, weiteren Anzeigen, Lautsprechern und Brandschutzdetektionseinrichtungen nachgerüstet, führte der Abteilungsleiter für Betrieb und Verkehr, Johann Schmid, aus. Das geschah unter der Tunneldecke, und damit verringerte sich das sogenannte Lichtraumprofil um etwa zehn Zentimeter von 4,50 auf 4,40 Meter.

Ein nicht ganz eingefahrener Kran und ein Auto über dem Führerhaus

Entsprechend häufig wurden von 2017 an nun die stationären Höhenkontrollen vor den Tunnelportalen ausgelöst und die dortigen Ampeln leuchteten rot – nicht nur für die Lkw, die zu hoch oder zu hoch beladen waren, sondern auch für alle anderen Fahrzeuge. Über 20-mal im Monat war dies anfangs der Fall, entsprechend verärgert waren viele Verkehrsteilnehmer. Johann Dietrich veranschaulichte die Höhenverstöße durch bisweilen abenteuerlich anmutende Fotos von Lkw mit einem nicht ganz eingefahrenen Kran, einem Containern, der über das Führerhaus hinaus ragte, oder einen Autotransporter, der einen Wagen auch auf das Führerhaus gestellt hatte. Die Zahl der Staus versuchte man zunächst dadurch zu vermindern, dass die Höhenkontrolle erst bei 4,40 Metern ausgelöst wurde. Das habe die Zahl der Tunnelblockaden wegen zu hoher Fahrzeuge schon mal halbiert, berichtete Dietrich.

Dann folgte 2018/19 ein Pilotprojekt: In Eigenregie baute die Autobahndirektion provisorische sogenannte „Mobile Vorhöhenkontrollstellen“ auf – und zwar so, dass die Fahrer von zu hohen Lkw noch rechtzeitig vor den Tunnelportalen die Autobahn verlassen können – also in Fahrtrichtung Lindau vor der Anschlussstelle Wörthsee und in Richtung München vor Greifenberg. An den Inninger Auffahrten wurden ebenfalls Höhenkontrollen installiert, verbunden mit Aufstell- und Kontrollflächen.

Ein Angebot an Fahrer und Speditionen

Das sei ein „Angebot“ an die Fahrer und Speditionen, sagte Johann Schmid vor Ort, als die Autobahnmeisterei Inning den Ablauf an diesen Höhenkontrollstellen demonstrierte. Zu hohe Fahrzeuge würden so auf die Parallelstraße geleitet und könnten die Tunnels umfahren. Wer sich an diese Anweisungen hält und die Autobahn verlässt, müsse wegen des Verstoßes gegen die Vier-Meter-Begrenzung nicht mit Sanktionen rechnen, betonte Schmid. Anders sieht es aus, wenn die Kontrollstellen und die Abfahrtshinweise ignoriert werden und erst die rote Ampel an den Tunnelportalen die Fahrt stoppt. Wer zu hoch geladen hat, muss dann 240 Euro bezahlen, löste ein flatternde Plane die Höhenkontrolle aus, werden 160 Euro fällig, so Johann Dietrich.

Kurz vor der Abfahrt Greifenberg werden Fahrer, die mit einem zu hohen Lkw unterwegs sind, zweimal mit Anzeigen aufgefordert, die Autobahn zu verlassen, um nicht den Tunnel in Eching zu blockieren.
Bild: Julian Leitenstorfer

Übersehen kann es ein Lkw-Fahrer somit eigentlich nicht, wenn sein Fahrzeug zu hoch ist: Zweimal weisen ihn Anzeigetafeln darauf hin, dann wird er noch zweimal vor den Ausfahrten in Greifenberg und Wörthsee darauf aufmerksam gemacht, die Umleitungsstrecke zu benutzen. Eine Verbesserung habe sich eingestellt, so das Fazit Dietrichs: Nur noch fünf- bis sechsmal im Monat würden die Tunnels blockiert. In einem solchen Fall wird dann zusätzlich geprüft, ob die linke Spur zumindest für den Autoverkehr freigegeben werden kann. In 32 Prozent der Fälle sei dies zuletzt möglich gewesen, so Dietrich. Dadurch habe sich die Zahl der länger dauernden Durchfahrtsverbote auf etwa vier im Monat reduziert.

Das Provisorium war ein Millionenprojekt

Allein in Südbayern gibt es 27 Tunnels und Einhausungen, die im Zuge der seit 2006 geltenden Nachrüstungspflichten ertüchtigt worden sind. Häufiger ausgelöste Höhenkontrollen sind also ein weitverbreitetes Problem. Alle Tunnels mit sogenannten Vorhöhenkontrollen auszurüsten, würde einiges kosten. Allein das Provisorium an der A96 habe rund zwei Millionen Euro gekostet, sagt der Leiter der Kemptener Dienststelle, Tobias Ehrmann. Und eine dauerhafte Vorhöhenkontrollstelle würde noch mehr kosten: „Da müssen sie schon noch eine Schaufel drauflegen.“ Das Pilotprojekt an derA96 sei auf rund fünf Jahre angelegt. Bewähre es sich durch eine „hohe Befolgungsquote“ der Lkw-Lenker, könnte es auch andernorts eingerichtet werden.

Mitarbeiter der Autobahndirektion Südbayern erläuterten, wie die neuen Höhenkontrollstellen vor den Tunneln in Eching und Etterschlag funktionieren (von links): Roland Klingler, Tobias Ehrmann (Chef der Dienststelle Kempten), Abteilungsleiter Betrieb in München, Johann Schmid, und der Sachgebietsleiter Betrieb und Verkehr in Kempten, Johann Dietrich.
Bild: Julian Leitenstorfer
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