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Windach

23.02.2021

Als vor 75 Jahren die Vertriebenen nach Windach kamen

Hildegard Grötzner (verheiratete Haftner, rechts zusammen mit ihrer Schwester Maria) erzählt in einer neuen Veröffentlichung des Widnacher Archivs von der Vertreibung aus dem Sudetenland.
Bild: Veteranen- und Kameradenverein Windach

Plus Die Windacher Heimatforscher machen sich auf die Suche nach den Sudetendeutschen. Unter anderem erzählt Hildegard Grötzner erzählt vom Schicksal ihrer Familie.

„Ihnen gehört nichts mehr!“ und „Innerhalb von zwei Stunden müssen Sie reisefertig sein. Sie dürfen 50 Kilogramm Gepäck mitnehmen.“ Diese beide Aussagen tschechischer Partisanen haben sich für immer in das Gedächtnis von Hildegard Grötzner aus Wildschütz im Sudetenland eingegraben. In der neuesten Ausgabe der "Schriften aus dem Archiv der Verwaltungsgemeinschaft Windach" erzählt die Zeitzeugin von den damaligen Geschehnissen, die sie schließlich nach Windach führten.

Der erste Satz stammt vom 16. November 1945, als der Familie Grötzner auf ihrem Hof eine tschechische Verwalterfamilie vorgesetzt und sie von einer auf die andere Minute enteignet wurde. Der zweite Satz stammt vom 7. Februar 1946, als die Familie zwangsweise ihren Hof, der sich seit 1752 in Familienbesitz befand, für immer verlassen musste.

46 Nachfahren von Wildschützern leben noch in Windach

Das detailliert beschriebene Schicksal der Vertreibung vor 75 Jahren von Hildegard Grötzner nahmen Gerhard Heininger und Manfred Stagl vom Veteranen- und Kameradenverein Windach-Hechenwang zum Anlass, um weitere Zeitzeugenberichte von Windacher Bürgern zur Vertreibung aus Böhmen, Mähren und dem einstigen österreichischen Teil von Schlesien zusammenzutragen.

In einer weiteren Ausgabe (Nummer 15) der „Schriften aus dem Archiv der Verwaltungsgemeinschaft Windach“ finden sich nun die ganz persönlichen und individuellen Schicksalsberichte von Windacher Bürgern, die die Vertreibung teils als Kind noch selbst miterlebten. Die Namen von 192 Heimatvertriebenen, die nach ihrer Deportation schließlich nach Windach, Hechenwang und Schöffelding kamen, konnten jetzt vom Veteranenverein ausfindig gemacht werden. Die genaue Zahl, wie viele Heimatvertriebene es insgesamt waren, ist nicht bekannt, dürfte aber bei etwa 250 bis 300 Personen liegen. Viele von ihnen zogen wieder aus der Gemeinde fort, andere haben jedoch in der Gemeinde Windach eine neue Heimat gefunden. Allein aus dem bereits genannten Dorf Wildschütz (tschechisch Vlèice) aus dem Kreis Freiwaldau (tschechisch Jeseník) in Schlesien leben heute noch 46 Nachfahren in Windach.

Unrecht sei mit Unrecht beglichen worden

Dem Veteranen- und Kameradenverein Windach-Hechenwang ist dabei bewusst, dass es sich um keine ausgewogene Darstellung deutsch-tschechischer Geschichte handelt, heißt es in einer Mitteilung. Der entgegen dem Münchener Abkommen von 1938 von Hitlerdeutschland vollzogene Überfall auf die damalige Tschechoslowakei, die Taten unter der Führung des Reichsprotektors von Böhmen und Mähren, Reinhard Heydrich, und die Massaker, die nach dessen Ermordung an der tschechischen Bevölkerung begangen wurden, sind nicht Gegenstand des Heftes, auch wenn sie mit ursächlich für die Vertreibung und für die Umsetzung der Benes-Dekrete nach 1945 waren und damit Unrecht mit Unrecht beglichen wurde, wie es in einer Mitteilung der Heimatforscher heißt.

Wie sehr den Vertriebenen ihre sudetendeutsche Heimat fehlte, zeigt sich daran, dass die kleine, bei den Sudetendeutschen aber sehr beliebte Wallfahrtskapelle Heidebrünnel im Altvatergebirge, die im Mai 1946 abgebrannt war, gleich mehrfach wieder originalgetreu aufgebaut wurde: in Forchheim und in Kaisheim. Das jetzt erschienene Heft „75 Jahre Vertreibung aus der sudetendeutschen Heimat“ liegt im Bürgerbüro der Gemeinde Windach zur Mitnahme auf. (lt)

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