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St. Ottilien

13.07.2016

Als Schüler noch „Zöglinge“ hießen

Ein Foto aus dem Jahr 1908, aus der Zeit, als die Schüler in St. Ottilien noch „Zöglinge“ genannt wurden.
Bild: Archiv Erzabtei St. Ottilien

Mit einer kleinen Missionsschule hat vor 125 Jahren beim Rhabanus-Maurus-Gymnasium alles begonnen. Internat schließt bald

Mit einer kleinen Missionsschule hat vor 125 Jahren alles begonnen. Damals hießen die Schüler noch „Zöglinge“. Eine Stunde Hand- und Feldarbeit war neben Studium und Gottesdienst ein fester Bestandteil des Stundenplans in St. Ottilien. Das und vieles mehr sollte sich in den nachfolgenden Jahrzehnten ändern. Aus der Missionsschule wurde das Rhabanus-Maurus-Gymnasium und etablierte sich als sprachliches Gymnasium mit humanistischem und neusprachlichem Zweig. Nach 125 Jahren – und kurz vor der Schließung des Internats zum Ende des Schuljahres – blickte man im Klosterdorf im Rahmen eines „Familienfestes“ zurück auf die Geschichte der Bildungseinrichtung, die fast gleichzeitig mit der Geschichte des Klosters beginnt.

Zum Jubiläum haben Schüler und Schülerinnen die Historie zusammengetragen. So erfährt man in ihrer „Zeitreise“, dass sich 1884 unter der Leitung von Pater Andreas Amrhein eine erste Form des Unterrichts in der Benediktiner-Abtei entwickelte. Aufgenommen wurden Buben, die Priester werden wollten. Die Ausbildung des Klosternachwuchses stellte für Amrhein das Fundament für Gebet und Arbeit dar, wie Stefanie Merlin, Pressesprecherin der Erzabtei, ergänzt: „Ein eng getakteter Tagesablauf hatte zum Ziel, dass etwas Besonderes aus den Zöglingen werde.“

Anfangs hatte die Abtei ihren Sitz in Reichenbach. Erst 1887 zog die Missionsgenossenschaft samt 17 Zöglingen in das Emminger Schloss. Aus Emmingen wurde St. Ottilien – dank der als Wallfahrtsort beliebten Ottilienkapelle. Und auch der Unterricht entwickelte sich weiter. 1897 legten die ersten beiden Schüler ihr Abitur ab und 1902 wurde der Missionsschule – auf deren Stundenplan auch die Berichte der heimkehrenden Missionsmönche aus Afrika und Asien stand – die staatliche Genehmigung für eine höhere Lehranstalt erteilt. Mit dem Wegzug der Benediktinierinnen aus St. Ottilien konnte die Schule auch räumlich wachsen – Tagesheim und Internat befinden sich in dem Klosterbau, den einst die Schwestern bewohnten. Ende der 1920er-Jahre besuchten rund 500 Schüler die Bildungseinrichtung. Dann aber wurde der Schulbetrieb durch den Zweiten Weltkrieg jäh unterbrochen. Das NS-Regime, so berichtet Merlin, bereitete der Missionsschule, die viele Jahre lang eine reine Internatsschule gewesen war, ein Ende. Im März 1941 wurde die Erzabtei St. Ottilien enteignet. In den Seminarräumen entsteht ein Kriegslazarett.

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1945 startete die Schule ganz neu – als privates humanistisches Gymnasium mit Missionsseminar. Die Einrichtung etablierte sich wieder und die Teilnahme der Schüler am religiösen Leben war ganz verständlich: Bis Ende der 50er-Jahre traten die Abiturienten sogar beinahe vollständig ins Kloster ein. Dann aber, in den 1960er-Jahren wurde der Protest laut, zu sehr in die religiöse Richtung gedrängt zu werden, berichten die Schüler in ihrem Rückblick. Die folgenden Jahre waren mit großem Wandel verbunden: 1966 erhielt die Schule den Namen „Rhabanus-Maurus-Gymnasium“, ab 1973 wurden erstmals Mädchen aufgenommen und das Tagesheim für die Nachmittagsbetreuung entstand. Seit Ende der 1970er-Jahre werden neben den „Internatlern“ auch „Externe“ zugelassen – und nicht mehr nur katholische, sondern auch protestantische Schüler. Seit 1977 ist das Schulwerk der Diözese Augsburg Träger des Gymnasiums – das Tagesheim steht bis heute unter der Leitung des Klosters.

Von Höhen und Tiefen berichten die Schüler in ihrer „Zeitreise“. Vom Zusammenwachsen einer besonderen Schulgemeinschaft, vom Entstehen des Lieblingsprojekts „Circus St. Ottilien“, aber auch von finanziellen Sorgen und „Kompromissen zwischen traditioneller Überschaubarkeit und missionarischer Offenheit“. Im Jahr 2010 musste sich auch die Erzabtei St. Ottilien im Zuge der deutschlandweiten Aufklärung von Missbrauchsfällen in Internaten mit einem anonymen Hinweis beschäftigen.

Nach der Einführung des achtstufigen Gymnasiums standen weitere Veränderungen in der Schule an: So wurde beispielsweise Chinesisch als weitere Fremdsprache eingeführt. Momentan besuchen 719 Schüler das Rhabanus-Maurus-Gymnasium. Und im September schließt die Erzabtei das Internat, das seit den Anfangszeiten des Klosters besteht. Grund dafür ist, wie berichtet, die stark zurückgegangene Zahl der Internatsschüler.

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