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St. Ottilien

11.06.2019

Alt-Bischof Dammertz: Ein Leben voll Würde und Warmherzigkeit

Mit Erzabt Wolfgang Öxler (links) und Generalvikar Harald Heinrich (rechts) feierte Viktor Josef Dammertz das Abendmahl.
Bild: Julian Leitenstorfer

Alt-Bischof Viktor Josef Dammertz feiert in der Klosterkirche St. Ottilien seinen 90.Geburtstag. Im Rollstuhl eröffnet er selbst den Festakt. Hochrangige Kirchenvertreter und andere Gäste erleben eine bewegende Geste.

In der Erzabtei St. Ottilien stand der Pfingstsamstag in diesem Jahr ganz im Zeichen des Ehrentages für Dr. Viktor Josef Dammertz, früherer Bischof von Augsburg, vierter Erzabt von St. Ottilien und sechster Abtprimas der Benediktiner weltweit. Dammertz wurde an diesem Tag 90 Jahre alt, und dieses Ereignis wurde mit einem Festgottesdienst in der großen Klosterkirche gefeiert. Schon im Vorfeld hatte sich nämlich abgezeichnet, dass die Ottilienkapelle, die der Jubilar eigentlich dafür ausgewählt hatte, zu klein für die Menge an Festgästen sein könnte – und so war es dann auch gekommen.


Die Stimme ist brüchig, doch die Worte sind eindringlich

Nahezu regungslos saß Dammertz links im Altarraum in seinem Rollstuhl vor einem Mikrofon, geduldig, wie es immer seine Art war und ist, auf den Beginn des Gottesdienstes wartend. 50 Geistliche zogen durch den Nebeneingang der Kirche ein und füllten den Altarraum in zwei Reihen. „Im Namen des Vaters…“, mit diesen Worten des gefeierten Jubilars, zwar mit brüchiger Stimme und doch eindringlich gesprochen, begann der eigentliche Festakt.

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Erzabt Wolfgang Öxler begrüßte die vielen Gäste, unter ihnen wie angekündigt der ebenfalls 90-jährige emeritierte Erzbischof von München und Freising, Friedrich Kardinal Wetter. Des Weiteren waren Anton Losinger, Weihbischof und Dompropst im Bistum Augsburg, Generalvikar Harald Heinrich, Abt Notker Wolf, Mönche der Benediktinerabtei St. Stephan in Augsburg, Priorin Ingeborg sowie Eresings Bürgermeister Josef Loy gekommen.

Dammertz gestaltet den Gottesdienst aktiv mit

Immer wieder gestaltete der emeritierte Augsburger Bischof Viktor Josef Dammertz den Gottesdienst aktiv mit, Lesungen und Passagen des Evangeliums hatte er im Vorfeld selbst ausgewählt. So erschien gleich das erste Lied wie das musikalische Abbild des Geburtstagskindes, das seit 65 Jahren der Ordensgemeinschaft der Missionsbenediktiner angehört: „Herr, ich bin dein Eigentum, mir zum Heil und dir zum Ruhm (…) Väterlich führst du mich auf des Lebens Wegen meinem Ziel entgegen.“

Verbindlichkeit und das Dranbleiben an Jesus Christus seien das Lebensgeheimnis, sagte Generalvikar Harald Heinrich in seiner Predigt. Keiner in Schaephuysen – in diesem Ort am Niederrhein wurde Viktor Josef Dammertz am 8. Juni 1929 geboren – hätte wohl je daran gedacht, dass dieser junge Mensch diesen Lebensweg gehen würde, so Heinrich. „Und doch hat er dort in Familie und Dorf das ,Ja’ zum Leben geübt.“

Lesen Sie dazu auch: Alt-Bischof Viktor Josef Dammertz wird 90 Jahre und feiert das in St. Ottilien

Wo immer er aber auch später gebraucht wurde, ob als Kirchenrechtler, als Erzabt oder Abtprimus, sei er dem Ruf gefolgt, „stets angewiesen auf die Gabe, sich verstehend und vorausdenkend in den Dienst der Vielen zu stellen“. Da habe es zum Beispiel plötzlich einen Bischof in Augsburg gebraucht, in einer Zeit, in der andere schon an den Ruhestand denken. Auch diesen Ruf habe der heute 90-Jährige angenommen. Viele „Ja“ habe er sich abgetrotzt und abgerungen. „Davon zehren viele und einige von ihnen sind heute hier“, so Heinrich, der das uneigennützige und oft auch so heitere Dienen des Jubilars hervorhob. „Ja“ sage er nun auch zu den Lasten des Alters und sei damit ein beeindruckendes Vorbild, nicht nur für Senioren.

Zum Abendmahl erhebt er sich aus seinem Rollstuhl

Zum Abendmahl erhob sich Viktor Josef Dammertz aus seinem Rollstuhl und feierte zusammen mit Generalvikar Harald Heinrich und Erzabt Wolfgang Öxler. Tief berührten die Gemeinde seine letzten Worte im Gottesdienst: „Gehet hin in Frieden“, sagte Dammertz voller Würde und Warmherzigkeit. Noch einmal hatte er sich, angetan mit Bischofsmütze und -Stab aus dem Rollstuhl erhoben. Nur zögerlich verließen die Gäste das Gotteshaus, schienen die gemeinsame Zeit mit Viktor Josef Dammertz möglichst lange festhalten zu wollen.

Und so wurde die Festgemeinde abschließend auch noch Zeuge einer bewegenden Geste. Der ebenfalls hochbetagte Friedrich Kardinal Wetter wurde zu Viktor Josef Dammertz geführt, den er herzlich umarmte und seine Hand schüttelte. Friedrich Wetter hatte Dammertz 1993 zum Bischof geweiht. Im hohen Alter trafen diese beiden hochrangigen Kirchenmänner also nun im Kloster St. Ottilien noch einmal aufeinander.

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11.06.2019

Es war eine sehr beeindruckende und würdige Feier. Dank auch dem Domkapitel von Augsburg für die zahlreiche Teilnahme.

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