1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Alter Friedhof in Landsberg: Wer schändet die Gräber?

Landsberg

03.12.2019

Alter Friedhof in Landsberg: Wer schändet die Gräber?

Auch an diesem Grab auf dem Friedhof in der Landsberger Straße wurde ein Kürbis abgelegt.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Seit mehreren Monaten geschehen auf dem Alten Friedhof an der Augsburger Straße in Landsberg immer wieder merkwürdige Dinge. Die Polizei weiß, wer hinter einem Teil der Fälle steckt.

Merkwürdige Dinge geschehen seit etlichen Monaten auf dem Alten Friedhof an der Augsburger Straße in Landsberg: Grabbesitzer berichten von ausgegrabenen Pflanzen, verschwundenen Engelsfiguren oder auf Gräbern niedergelegten Teelichten und Kürbissen. Der Polizei sind die Vorgänge bekannt. Allerdings tun sich die Ordnungshüter schwer, weitere solche Vorkommnisse zu verhindern. Warum das so ist, erklärt der kommissarische Leiter der Polizeiinspektion, Michael Strohmeier.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Eine der betroffenen Grabbesitzerinnen ist Erna Guldner. Sie hat sich jetzt ans LT gewandt, weil sie sich dadurch erhofft, dass Friedhofsbesucher auf diese Vorkommnisse aufmerksam werden und sie vielleicht in Zukunft verhindert werden können. Um Allerheiligen herum, erzählt sie, sei an ihrem Familiengrab ein älterer Rosenstock samt Rankhilfe herausgerissen worden und sei seither spurlos verschwunden. Auch ein Gesteck sei in diesen Tagen entwendet worden, „dafür ist dann dort ein Katalog und ein riesengroßer Kürbis gelegen“, berichtet Guldner. Am vergangenen Donnerstag habe ihre Schwester auf dem Familiengrab Tannenzweige, Blätter, Rosen und Teelichten vorgefunden. Während des Herbstes seien zudem immer wieder Kürbisse auf dem Friedhof gefunden worden, auch am historischen Grabdenkmal der frommen Bäuerin Catharina Lichtenstern (1694-1736) sei ein Kürbis gelegen.

Im Sommer gab es ebenfalls etliche Vorfälle

Bereits im Sommer, berichtet eine weitere Grabbesitzerin dem LT, sei bei ihr ein acht Jahre alter Rosenstrauch ausgegraben worden. Woanders würden Schnittblumen von einer Begräbnisstätte zur nächsten gelegt, es sei auch schon mal ein ganzes Grab zerstört worden. Im Sommer, berichtet Erna Guldner weiter, habe sie auch mitbekommen, wie ein nach einem Begräbnis aufgestelltes Holzkreuz verschwand und an anderer Stelle einfach hingeworfen worden sei.

Alter Friedhof in Landsberg: Wer schändet die Gräber?

Die Vorgänge am Friedhof an der Augsburger Straße sind der Landsberger Polizei bereits seit Monaten bekannt. Tatverdächtig sei eine Frau, berichtet dazu Inspektionsleiter Michael Strohmeier. Sie von weiteren Taten abzuhalten sei jedoch schwierig: Die Frau sei zum einen schuldunfähig, zum anderen gebe es aber auch keine Gründe, sie „wegzusperren“, wie es Strohmeier formuliert: „Es besteht keine Gemeingefährlichkeit“, macht er klar. Unklar sei auch, ob tatsächlich alle der Polizei bekannten Vorgänge vom Friedhof die tatverdächtige Frau zu verantworten habe, da könne auch der eine oder andere „Dumme-Jungen-Streich“ dabei sein, allerdings: „Rein von den Umständen gehen wir davon aus, dass der überwiegende Teil auf das Konto dieser Person geht.“ Es gebe auch keine Zeugen, die diese Taten beobachtet haben, „wir haben keine Tatnachweise, sondern arbeiten auf Zurechnungsbasis“. Viel tun könne die Polizei in aller Regel nicht, Platzverweise seien jedoch ausgesprochen worden.

Auch in Nischen der Stadtmauer wurden Gegenstände abgelegt

Der Friedhof an der Augsburger Straße dürfte übrigens nicht der einzige Ort der Aktivitäten der besagten Frau sein. Auch am Waldfriedhof seien schon ähnliche Beobachtungen gemacht worden, ferner außerhalb der Gottesäcker in Landsberg: „Sie ist auch manchmal in Vorgärten, und da kann es dann sein, dass ein dekorierter Hauseingang am nächsten Tag ganz anders aussieht und der Gartenzwerg woanders auftaucht“, berichtet Strohmeier weiter. Zerstört werde aber in der Regel nichts.

Am Alten Friedhof an der Augsburger Straße in Landsberg werden immer wieder Pflanzen und Gegenstände von Gräbern entfernt.
Bild: Thorsten Jordan

Außerdem hinterlässt die Frau offenbar auch immer wieder Spuren im Bereich der Stadtmauer und des Jungfernsprungturms, so die Polizei weiter. Merkwürdige Beobachtungen in diesem Bereich hatten zwei Landsberg-Besucher kürzlich auch dem LT gemeldet. Ihnen war im Bereich des Schlossbergs einiges aufgefallen: In Mauernischen waren Kerzen und geöffnete (Werbe-)Briefe gelegt worden, daneben auch ein paar Zierkürbisse, eine leere Bierflasche und Baumschere. Die Frau nächtige in diesem Bereich immer wieder, berichtet Strohmeier weiter. Die Polizei blicke darauf aufgrund der winterlichen Temperaturen mit Sorge: Er hoffe, sie habe zumindest einen wärmenden Schlafsack, erklärt Strohmeier. Ihr eine Wohnung zuzuweisen habe sie abgelehnt. Der Fall ähnle einer Frau, die vor drei Jahren auch im Winter im Wildpark genächtigt habe.

Die Sicherheitswacht soll auf den Friedhof

Was kann getan werden, damit nicht weitere Dinge von Gräbern und aus Vorgärten verschwinden? Aufmerksam zu sein, die Frau auf ihr Tun anzusprechen und des Weges zu weisen, empfiehlt Strohmeier. Die Frau sei an sich völlig harmlos. Daneben setzt Strohmeier auf die Sicherheitswacht: „Die Sicherheitswacht ist auch schon sensibilisiert worden, dass sie mehr auf den Friedhof geht.“

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren