Newsticker

Bayerns Ministerpräsident Söder will Corona-Regeln in Kommunen an Grenzwerte koppeln
  1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Acht Frauen, acht Abgründe

20.06.2009

Acht Frauen, acht Abgründe

St. Ottilien (nowi) - Das Theaterprojekt der Jahrgangsstufe 11 des Rhabanus-Maurus-Gymnasiums St. Ottilien interpretiert den erfolgreichen Klassiker von Robert Thomas auf sehenswerte Weise.

Die Geschichte des von Robert Thomas in den sechziger Jahren geschriebenen Stückes ist schnell erzählt. Zu Lebzeiten hatte Thomas großen Erfolg und Alfred Hitchcock sicherte sich die Filmrechte an seinen Stücken. Leider starb Hitchcock, bevor er diese Arbeit in Angriff nehmen konnte. 2002 erschien das Stück doch noch auf der Leinwand, als Krimi-Musical-Farce in 50er-Jahre-Optik unter der Regie von François Ozon.

Die Handlung entspricht einer oft verwendeten Konstruktion: Eine Ansammlung von Menschen findet sich durch äußere Umstände isoliert mit einer Leiche konfrontiert und ein munteres Detektivspiel beginnt. Wie der Titel bereits verrät, handelt es sich in dem Stück um acht Frauen. Die Leiche ist der einzige Mann im Haus. Sein gewaltsamer Tod führt zu Verdächtigungen und Offenbarungen unter den sechs Verwandten und zwei Bediensteten des Hauses. Zuletzt stellt sich heraus, dass alles eine Inszenierung der jüngsten Tochter war. Aber ein Happy-End wird daraus nicht. Zäumt man das Stück von der anderen Seite auf, bleibt das Fazit: "Der Lauscher an der Wand hört seine eigene Schand". Denn hinter seiner verschlossenen Zimmertüre sehr lebendig die Geschehnisse im Haus verfolgend erfährt der Hausherr mehr, als er ertragen kann. Seine Frau betrügt ihn mit seinem Geschäftspartner, der mittlerweile mit dem Geld über alle Berge ist. Die Schwiegermutter ist nicht an den Rollstuhl gefesselt und zudem noch geldgierig, raffsüchtig und Alkoholikerin. Die Schwägerin - eine verhärmte, alternde Jungfer - heimlich in ihn verliebt, seine ältere Tochter unehelich schwanger und seine Schwester hat ein Verhältnis mit der lesbischen Köchin. Zu allem Überfluss gesteht das Zimmermädchen auch noch ihre langjährige sexuelle Beziehung zum Hausherren. Das reicht aus um ihn zuletzt in den Freitod zu treiben. Die Theatergruppe des Rhabanus-Maurus-Gymnasiums zeigte sich spielfreudig und meistens textsicher. Durchweg alle Charaktere bedienten sich einer auffallend deutlichen Artikulation. Schön, wie die Regie mittels farbliche Akzente setzender Kleider und regem Ausnutzen des Bühnenraumes einen bunten Reigen von Aktion und Interaktion entfaltet. Die schauspielerischen Leistungen der Schülerinnen und eines Schülers sind insgesamt lobenswert. Franziska Meixner als Ehefrau wirkte durchweg souverän und kühl, Luise Merz als Schwägerin übertrieb es zeitweilig ein wenig mit der gespielten Nervosität, Michael Kraus hatte als Schwiegermutter zwar nicht viel Text, dafür verstand er sich aber mit Bühnenpräsenz witzig in Szene zu setzen. Insgesamt ein vergnüglicher Theaterabend, der sicherlich mehr Zuschauer verdient hätte.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren