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Rott

25.08.2019

Abschied in Rott: Vom Rathaussessel in den Wald

Quirin Krötz kandidiert nicht wieder als Bürgermeister in Rott. Für die Zeit danach hat er schon einige Ideen. Eine davon ist, seinen Fichtenwald mit Laubbäumen umzubauen, die den Klimawandel vertragen.
Bild: Julian Leitenstorfer Photographie

Quirin Krötz ist seit fast 18 Jahren Bürgermeister in Rott. Er kandidiert 2020 nicht wieder. Woran er sich gerne erinnert und womit er seine Zeit künftig verbringt.

Quirin Krötz bestimmte 36 Jahre die Geschicke Rotts mit: Zuerst sechs Jahre als Gemeinderat, dann zwölf Jahre als Zweiter Bürgermeister und zuletzt 18 Jahre als Erster Bürgermeister. Damit fügt er sich in die Reihe seiner Amtsvorgänger ein. „Meine Zeit im Ratsgremium hat bislang nur Altbürgermeister Ignaz Schiele mit insgesamt 40 Jahren übertroffen. Auch Altbürgermeister Thomas Hurnaus war lange im Amt, und zwar 34 Jahre als Erster Bürgermeister“, erinnert sich Krötz, der 2020 nicht erneut zur Wahl antritt. Er hält damit an seiner Entscheidung fest, die er, wie er sagt, schon zu Beginn dieser Wahlperiode getroffen hat.

Er will seine Lebensgeschichte aufschreiben

Langweilig wird es dem 63-Jährigen nach seiner Amtszeit nicht werden, das lassen die vielen Aktivitäten vermuten, die er im Gespräch mit dem LT aufzählt. „Ich werde für meine Familie und Nachkommen meine Lebensgeschichte aufschreiben und mehr Zeit mit der Familie und Freunden verbringen.“ Geplant sind zudem Reisen und auch das Fahrradfahren soll nicht zu kurz kommen.

„Außerdem möchte ich meinen Wald von Fichten zu einem Laubwald umwandeln – mit Baumarten, die den Klimawandel aushalten. Da wird eine Menge Pflegeaufwand auf mich und meine Familie zukommen, aber in der Hoffnung, gesund zu bleiben, nehme ich die Herausforderung gerne an.“ Grundsätzlich ist es Krötz wichtig, nicht immer nach einem Terminkalender planen und leben zu müssen. „Ich wünsche mir einfach mehr Zeit zur freien Verfügung. Jedenfalls ist mir nicht bange, in ein ’schwarzes Loch’ zu fallen.“

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Der Abschied fällt ihm schwer

Den Abschied vom höchsten Amt im Ort sieht er mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Wenn man etwas mit Leib und Seele gemacht hat, fällt einem der Abschied schon schwer. Grundsätzlich ist es aber so, dass das Bürgermeisteramt ein Amt auf Zeit ist, mit einem Anfang und einem Dienstende. Und dessen Zeitpunkt wollte ich selber bestimmen“, so Krötz.

Am meisten vermissen werde er die „gute Zusammenarbeit“ mit den Gemeinderäten sowie den Mitarbeitern von Bauhof und Klärwerk, aber auch das kollegiale und freundschaftliche Miteinander der Bürgermeister und der Landräte im dienstlichen Alltag. Ganz aus dem politischen Leben will Krötz 2020 aber nicht ausscheiden. Seit 2014 gehört er dem Kreistag an und will für die Wahlperiode 2020 bis 2026 wieder kandidieren.

Bei der Kläranlage hat er einen Coup gelandet

Krötz kann auf viele große Projekte zurückblicken. Besonders im Gedächtnis geblieben ist ihm zum Beispiel der „Coup“, den er bei der Finanzierung der neuen Kläranlage gelandet hatte. „Als einzige Fördermöglichkeit für die Finanzierung der neuen, drei Millionen teuren Kläranlage kam eine Bewerbung um den Abwasserinnovationspreis 2012 infrage. Und tatsächlich hat Rott Platz eins belegt, das Preisgeld betrug 1,2 Millionen Euro“, freut sich Krötz noch heute.

Einer der emotionalsten Momente als Bürgermeister war die Beerdigung von Bischof Rudolf Koppmann in der Klosterkirche der Hünfelder Oblaten, erinnert sich der Rathauschef: „Ich durfte in der vollen Kirche den Nachruf sprechen.“ Eine lustige Erinnerung hat Krötz an eine Trauung. „15 Minuten vorher geht plötzlich meine Tür im Rathaus auf, die Taufpatin eines Ehepartners, eine ältere Dame, kommt herein und sagt zu mir: ,Jetzt ist der Saubua Bürgermeister geworden!’ Sie kannte mich noch als Kind, und da war ich ein rechter Lausbub.“

Standort der Mittelschule für lange Zeit gesichert

Sehr wichtig waren aus Sicht von Krötz auch unter anderem die Verbesserung der Wasserversorgung, die energetische Sanierung der Schule und der Zusammenschluss mit Fuchstal zum gemeinsamen Schulverband. Dadurch sei der Mittelschulstandort im südlichen Landkreis für lange Zeit gesichert worden. Auch sei mit dem Edeka-Markt am Ortsrand die Lebensmittelversorgung der Rotter gesichert.

Während seiner Amtszeit will Krötz noch den Bau der Fotovoltaikanlage auf der alten Aushubdeponie abschließen. Großprojekte, bei denen er noch den Baubeginn als Bürgermeister erleben möchte, sind der Neubau des Ärztehauses in der Dorfmitte mit der Unterbringung der Schützen im Untergeschoss sowie der Umbau des alten Schulhauses zu einer Sparkassenfiliale und die Erweiterung der Apotheke.

Für seinen Nachfolger bleibe aber auch noch einiges zu tun, sagt er. Quirin Krötz verweist auf die Fertigstellung des Ärztehauses, die Errichtung einer Fotovoltaikanlage im Klärwerk und den Neubau der Aussegnungshalle mitsamt Friedhofserweiterung und Parkplätzen. Entscheidungen stünden zudem bei einer Erweiterung des Kindergartens und der Mensa im Schulgebäude an.

Wunsch an die „große“ Politik

An die „große“ Politik hat er am Ende seiner Amtszeit noch eine Bitte: dass den Kommunen mehr Gehör geschenkt wird. Denn diese seien es, die mit den Bürgern in Kontakt stünden. „Aber ab einer bestimmten politischen Ebene, so hat man den Eindruck, weiß man nicht mehr, was Kommunen sind“, so der Rotter Rathauschef.

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