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Landsberg

26.05.2015

Aktenzeichen "Unbekannte Büsten": Rätsel um drei aufgetauchte Köpfe

Die drei unbekannten Büsten, die in der ehemaligen Lagerhalle des Steinmetzbetriebs Sepp an der Brudergasse gefunden wurden, lagern derzeit im Depot des Neuen Stadtmuseums.
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Die drei unbekannten Büsten, die in der ehemaligen Lagerhalle des Steinmetzbetriebs Sepp an der Brudergasse gefunden wurden, lagern derzeit im Depot des Neuen Stadtmuseums.
Bild: Thorsten Jordan

Beim Entkernen einer früheren Lagerhalle in der Landsberger Innenstadt wurden in der Brudergasse drei Köpfe aus Gips gefunden. Wen sie darstellen, weiß niemand.

Die aus Tuffquadern und Ziegeln gebaute Lagerhalle kennt jeder, der von der Tiefgarage in der Lechstraße über die Brudergasse in den Vorderanger geht. Markant sind die ins Mauerwerk eingelassenen Grabsteine. Doch die Lagerhalle ist entkernt und wird wohl bald abgebrochen. Haus und Grundstück des ehemaligen Steinmetzbetriebes Sepp wurden im Jahr 2013 verkauft. Von den Steinmetzarbeiten und Modellen der Steinbildhauer, die in der Lagerhalle gelagert wurden, wanderten einige in Museen. Auch drei Köpfe aus einem Gipsgemisch, die junge Männer darstellen und derzeit im Depot des Neuen Stadtmuseums eingelagert sind. Um wen es sich dabei handelt und wer sie gefertigt hat, ist gänzlich unbekannt.

Arthur Sepp ist eines von fünf Kindern aus der Landsberger Steinmetzfamilie Sepp. Die Erbengemeinschaft hat Haus und Grund verkauft. Der neue Eigentümer plant das Wohn- und Geschäftshaus im Vorderanger 213 zu sanieren und zu erweitern sowie eine Wohnanlage mit Mehrfamilienhaus und Gastronomie in der Brudergasse neu zu bauen. Der Bauausschuss des Stadtrats hatte diesem Vorhaben vor fast einem Jahr zugestimmt. Seither ist aber noch nichts passiert.

Die drei Köpfe aus Gips sind überlebensgroß

Von der Lagerhalle, die einst als Ateliergebäude geplant war, steht nur noch ein Gerippe. Die vergangenen 50 Jahre diente es als Lager, wie Arthur Sepp sagt. Der Bibliothekar im Ruhestand lebt in Germering. Das Haus im Vorderanger, in dem sich die ehemalige Seilerei Daschner befand, war Arthur Sepps Zweitwohnsitz. Sein Bruder führte bis vor zehn Jahren den Steinmetzbetrieb weiter. Er firmiert immer noch unter dem traditionsreichen Namen Sepp, auch wenn das Unternehmen im Gewerbegebiet längst in anderen Händen ist. Im Jahr 1985 war der Betrieb dorthin umgezogen, weil es in der Brudergasse zu eng wurde, wie Arthur Sepp sagt.

Wenn er über die Lagerhalle spricht, dann fällt auch der Begriff des Dornröschenschlafs, in dem sich das mit Efeu bewachsene Gebäude lange Jahre befunden habe. Dort versteckt blieben auch die drei Köpfe, die nach Meinung von Arthur Sepp aus einem Gipsgemisch hergestellt wurde. Sie sind überlebensgroß. Dazu fand sich bei den Aufräumarbeiten auch noch ein faustgroßer Kopf. Dargestellt sind augenscheinlich junge Männer. Arthur Sepp geht davon aus, dass sie in den 1930er-Jahren in die Lagerhalle gelangten. Dass sie aus der Hand seines Großvaters oder Vaters stammen glaubt er nicht: „Keiner von beiden hat nach lebendem Modell gearbeitet.“ Vielmehr hätten sie als Vorlage für eine spätere Ausfertigung in Naturstein gedient. Egal, ob die Büsten Sportler, Politiker, Soldaten oder Parteimitglieder zeigen, sie blieben Modelle. Gut möglich, so Arthur Sepp, dass ein Künstler die Köpfe gefertigt habe. Schließlich habe sein Großvater immer wieder Fremde in seinem Atelier arbeiten lassen. In der Lagerhalle fanden sich aber auch weitere „Aufträge“ für den Steinmetzbetrieb. So kamen Vorlagen für das Portal der städtischen Musikschule ebenso zum Vorschein wie das Portal des heutigen Vermessungsamts. Nach diesen Modellen fertigten die Mitarbeiter des Betriebes das Endprodukt.

Ein Steinmetzbetrieb findet sich seit 1871 auf dem Anwesen. Seinerzeit erwarb der Steinmetzmeister Xaver Stadler das Haus im Vorderanger 213 und errichtete auf dem rückwärtigen Grundstück seine Werkstatt. Dazu hatte er im gleichen Jahr große Teile des ehemaligen Friedhofs erworben, der hinter der Johanniskirche lag. Heute zeugen ein paar Kreuze noch davon. Im Jahr 1899 kam das Anwesen, das sich bis zur Brudergasse erstreckte, an den Steinmetzmeister Franz Xaver Sepp (*1856, †1940). Er erweitere das Werkstattgebäude, wie in Band 3 der „Kunstdenkmäler in Bayern: Landsberg am Lech“ zu lesen ist. Sein Sohn Franz Xaver Sepp (*1899, †1982) baute die Werkstatt im Jahr 1946 weiter aus.

Wie Arthur Sepp sagt, sollte die Lagerhalle einst als Atelier dienen. Der Flachsatteldachbau wurde aber mehr und mehr als Lager genutzt. In die Mauern aus Tuffquadern und Ziegeln wurden ältere Grabsteine eingelassen, die von Franz Xaver Sepp, Vater und Sohn, über die Jahre gesammelt worden waren. Was mit ihnen passiert, hängt laut Arthur Sepp vom neuen Eigentümer des Grundstücks ab. Und wie geht es mit den drei Büsten weiter, die im Depot des Stadtmuseums eine vorübergehende Heimat gefunden haben? Arthur Sepp erhofft sich Hinweise über die Veröffentlichung in unserer Zeitung zu erhalten. Bislang habe ihm niemand sagen können, wen die Büsten darstellen.

Hinweise Wer etwas über die Herkunft der Büsten sagen kann, darf sich gerne mit dem Landsberger Tagblatt in Verbindung setzen. Per Telefon unter 08191/326-214 (Redakteur Thomas Wunder) oder per E-Mail an redaktion@landsberger-tagblatt.de

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