1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Alte Muster, neuer Schnitt

"Die Rockmacherin"

18.09.2014

Alte Muster, neuer Schnitt

Copy%20of%20leit726357.tif
3 Bilder
Die Schondorferin Caroline Lauenstein fertigt moderne Trachtenröcke und nennt vermarktet ihre Kreationen unter dem Namen „Die Rockmacherin“
Bild: Julian Leitenstorfer

Caroline Lauenstein aus Schondorf entwirft moderne Trachtenröcke

Wiesnzeit ist Trachtenzeit und einmal im Jahr schmeißen sich viele in München in Dirndl und Lederhosen mögen sie nun Sepp und Maria heißen oder Dirk und Meike. Trugen früher nur echte Traditionalisten dieses Gwand, zählt es heute zur „Maskera“ auf der Theresienwiesen. Aber es gibt auch einen anderen Trend, Tracht zu modifizieren und in angemessener Weise dem heutigen Alltag anzupassen. Diesen Weg geht „die Rockmacherin“, LT-Redakteurin Stephanie Millonig war zu Besuch:

Kleine Röschen, Tupfen, Streublümchen oder Karos bilden ein buntes Durcheinander von Mustern, die Schnitte sind nahezugleich: Nur in der Länge und dem Stoffmix unterscheiden sich die Röcke, die Caroline Lauenstein entwirft. Die Schondorferin nennt sich „die Rockmacherin“ und verkauft ihre Modelle seit heuer in einigen Boutiquen. Geboren ist die gelernte Maskenbildnerin in Hamburg, was in ihrer Sprache anklingt. Doch nicht die Begegnung mit ihrem aus München stammenden Mann sorgte für die Nähe zu Dirndl und Tracht, sondern die eigene Verwandtschaft. „Meine Großeltern haben in Tirol gelebt und ich bekam mit acht Jahren dort mein erstes Dirndl.“ Außerdem habe sie als Schülerin ein Jahr in Schliersee gelebt.

Caroline Lauenstein schneiderte immer schon gern, entwarf für sich Modelle. Rat zu diffizilen Ausführungen holte sie sich von der befreundeten Gewandmeisterin am Theater. In Hamburg lernte sie ihren Mann kennen, vor 15 Jahren zog das Paar, das drei Kinder hat, an den Ammersee. Klar war für Caroline Lauenstein, „dass ein Dirndl her muss“. Und von der Schwiegermutter gab es das Geschenk, sich ein Dirndl schneidern zu lassen. „Ich konnte mich damals kaum entscheiden angesichts der Vielfalt an Farben, Mustern und Kombinationsmöglichkeiten.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Freilich ist die Krux an so einem Dirndl, dass es nur wenige Anlässe gibt, es zu tragen und es außerdem unbequem ist. „Ich wollte eine Tracht, die alltagstauglich ist.“ Bunte Trachtenröcke ohne das einengende Dirndl-Oberteil gibt es laut Lauenstein jedoch seltener und außerdem trage der üppige Faltenwurf auf. So kreierte sie einen modifizierten Trachtenrock, dessen Faltenwurf erst etwas tiefer ansetzt, unterhalb einer breiten Bund-Passe. Drei Längen gibt es: knieumspielend, knapp unterm Knie endend und wadenlang. Die Modelle wirken durch den Schnitt und den Stoffmix von Passe, Rock und Saum. Mit einer Trachtenjacke kombiniert, sei dies eine richtige Tracht und mit T-Shirt wirke der Rock lässiger, so Lauenstein. Oder er lasse sich mit Stiefeln und Pullover tragen.

Caroline Lauenstein wurde immer wieder auf ihre Röcke angesprochen, begann für Freundinnen zu nähen und auch vereinzelt zu verkaufen. Ein großes Repertoire an Material hatte sie daheim: „Immer wenn ich einen schönen Stoff sah, habe ich ihn gekauft.“ Und es wurden auch alte Dirndl vom Flohmarkt verwendet. 2013 bewarb sie sich auf dem Textilmarkt in Benediktbeuern. „Die Besitzerin eines Trachtengeschäfts fragte mich dort, ob ich eine Kollektion entwerfen könne.“ Und Lauenstein sagte ja, nichtahnend, welches Arbeit auf sie zukommen würde. 80 Röcke war diese erste Bestellung, die heuer im Februar in den Laden kam und auch schnell verkauft war, wie die Rockmacherin erzählt. Mittlerweile hat sie zwei Trachtenmessen besucht und neue Kunden gewonnen.

Sehr viel Arbeit sei es, erzählt die Schondorferin, aber es mache ihr „wahnsinnig viel Spaß“. Und es ist eine Arbeit, die auch Lauensteins Philosophie entspricht: „Tracht unterliegt nicht dem schnellen Wandel, sondern ist immer modern und damit nachhaltig.“ Am liebsten würde sie biologisch produzierte Stoffe verwenden, doch die gebe es im Trachtenbereich nicht. Sie verwende aber nur Gewebe, welches in Deutschland, Österreich oder Italien verarbeitet worden sei, woher die Rohware stamme, habe sie noch nicht recherchiert. Freilich seien dies auch die hochwertigsten Stoffe, die man bekäme. Und Caroline Lauenstein lässt in Deutschland nähen. „Es gibt kaum noch Schneiderein und ich finde es wichtig, deutsches Handwerk zu unterstützen.“ Dafür haben die Röcke ihren Preis, der drei Mal so hoch sein dürfte, wie bei einem üblichen Rock. Damit hängen aber auch nicht zehn davon im Schrank einer Käuferin, sondern einer oder zwei, was ebenfalls in Lauensteins Philosophie passt.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20jor406.tif
Penzing

Benefiz: Der Musikverein Penzing spielt über 8000 Euro ein

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen